Hella von Sinnen wird deutlich: "Leben in einem Land von Alkoholikern"

Hella von Sinnen trank früher gerne das eine oder andere Gläschen. Inzwischen genießt sie es, nüchtern zu bleiben. Mit der AZ spricht sie über die Hintergründe dieser Entscheidung – und findet deutliche Worte für die gesellschaftliche Verharmlosung von Alkohol.
Eva Meeks
Eva Meeks
|
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
4  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
Hella von Sinnen hat dem Alkohol abgeschworen.
Hella von Sinnen hat dem Alkohol abgeschworen. © imago/breuel-bild

Hella von Sinnen (67) gab kürzlich zu, kritisch auf ihren jahrzehntelangen Alkoholkonsum zurückzublicken: "Ich bereue meine unverschämte, arrogante Art, die ich im Suff Menschen gegenüber an den Tag gelegt habe", sagte sie in einem Interview. In der AZ kommt sie jetzt auf diese Schlagzeilen zu sprechen – und stellt eventuelle Missverständnisse richtig. Vor allem aber betont von Sinnen, die Verharmlosung von Alkohol zu verurteilen.

Hella von Sinnen zur AZ: "Ich war keine Alkoholikerin"

Einen konkreten Aha-Moment, um Alkohol endgültig aufzugeben, gab es bei Hella von Sinnen nicht: "Ich war keine Alkoholikerin, und ich wollte eigentlich mein Leben lang weiter saufen", schildert sie in der AZ. Nach einem schweren Sturz mit mehreren Knochenbrüchen sei ihre Nüchternheit eher zufällig passiert: "Dann lag ich sechs Wochen im Krankenhaus und bekam keinen Alkohol. In der Reha habe ich ebenfalls nicht getrunken."

Als sie danach in ihr Kölner Zuhause zurückkehrte und einen Kühlschrank voller Bier vorfand, hatte sie schlichtweg keine Lust mehr zu trinken: "Das war eine herrliche, schicksalhafte Fügung", so Hella von Sinnen zur AZ. "Ich finde es heute herrlich, nüchtern zu sein, und freue mich darüber. Denn ich habe wirklich mein Leben lang gedacht, ich sei süchtig."

Hella von Sinnen erinnert sich an wilde Partynächte zurück, in denen viel Alkohol floss.
Hella von Sinnen erinnert sich an wilde Partynächte zurück, in denen viel Alkohol floss. © imago/Sven Simon

Die Komikerin betont, nie auf der Arbeit getrunken zu haben. "Privat haben wir allerdings sehr viel getrunken. Wir waren Schauspieler, wir waren Künstler, wir haben die Nächte durchgemacht und gesoffen. Es war eine herrliche Zeit, die ich nicht missen möchte", erinnert sich von Sinnen. "Jetzt ist die Zeit eben nüchterner. Und ich habe festgestellt, dass ich auch ohne Alkohol Spaß haben kann, mich gerne mit meinen Freundinnen unterhalte und Spieleabende machen kann, ohne dabei zwölf Flaschen Bier zu trinken."

Deutliche Worte von Hella von Sinnen: "Land von Alkoholikern"

Generell finde die 67-Jährige, dass Alkoholkonsum in der Gesellschaft zu sehr verharmlost werde: "Ich habe immer schon gesagt, dass wir in einem Land von Alkoholikern leben. Deshalb fand ich auch die Debatte um die Freigabe von Cannabis teilweise sehr heuchlerisch. Um Cannabis wurde ein großes Theater gemacht, während Alkohol gesellschaftlich weitgehend akzeptiert ist", so von Sinnen zur AZ.

Sie findet: "Es müsste deutlich mehr Aufklärungskampagnen zu diesem Thema geben." Ob sie sich vorstellen könnte, in ihrem neuen Podcast "Gestatten, von Sinnen!" (erscheint jeden zweiten Freitag) darüber zu sprechen? "Wenn sich das Thema ergibt, werde ich ihm nicht aus dem Weg gehen. Aber ich bin jetzt nicht auf irgendeiner Mission unterwegs", sagt Hella von Sinnen. Sie selbst würde einfach nicht mehr trinken.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
4 Kommentare
Bitte beachten Sie, dass die Kommentarfunktion unserer Artikel nur 72 Stunden nach Veröffentlichung zur Verfügung steht.
  • Radi Brunnengrosser am 02.08.2026 09:49 Uhr / Bewertung:

    Wenn sie nicht mit Alkohol umgehen kann sind alle
    die Bier trinken Alkoholiker.Es wird immer toller im
    ehemals schönem Deutschland.

    Antworten lädt ... Kommentar melden
  • Kollie am 02.08.2026 09:21 Uhr / Bewertung:

    Freue mich als Arzt, Autor und Therapeut über die Serie von Artikeln zum Thema. Man schaue sich auch die Lebenslinie an von Ursula Buchfellner in der Mediathek. Da wird deutlich, wie sehr die Kinder und Partner unter dem Problem Alkohol leiden. Vater Alkoholiker, gewalttätig. Nicht jeder hat dann so viel Glück im Leben wie sie. - Sucht von "siech" ist die mit großem Abstand häufigste Diagnose in der gesamten Medizin. Gorbatschow hat mit seiner Kampagne viele Ärzte fast arbeitslos gemacht vor allem in den Notdiensten. Kenne ich auch noch: je später die Gäste...Dann Alkoholtest, neurologische Untersuchung, 100 DM extra. - Prävention, da versagt der Staat, beugt sich lieber den Wünschen der Lobby. Verbote, Einschränkungen? Nein, nicht bei uns. Beim Alkohol und bei den Zigaretten wäre vieles möglich, das in anderen Ländern praktiziert wird. In Rußland hieß es damals: Jelzins Fahne weht wieder über dem Kreml!

    Antworten lädt ... Kommentar melden
  • Futurana am 01.08.2026 18:09 Uhr / Bewertung:

    Ist doch gut, dass sie zur Einsicht kam und damit ehrlich umgeht. ...und Recht hat sie . In D wird Alkohol verharmlost

    Antworten lädt ... Kommentar melden
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.