"Heimsuchung" von Volker Schlöndorff: Das sind die Kino-Highlights der Woche
Volker Schlöndorff und die deutsche Literatur, das ist eine Liebes- und Filmgeschichte, die seit mehr als sechs Jahrzehnten währt. Nach Klassikern wie "Der junge Törless", "Die Blechtrommel", "Homo Faber" und "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" legt der 87-jährige Oscar-Preisträger mit "Heimsuchung - Eine Jahrhundertgeschichte" seine nächste Literaturverfilmung vor. Der Film nach Jenny Erpenbecks Erfolgsroman feierte im Mai in Cannes Premiere und wurde jüngst auf der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet. In dieser Woche kommt das Werk ins Kino.
Was das Publikum in dieser Woche außerdem erwartet: Mit "Street Fighter" wurde die gleichnamige Videospiel-Reihe zum zweiten Mal verfilmt, in "Whalefall" wird ein Taucher von einem Wal verschluckt, und mit "Sinn und Sinnlichkeit" findet wieder mal eine Jane-Austen-Adaption den Weg auf die große Leinwand.
Heimsuchung - Eine Jahrhundertgeschichte
Um ein Haus am See in Brandenburg und seine Bewohner herum entspinnt die Autorin Jenny Erpenbeck in ihrem Bestseller "Heimsuchung" einen Streifzug durch die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts: Ein jüdischer Tuchfabrikant muss vor den Nazis fliehen und seinen Teil des Grundstücks verkaufen, auf dem ein Architekt das Haus baut, in der DDR Karriere macht und nach seinem Scheitern dort später in den Westen geht. Schließlich beziehen die Großeltern der Autorin, ein kommunistisches Schriftstellerpaar, nach der Rückkehr aus dem sowjetischen Exil das Haus aus Erpenbecks Kindheitserinnerungen.
Volker Schlöndorff arbeitete bei seiner Adaption eng mit der Schriftstellerin zusammen, ließ sie sogar bei der Besetzung mitreden: Martina Gedeck und Michael Maertens verkörpern ihre Großeltern, Ulrich Matthes spielt den Tuchfabrikanten, Detlev Buck den Bürgermeister und Lars Eidinger, ohne den aktuell kaum ein Film oder eine Serie auszukommen scheint, den Architekten, sowie Susanne Wolff dessen Frau. Auch für Angela Winkler, seinen Star aus "Die Blechtrommel" und "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", fand Schlöndorff eine passende Rolle.
Während Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, lobte, dass Schlöndorff "die Genauigkeit und Haltung der Vorlage" bewahre und Bilder für das finde, "was zwischen den Zeilen liegt: das Verdrängte, das Mitgeschleppte, das Wiederkehrende", kritisieren andere eine allzu starke Vereinfachung des komplexen literarischen Werkes, sprachlich wie thematisch. Gelungene Verdichtung oder Verlust literarischer Tiefe? Das muss wohl jede(r) selbst entscheiden.
Street Fighter
Einst waren die beiden Kämpfer Ryu (Andrew Koji) und Ken Masters (Noah Centineo) wie Brüder, dann bittere Rivalen. Doch es ist das Jahr 1993 und ihre letzte Begegnung liegt schon lange zurück. Ken genießt das Rampenlicht und den Ruhm im Ring noch immer. Und Ryu? Der hat dieser Welt den Rücken gekehrt: "Ich kämpfe nicht mehr." Aber die mysteriöse Chun-Li (Callina Liang) lässt sich in der neuen Actionkomödie "Street Fighter" davon nicht abwimmeln: Sie will Ken und Ryu für das renommierte World Warrior Tournament rekrutieren. Aber natürlich geht es bei diesem Turnier nicht nur um Geld oder um den Sieg. Denn während die Menge jeden Faustschlag und jeden Kick bejubelt, brodelt es hinter den Kulissen. Ryu und Ken werden von ihrer gemeinsamen Vergangenheit eingeholt, während der finstere M. Bison (David Dastmalchian) das World Warrior Tournament für gefährliche Pläne ausnutzt. Und selbstverständlich ist es an den beiden Helden wider Willen, die Welt vor ihm zu retten.
Die Geschichte ist entsprechend erwartbar, die Actionszenen sind dafür durchaus beeindruckend und würdigen die teils brutalen Videospielvorlagen des Films entsprechend. "Street Fighter" ist nach "Street Fighter - Die entscheidende Schlacht" (1994) und "Street Fighter: The Legend of Chun-Li" (2009) bereits der dritte Ausflug des japanischen Entwicklers Capcom in die Welt seiner gleichnamigen Videospielreihe, deren erster Teil 1987 veröffentlicht wurde. Die Geschichte rund um die altbekannten und beliebten Charaktere wie Ken Masters, Ryu und Chun-Li aus dem Spieleuniversum konzipierten dieses Mal Dalan Musson ("Captain America: Brave New World") und Gary Dauberman ("Es Kapitel 2"), das Drehbuch schrieben T. J. Fixman ("Carry-On") und Kitao Sakurai ("Beef"), wobei letzterer auch Regie führte.
