»Intelligente Autoren geben mir den Humor«

Bekannt wurde Christoph Maria Herbst vor allem durch seine Rolle als gemeiner, sarkastischer und intriganter Chef aus der Reihe "Stromberg". Im AZ-Interview spricht der 42-jährige Schauspieler über Don Quichote, Comedys und Pornos.
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MÜNCHEN - Bekannt wurde Christoph Maria Herbst vor allem durch seine Rolle als gemeiner, sarkastischer und intriganter Chef aus der Reihe "Stromberg". Im AZ-Interview spricht der 42-jährige Schauspieler über Don Quichote, Comedys und Pornos.

Don Quichote lebt. In Spanien natürlich. In der Sat1-Komödie „Don Quichote – Gib niemals auf!“ (25. März, 20.15 Uhr) spielt Christoph Maria Herbst den schrulligen Ritter, der gegen Windmühlen kämpft. Doch statt gegen altertümliche Mühlräder anzugehen, hat Don Quichote es in der Neuverfilmung mit einem modernen Windpark zu tun. Dort trifft er auf den elfjährigen Moritz (Johann Hillmann), der ihn fortan als Knappe begleitet. Am Sonntag hatte der Film Premiere in München – mit Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst vor Ort.

AZ: Herr Herbst, haben Sie den Roman von Miguel de Cervantes gelesen?

CHRISTOPH MARIA HERBST: Nun, ich kenne Freunde, die es versucht haben. Ich selbst habe meine Nase nie ins Original gesteckt.

Können Sie den Roman erklären?

Die Geschichte sagt uns wohl, dass wir unsere Träume und auch das Exzentrische, das wir in uns tragen, verdammt noch mal ausleben sollen. Don Quichote hat sich nicht uniform machen lassen mit der Gesellschaft. Heute würde man solche Leute freilich einfach wegsperren und ihnen ein paar Barbiturate verabreichen.

Eine Rolle wie für sie gemacht?

Ehrlich gesagt habe ich mich zunächst gewehrt, versuchte sogar, der Regisseurin Sibylle Tafel diese Idee auszureden, weil ich andere für geeigneter hielt. Edgar Selge, Andreas Schmidt, Helge Schneider – mir wären noch viele eingefallen. Gott sei Dank hat sie sich nicht beeinflussen lassen. Aber es waren die anstrengendsten Dreharbeiten meiner Karriere.

Inwiefern?

Na hören Sie: Sie wackeln mit einem geschmiedeten Blech-Harnisch bei 40 Grad durch Spanien. Und müssen dazu Sätze sagen wie: „Ich bin, solange ich kämpfe, und ich kämpfe, solange ich bin.“ Sie spielen nur mit Kindern und Tieren, die sowieso alle Aufmerksamkeit bekommen.

Don Quichote ist ein Irrer. War nicht die eigentliche Herausforderung, diese Figur nicht lächerlich wirken zu lassen?

Genau. Er ließ sich nur ohne Doppelbödigkeit anlegen. Seine Sätze dürfen nicht nach Rosamunde Pilcher klingen. Schließlich sind es nur Binsenweisheiten, die es zu entkitschen galt.

Gibt es Windmühlen, gegen die Sie kämpfen würden?

Nicht wirklich. Dafür bin ich zu rational, zu erdverhaftet. Wenn ich merken würde, ich kämpfe gegen Windmühlen, würde ich den Kampf einstellen. Kämpfen zum Selbstzweck, das gibt es in meinem Leben nicht.

Haben Sie nicht immer wieder für einen intelligenteren Humor gekämpft?

Das ist kein Kampf. Stromberg ist ja auch keine Idee von mir. Intelligente kreative Autoren geben mir diesen Humor. Aber ich kann nur Dinge tun, die mich ansprechen, mich selbst kurzweilen. Immer mit der Hoffnung, dass andere daran Spaß haben.

Wenn Sie ein mehrheitsfähiger Komödiant...

...dann hätte ich was falsch gemacht. Ich respektiere die Kollegen, aber wie Wim Wenders sagte: Man kann nur erfolgreich sein, wenn man sich im Mittelmaß aufhält. Ich bin glücklich, dass „Stromberg“ von wenigen gesehen wird. Aber das sind die Richtigen.

Deutsche Sitcoms haben es schwer. Ist das Genre tot?

So wie wir es machen, hat es niemals gelebt. In der Perfektion, die notwendig ist, kriegt das wohl nur der angloamerikanische Raum hin. Kollege Pastewka ausgenommen, den schaue ich mir gerne an.

Seine Serie bei Sat1 lief auch nicht berauschend.

Das ist wahr. Über die Zukunft von „Stromberg“ redet Gott sei Dank niemand, weil ihm sowieso keiner jemals eine Zukunft eingeräumt hat. Die Quoten waren nie berauschend, aber es gibt einen harten Kern, der immer wieder zuschaut. Und den Sender, der daran festhält.

Es wird noch eine Staffel geben?

Ja, und ein Special. Wir drehen ab September.

Stimmt es, dass Sie früher Pornofilme synchronisiert haben?

Ach, das haben wir doch alle. Ich wusste eben nicht, wie ich meine Miete zahlen soll. Ich habe zwei gemacht und mich dabei sehr gelangweilt.

Würde man Ihre Stimme erkennen?

Wohl kaum. Ich bin der, der im Hintergrund stöhnt.

tsch

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