"Herr Reichskanzler": Als Prinz Philips eigensinniger Humor die Queen blamierte

Am 21. April wäre die Jahrhundertkönigin Elizabeth 100 Jahre alt geworden. Sie gilt heute als Ikone, saß 70 Jahre lang auf dem britischen Thron. Dabei hätte alles ganz anders kommen können, zeigt ein Blick in die Geschichte. Und auch wenn sie ihr Leben in den Dienst der Nation stellte: Skandalfrei war ihre Regentschaft nicht. Im Gegenteil. Ein Rückblick auf die Eskapaden von Mann, Söhnen – und den Moment, als sie inmitten einer Tragödie selbst ins Kreuzfeuer der Kritik geriet.
von  Martina Scheffler
The Queen delivers a broadcast live speech to the nation from Buckingham Palace 05 September to speak of the Royal Family's sorrow at the death of her former daughter-in-law, Diana, Princess of Wales who was killed in a car crash in Paris last weekend. (EDS note: We are advised that video-grabs should not be used by daily papers later than 48 hours after the broadcast of the programme, without consent of the copyright holder) === UK OUT === dpa COLORplus +++ dpa-Bildfunk +++
The Queen delivers a broadcast live speech to the nation from Buckingham Palace 05 September to speak of the Royal Family's sorrow at the death of her former daughter-in-law, Diana, Princess of Wales who was killed in a car crash in Paris last weekend. (EDS note: We are advised that video-grabs should not be used by daily papers later than 48 hours after the broadcast of the programme, without consent of the copyright holder) === UK OUT === dpa COLORplus +++ dpa-Bildfunk +++ © picture-alliance / dpa

Nur sehr wenige Menschen sind zu weltweiten Markenzeichen geworden, die mit wenigen Details sofort erkennbar sind: wirre Haare und Zunge raus – Einstein, Mantel und Zigarre – Churchill, Handtasche, Hut und Mäntelchen – die Queen.

Vor knapp 100 Jahren, am 21. April 1926, wurde sie als Tochter von König Georg VI. und seiner Frau Elizabeth Bowes-Lyon geboren. Ihr Vater war wider Willen auf den Thron gelangt, weil sein Bruder das wilde Leben mit Wallis Simpson der royalen Pflichterfüllung vorzog.  Eine Entscheidung, die auch das Leben der späteren Queen prägen sollte: Sie wollte nach eigenen Worten ihr ganzes Leben, "möge es kurz oder lang sein", dem Dienst an der Nation widmen.

Ihr Mann verhielt sich nicht immer politisch korrekt

Ein Rücktritt war für sie undenkbar – dabei hat die Monarchie unter ihr Zeiten erlebt, bei denen man vermuten darf, dass vielleicht auch diese beherrschte herrschende Frau gerne hingeworfen hätte.

Das Brautpaar Prinzessin Elizabeth und Prinz Philip 1947 in London.
Das Brautpaar Prinzessin Elizabeth und Prinz Philip 1947 in London. © picture-alliance/ dpa

Ihr eigener Mann, den sie in späteren Jahren als "meine Stärke und mein Halt in all den Jahren" bezeichnete, war in all den Jahren auch für andere Damen da und sorgte mit politisch unkorrektem Humor teils für ziemlich ernsthafte Verstimmung – man erinnere sich an die uncharmante Begrüßung des Kanzlers der Einheit, Helmut Kohl, als "Herr Reichskanzler".

Philip, der auch – wie die Queen – deutsche Wurzeln hatte, dürfte genau gewusst haben, dass er gerade ein kleines Skandälchen provoziert.

Von den Eskapaden mit Diana lebte eine ganze Branche

Auch ihr Thronerbe machte der Queen bei Weitem nicht nur Freude: Von den beidseitigen Eskapaden in seiner Ehe mit Lady Diana Spencer lebte über Jahre eine ganze Branche – kein noch so schlüpfriges Detail blieb von der Yellow Press unausgewalzt.

"Wir waren zu dritt in dieser Ehe", Charles’ Tampongate im intimen Telefonat mit der heutigen Königin, das hier nicht weiter ausgeführt werden soll, der Rittmeister von Diana, dem Vaterfreuden (Harry! Rote Haare!) zugesprochen wurden, es war ein Graus.

Mühsames Lächeln: die Queen (v.r.), Charles (v., 2.v.r.), Diana (v., 2.v.l.) und Prinz Harry (v.l.) nach Prinz Williams (v.M.) Konfirmation 1997.
Mühsames Lächeln: die Queen (v.r.), Charles (v., 2.v.r.), Diana (v., 2.v.l.) und Prinz Harry (v.l.) nach Prinz Williams (v.M.) Konfirmation 1997. © picture-alliance / dpa

Und die Scheidung des Prinzenpaares machte es nicht besser. Diana und ihre wechselnden Freundschaften, "Rottweiler" Camilla stets im Hintergrund, und dann: der Super-Gau.

Dieses Mal zieht die Queen selbst den Zorn auf sich

Der Tod der von Paparazzi verfolgten Diana und ihres aktuellen Liebhabers Dodi Al-Fayed, Sohn des Harrods-Besitzers Mohamed Al-Fayed, der – so schließen sich Kreise  – jetzt in den Epstein-Akten aufgetaucht sein soll, in einem Pariser Tunnel im Jahr 1997 bringt die Monarchie ins Wanken wie vielleicht nie zuvor.

Denn: Dieses Mal ist es die Queen selbst, die den Zorn der Untertanen auf sich zieht, weil sie sich nicht äußert zum Tod der ungeliebten Ex-Schwiegertochter, weil sie nicht nach London reist in jenem Sommer, sondern auf ihrem schottischen Sommersitz Balmoral bleibt.

"Wo ist die Queen?", fragen Volk und Medien. "Zeigen Sie uns, dass Sie sich sorgen!", so wird die Regentin angeherrscht.

Andrew, der Lieblingssohn der Queen ist tief in den Epstein-Skandal verstrickt.
Andrew, der Lieblingssohn der Queen ist tief in den Epstein-Skandal verstrickt. © Toby Melville/Pool Reuters/dpa

Die Queen versteht und handelt, ringt sich auf Betreiben des damaligen Premiers Tony Blair eine Rede an die Nation ab, um Diana mit einigermaßen warmen Worten zu würdigen, "als Großmutter" spreche sie zu den Briten, sagt sie damals. Sie neigt ihr Haupt vor Dianas Sarg – das reicht, um die Monarchie zu retten. Gras wächst über alles.

Ihre letzte Enttäuschung: Andrew

Ihre letzte familiäre Enttäuschung: Lieblingssohn Andrew ist tief verstrickt in den Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Sie entzieht ihm alle militärischen Ränge. Zum Ausgestoßenen, der sogar vorübergehend festgenommen wird, wird er erst nach ihrem Tod am 8. September 2022.

Was bleibt von ihr? Viele Denkmäler, wie sie selbst nach 70 Jahren auf dem Thron zum Denkmal geworden war für die letzte Phase des alten Empire.

So sah sie sich wohl am liebsten: die Queen 2002 zu Pferde.
So sah sie sich wohl am liebsten: die Queen 2002 zu Pferde. © picture alliance / dpa

Zum 100. wird ihr ein Garten gewidmet im Londoner Regent’s Park. Denn wenn es Wallis Simpson nicht gegeben hätte, vielleicht wäre sie dann viel lieber die Frau mit Kopftuch gewesen, die mit ihren Corgis einen Spaziergang macht und mit ihren Pferden einen Ausritt

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