"Herr Reichskanzler": Als Prinz Philips eigensinniger Humor die Queen blamierte

Nur sehr wenige Menschen sind zu weltweiten Markenzeichen geworden, die mit wenigen Details sofort erkennbar sind: wirre Haare und Zunge raus – Einstein, Mantel und Zigarre – Churchill, Handtasche, Hut und Mäntelchen – die Queen.
Vor knapp 100 Jahren, am 21. April 1926, wurde sie als Tochter von König Georg VI. und seiner Frau Elizabeth Bowes-Lyon geboren. Ihr Vater war wider Willen auf den Thron gelangt, weil sein Bruder das wilde Leben mit Wallis Simpson der royalen Pflichterfüllung vorzog. Eine Entscheidung, die auch das Leben der späteren Queen prägen sollte: Sie wollte nach eigenen Worten ihr ganzes Leben, "möge es kurz oder lang sein", dem Dienst an der Nation widmen.
Ihr Mann verhielt sich nicht immer politisch korrekt
Ein Rücktritt war für sie undenkbar – dabei hat die Monarchie unter ihr Zeiten erlebt, bei denen man vermuten darf, dass vielleicht auch diese beherrschte herrschende Frau gerne hingeworfen hätte.

Ihr eigener Mann, den sie in späteren Jahren als "meine Stärke und mein Halt in all den Jahren" bezeichnete, war in all den Jahren auch für andere Damen da und sorgte mit politisch unkorrektem Humor teils für ziemlich ernsthafte Verstimmung – man erinnere sich an die uncharmante Begrüßung des Kanzlers der Einheit, Helmut Kohl, als "Herr Reichskanzler".
Philip, der auch – wie die Queen – deutsche Wurzeln hatte, dürfte genau gewusst haben, dass er gerade ein kleines Skandälchen provoziert.
Von den Eskapaden mit Diana lebte eine ganze Branche
Auch ihr Thronerbe machte der Queen bei Weitem nicht nur Freude: Von den beidseitigen Eskapaden in seiner Ehe mit Lady Diana Spencer lebte über Jahre eine ganze Branche – kein noch so schlüpfriges Detail blieb von der Yellow Press unausgewalzt.
"Wir waren zu dritt in dieser Ehe", Charles’ Tampongate im intimen Telefonat mit der heutigen Königin, das hier nicht weiter ausgeführt werden soll, der Rittmeister von Diana, dem Vaterfreuden (Harry! Rote Haare!) zugesprochen wurden, es war ein Graus.

Und die Scheidung des Prinzenpaares machte es nicht besser. Diana und ihre wechselnden Freundschaften, "Rottweiler" Camilla stets im Hintergrund, und dann: der Super-Gau.
Dieses Mal zieht die Queen selbst den Zorn auf sich
Der Tod der von Paparazzi verfolgten Diana und ihres aktuellen Liebhabers Dodi Al-Fayed, Sohn des Harrods-Besitzers Mohamed Al-Fayed, der – so schließen sich Kreise – jetzt in den Epstein-Akten aufgetaucht sein soll, in einem Pariser Tunnel im Jahr 1997 bringt die Monarchie ins Wanken wie vielleicht nie zuvor.
Denn: Dieses Mal ist es die Queen selbst, die den Zorn der Untertanen auf sich zieht, weil sie sich nicht äußert zum Tod der ungeliebten Ex-Schwiegertochter, weil sie nicht nach London reist in jenem Sommer, sondern auf ihrem schottischen Sommersitz Balmoral bleibt.
"Wo ist die Queen?", fragen Volk und Medien. "Zeigen Sie uns, dass Sie sich sorgen!", so wird die Regentin angeherrscht.

Die Queen versteht und handelt, ringt sich auf Betreiben des damaligen Premiers Tony Blair eine Rede an die Nation ab, um Diana mit einigermaßen warmen Worten zu würdigen, "als Großmutter" spreche sie zu den Briten, sagt sie damals. Sie neigt ihr Haupt vor Dianas Sarg – das reicht, um die Monarchie zu retten. Gras wächst über alles.
Ihre letzte Enttäuschung: Andrew
Ihre letzte familiäre Enttäuschung: Lieblingssohn Andrew ist tief verstrickt in den Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Sie entzieht ihm alle militärischen Ränge. Zum Ausgestoßenen, der sogar vorübergehend festgenommen wird, wird er erst nach ihrem Tod am 8. September 2022.
Was bleibt von ihr? Viele Denkmäler, wie sie selbst nach 70 Jahren auf dem Thron zum Denkmal geworden war für die letzte Phase des alten Empire.

Zum 100. wird ihr ein Garten gewidmet im Londoner Regent’s Park. Denn wenn es Wallis Simpson nicht gegeben hätte, vielleicht wäre sie dann viel lieber die Frau mit Kopftuch gewesen, die mit ihren Corgis einen Spaziergang macht und mit ihren Pferden einen Ausritt