"Ich bin in einer Krisenphase": Starkoch Johann Lafer spricht offen über seine Krebsdiagnose

Man kann es nicht anders sagen: Johann Lafer (68) ist ein Kämpfer. Weder seine schwere Krebserkrankung (Lymphdrüsenkrebs) noch die extreme Sommerhitze von über 30 Grad halten ihn am Donnerstagabend von seinem München-Termin ab. Er hat Freunde und Wegbegleiter ins El Gaucho am Viktualienmarkt geladen.
Der Promi-Koch trägt ein Cap, weiße Sneaker, ein hellblau-weiß gemustertes Hemd. Sein Markenzeichen, der dunkle Schnauzer, ist weg. Sein Lächeln nicht.
Er begrüßt die Gäste immer wieder persönlich, nimmt sie in den Arm, ratscht mit Michaela May, Jutta Speidel und all den anderen Menschen, die sich allesamt nur eins wünschen: Ihr Johann soll wieder gesund werden. München umarmt ihn an diesem Abend.

Der Termin beim Premium-Steak-Hotspot El Gaucho sei ihm "wichtig" gewesen, vor 50 Jahren hat er nämlich beim Stammbetrieb in Österreich seine Kochausbildung gemacht. "Gastfreundschaft ist der Mittelpunkt, das ist hier der Fall." Er lobt, was die Familie Grossauer aus dem Betrieb gemacht hat, "mega"!
So geht es Johann Lafer aktuell
Seit zwölf Jahren gibt es das Lokal auch in München, wie Geschäftsführer Franz Grossauer stolz sagt. Das Motto des Abends: "Johann Lafer x El Gaucho. Bavaria meets Styria" (Steiermark).

Aber wie geht es Johann Lafer? Wie fühlt er sich? Der AZ sagt er offen: "Die Hitze ist nicht einfach, ich bin ehrlich. Neben der anderen Belastung ist die Temperatur herausfordernd."
Aber absagen oder verschieben kam nicht infrage. "Es nützt nichts, immer nur irgendwo in der Ecke zu sitzen. Das ist der falsche Weg. Es ist ein Schicksalsschlag, man muss ihn nehmen, wie er ist, und das Beste daraus machen." Trotzdem räumt er ein, dass die Diagnose nicht spurlos an ihm vorbeigeht: "Am Anfang ging es mir besser damit, gerade bin ich in einer Krisenphase."
Was den Starkoch motiviert
Die vielen Gäste, die seiner Einladung gefolgt sind, bauen ihn auf. "Dass sie sich freuen, mich wiederzusehen, tut mir gut. Diese Zuwendung und Anerkennung ist für mich eine große Motivation. Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass mein jahrelanger Einsatz und die Mühe nicht in die falsche Richtung gegangen sind."

Auch die vielen Genesungswünsche geben ihm "ein gutes Gefühl". "Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück. Meine Familie hat immer gesagt: Sei ehrlich, sei offen und klar, gib Fehler zu. Sei transparent."
Hat ihn das auch dazu gebracht, die Erkrankung öffentlich zu machen? "Ich konnte nicht mehr anders." Nach seinem Auftritt im ZDF-"Fernsehgarten" kursierten zu viele Gerüchte – von Abnehmspritze bis Midlife Crisis. "Ich habe zu meiner Frau gesagt: Es geht nicht mehr. Ich will nichts mehr vorgaukeln. Jetzt geht es mir besser, ich bin befreiter."
Kontakt zu Alfons Schuhbeck: "Wir sitzen im selben Boot"
Er erinnert sich zurück: "Der Moment, wenn die Professoren sagen: Herr Lafer, jetzt müssen wir ernst reden. Sie brauchen eine harte Therapie, aber Sie werden an dieser Krankheit nicht sterben." Man spürt, wie schwer dieser Moment für ihn war.
Mit dem ebenfalls an Krebs erkrankten Koch-Kollegen Alfons Schuhbeck sei er in Kontakt, sagt er der AZ. "Wir sitzen im selben Boot."

An diesem Abend blüht der österreichische Starkoch auf, wenn er wieder einen neuen Gast entdeckt, gemeinsame Erinnerungsfotos geschossen werden oder wenn ihm das geräucherte Filet vom Steirischen Almochsen am Tisch präsentiert wird und es aus der Holzkiste dampft.
Ansonsten gibt es: Carpaccio vom Milchkalb mit steirischen Gebirgsgarnelen und Liebstöckel-Mayonnaise, weiße Graz-Trüffel-Velouté mit Edelpilztatar und Pilzpraline sowie als Dessert eine Macadamia-Schokoladenkuppel.
Michaela May: Was sie von Johann Lafer gelernt hat
Unter den Gästen ist neben Ski-Ikone Maria Höfl-Riesch und Schauspielerin Jutta Speidel unter anderen auch Michaela May. Der AZ sagt sie: "Der Johann ist so ein treuer, guter Freund. Ich habe bei ihm vor vielen, vielen Jahren einen einwöchigen Kochkurs gemacht." Das hat sie bis heute nicht vergessen: "Er hat mich das beste Rösti der Welt gelehrt. Immer wenn ich Rösti mache, denke ich an den Johann."
Seine Erkrankung habe sie schwer getroffen. Sie wünscht ihm, "dass er seinen positiven Glauben nicht verliert und weiterhin so ein treuer und liebevoller Koch-Freund bleibt".

Ihr selbst steht ab Freitag das Hitze-Kontrastprogramm bevor. Zu acht, unter anderem mit Jutta Speidel, werden sie in die Arktis reisen. "Um zu sehen, was meine Enkelkinder vielleicht nicht mehr sehen können." Stichwort: Klimawandel. Auch wenn das an diesem heißen Abend schwer vorstellbar ist: Sie haben dicke Winterjacken, Mützen und mehr schon eingepackt.
Michael Käfer strahlt: Zwei-Sterne-Segen für The Cloud
Münchens Feinkost-König Michael Käfer strahlt an diesem Abend über beide Ohren, denn The Cloud by Käfer in der BMW-Welt hat vor wenigen Tagen zwei Michelin-Sterne geholt. Sofort lobt er das dortige junge, engagierte Team um Küchenchef Jens Madsen. Der Enthusiasmus und Wille zur Arbeit im Team, "das ist positiv für die Branche und für die Generation".
Über seinen Freund Lafer sagt er: "Ich schätze ihn so." Er packe richtig an, sei sich trotz seiner Prominenz auch nicht zu schade, zum Beispiel selbst die Kartoffeln zu schälen. Käfer ist fest davon überzeugt: "Er wird sicherlich eines der positiven Beispiele sein, wie man sich da rauskämpft." Er wünscht ihm "nur Gesundheit und nichts anderes".
Auch Lafer hat einen Wunsch, bevor er sich unter die Gäste mischt: "Dass wir nächstes Jahr hier sitzen und sagen: Der Kelch ist einigermaßen an mir vorübergegangen."