Interview: Tim Bendzko über Wohnzimmerkonzert und öffentlichen Nahverkehr

Der deutsch singende Schmusesänger, Tim Bendzko kommt nach München. In der Philharmonie im Gasteig steigt eines seiner bereits traditionellen Wohnzimmerkonzerte. Er erklärt das besondere an dem Konzept und erzählt warum er wohl nicht mehr in die Münchner S-Bahn steigt.
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Tim Bendzko bei seinem Auftritt im Münchner Prinzregententheater bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises.
dpa/Matthias Balk Tim Bendzko bei seinem Auftritt im Münchner Prinzregententheater bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises.

Der deutsch singende Tim Bendzko kommt nach München. In der Philharmonie im Gasteig steigt eines seiner bereits traditionellen Wohnzimmerkonzerte. Er erklärt das besondere an dem Konzept und erzählt warum er wohl nicht mehr in die Münchner S-Bahn steigt.

Tim Bendzko kennt spätestens seit er "Nur noch kurz die Welt retten" wollte, wohl so ziemlich jeder. Zuletzt machte er klar, dass er keine Maschine sei, das werde ihm vor allem bei seinen Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln klar, wie er im AZ Interview erzählt. 

Wie passt die riesige Münchner Philharmonie mit einem Wohnzimmer zusammen?
TIM BENDZKO: Man vermutet, dass diese Form von Konzert sehr klein ist, ist sie aber ja nicht, weil die Münchner Philharmonie riesig ist. Trotzdem entsteht eine besondere Stimmung, weil man näher an den Fans ist. Wir spielen auch andere Versionen der Lieder, die man sich sonst vielleicht nicht so trauen würde. Etwa 45 Songs in 45 verschiedenen Formationen.

Sind gewagtere Versionen der Lieder der einzige Grund für diese Art von Konzert?
Ich bin Fan von großen Konzerten, bei denen alles von der ersten Minute an durchgetaktet ist und eine riesige Distanz herrscht. Aber ich finde es genauso gut, sich dem Risiko auszusetzen, dass da unvorhergesehene Sachen bei einem Wohnzimmerkonzert passieren können. Es hat grundsätzlich etwas mit Nähe zu tun, gerade, wenn ich Menschen auf die Bühne hole. Das kann sich dann in jede Richtung entwickeln und da war auch schon alles dabei.

Was zum Beispiel?
Von jemandem, mit dem man sich auf der Bühne prächtig unterhält, bis zu einer, die auf keine meiner Fragen antwortet und einfach nur da sitzt und mich anstarrt. Der erste Satz, der dann mal fiel, war so etwas wie: "Willst du mich heiraten?" Lustigerweise saß der Freund übrigens im Publikum. Dieses Unplanbare ist das, warum wir das machen. Beim letzten Wohnzimmerkonzert haben wir zum Beispiel jeden Abend einen Song performt, den wir vorher noch nie gespielt hatten.

Wann gibt es ein neues Album?
Ich denke 2019, wenn alles gut läuft und ich nicht davor meine Karriere beende.

Das wollen wir doch nicht hoffen. Was inspiriert Sie beim Schreiben Ihrer Lieder?
Mein Antrieb Musik zu machen, ist kein musikalischer. Das ist ein bisschen wie Tagebuch zu schreiben oder zum Psychiater zu gehen. In meinen Texten geht es um Dinge, die mich wirklich selber beschäftigen.

Haben Sie zu Hause auch zwischendurch mal Einfälle für Songtexte?
Das ist einer der Hauptgründe, warum ich zuhause so wenig Musik höre: So ist die Chance größer, dass mir etwas einfällt. Oft ist das bei mir so, dass mir beim Herumsitzen oder Herumlaufen Songs einfallen. Schön, wenn das überhaupt noch so ist. Ich habe das Gefühl, der Mensch strebt nach maximaler Zerstreuung.

Was meinen Sie damit?
Der Mensch hat die tiefe Neigung, zerstreut zu sein. Irgendwas muss immer laufen, dass man immer abgelenkt ist von sich selber. Das versuche ich zu vermeiden. Ich kenne viele Menschen, die ich für gebildet und in sich ruhend halte, die allerdings die Stille nicht ertragen können. Das ist doch erschreckend.

Fallen Ihnen da konkrete Beispiele ein?
Wie oft ich Situationen erlebt habe, in denen Kinder zu ihren Eltern sagen: "Entschuldigung, kannst du dein Handy mal weglegen? Hallo, wir können doch miteinander reden." Oder die Rentner, die ständig auf irgendwelchen Bänken sitzen, in ihre Handys gaffen und Candy Crush spielen, anstatt miteinander zu reden. Das ist Wahnsinn. Also diese Handy-Sache ist so ein bisschen das neue Wetter - darüber könnte ich mich wochenlang unterhalten.

Ein zweites Thema, zu dem jeder was sagen kann: Der öffentliche Nahverkehr. Fahren Sie denn auch mal öffentlich?
Ab der Sekunde, in der ich meinen Führerschein hatte, hab ich meiner Mutter das Auto gemopst und bin nur noch damit gefahren. Mich macht das einfach fertig, wie diese Menschen in den S-Bahnen sitzen und man in ihren Gesichtern sieht, wie unglücklich sie mit ihrem Leben sind. Ich meine das auch nicht im übertragenen Sinne, denn mich hat das wirklich richtig ausgesaugt. Ich bin so ein Schwingungsheini und wenn man mich in einen Raum mit zehn Menschen setzt, die todunglücklich sind, dann bin ich das in drei Sekunden auch.

Kennen Sie die Öffentlichen in München?
Ja, letztens kam ich am Flughafen an und beschloss kurzerhand, mit der S-Bahn in die Stadt zu fahren. Das habe ich ganz schnell bereut. Ich dachte, das geht schneller, als Taxi zu fahren. Ging es aber nicht. Am Ende der Fahrt hat der Schirm meiner Basecap meine Nase berührt.


Tim Bendzkos Wohnzimmerkonzert findet am 26. November 2018 in der Philharmonie im Gasteig statt. Tickets dafür gibt es an allen bekannte Vorverkaufsstellen. 

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