Neben Netflix-Star Noah Centineo, "Gangs of London"-Schauspieler Andrew Koji und der kanadischen Newcomerin Callina Liang verkörpern unter anderem auch Jason Momoa, Rapper 50 Cent und Sänger Orville Peck einige der bekannten "Street Fighter"-Charaktere.
Whalefall
Es ist eine Frage, die mindestens so alt zu sein scheint wie das Alte Testament: Kann ein Mensch im Bauch eines Wals überleben? Der biblische Prophet Jona wurde in der Antike schon von einem "großen Fisch" (später gedeutet als Wal) verschluckt. Bis ins 19. Jahrhundert kursierten Berichte über Walfänger, die von den Meeresriesen verschlungen und dann doch wieder befreit wurden. Pinocchio landete mit einem ganzen Boot im Inneren des Wals. Ihnen allen folgt nun ein gewisser Jay Gardiner, der wenig beneidenswerte Held in "Whalefall".
Kann der Mensch also nun im Wal überleben? Darauf hätten die allermeisten Fachleute wohl die ungefähr gleiche ernüchternde Antwort - eine, die kaum für einen abendfüllenden Hollywood-Film reichten würde. Der Regisseur und Autor Brian Duffield, unter anderem bekannt als Schöpfer der King-Kong-Serie "Skull Island", wirft seinen Protagonisten Jay Gardiner (Austin Abrams) trotzdem hinein ins gefährliche Nass und von dort aus weiter in den Schlund der Bestie, wo sich bald ein überwältigend großer und gleichzeitig sehr beengter Survival-Thriller abspielt.
Jay Gardinger ist Taucher, so wie auch sein Vater Mitt (Josh Brolin) einer war. Und jetzt ist sein Vater tot. Jay macht sich im Pazifik mit voller Montur auf, die sterblichen Überreste von Mitt zu suchen. Das Meer in "Whalefall" ist tief, dunkel, beängstigend, und es beherbergt manche ungeheuerliche Kreaturen: Bei einem seiner Tauchgänge begegnet Jay einem Pottwal, der gerade einen Riesenkalmar jagt. Und dann befindet Jay Gardiner sich plötzlich im Inneren des gigantischen Meeressäugers. Sein Sauerstoffvorrat hält noch für etwa eine Stunde ...
Sinn und Sinnlichkeit
Als Jane Austen 1811 auf eigene Kosten ihr Debütwerk "Sinn und Sinnlichkeit" (englischer Originaltitel: "Sense and Sensibility") veröffentlichte, tat sie dies noch im Geheimen: Da es sich für Frauen, insbesondere jene, die der gehobenen Gesellschaft angehörten, damals nicht gehörte, zu lesen geschweige denn eigene Geschichten zu verfassen, schrieb die 1775 in Steventon geborene Schriftstellerin statt ihres Namens einfach "by a lady" ("von einer Dame") auf das Titelblatt. Erst nach ihrem Tod im Jahr 1817 wurde bekannt, dass Jane Austen hinter all den wunderbaren Romanen wie "Stolz und Vorurteil" oder "Emma" steckte, die später als Vorlage für oft ebenfalls gefeierte Filme dienten. 31 Jahre nach der Oscar-prämierten Kinoadaption mit Emma Thompson, die auch das Drehbuch schrieb, findet "Sinn und Sinnlichkeit" nun abermals den Weg auf die große Leinwand.
Nach dem Debütdrehbuch von Diana Reid erzählt Regisseurin Georgia Oakley die altbekannte Geschichte zweier Schwestern zu Beginn des 19. Jahrhunderts in England: Nach dem Tod ihres Vaters bangen Elinor (Daisy Edgar-Jones) und Marianne Dashwood (Esmé Creed-Miles) um ihre Zukunft. Weil das Erbe an ihren älteren Halbbruder Sir John (Tom Brooke) geht, müssen sie gemeinsam mit ihrer jüngsten Schwester Margaret (Bodhi Rae Breathnach) und ihrer Mutter Mrs. Dashwood (Caitríona Balfe) von ihrem bisherigen Anwesen in Sussex in ein kleines Landhaus in Devon umziehen. Einzig eine reiche Heirat könnte die Frauen vor ihrem Schicksal retten, doch welcher Mann will schon eine mittellose Frau ehelichen? Das denkt sich auch Elinor und hält deshalb ihre Gefühle für Edward Ferrars (George MacKay) geheim. Die jüngere Marianne ist hingegen mutiger und verliebt sich Hals über Kopf in den charismatischen John Willoughby (Frank Dillane). Wird es am Ende trotzdem ein Happy End geben?
Hauptdarstellerin Daisy Edgar-Jones wurde 2020 durch die irische Coming-of-Age-Serie "Normal People" bekannt, die hierzulande unter anderem bei Amazon Prime Video streambar ist. Caitríona Balfe überzeugte unter anderem als Zeitreisende Claire Fraser in "Outlander" sowie im autofiktionalen Filmdrama "Belfast" von Kenneth Branagh. Mit Fiona Shaw als Mrs. Jennings ist zudem ein Star aus der "Harry Potter"-Reihe in einer Nebenrolle zu sehen.
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