Hans W. Geißendörfer und Georg Uecker: Orden für "Lindenstraße"-Stars

Ministerpräsident Hendrik Wüst verleiht am 2. Juni den Verdienstorden des Landes NRW. Unter den 15 Geehrten sind "Lindenstraße"-Schöpfer Hans W. Geißendörfer, Darsteller Georg Uecker und Schauspieler Ralph Morgenstern.
von  (jom/spot)
Hans W. Geißendörfer (li.) und Georg Uecker bekommen den NRW-Verdienstorden.
Hans W. Geißendörfer (li.) und Georg Uecker bekommen den NRW-Verdienstorden. © Imago Images/WENN

Am 2. Juni verleiht Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (50) in der Düsseldorfer Staatskanzlei den Verdienstorden des Landes. Das geht aus der offiziellen Einladung hervor. Unter den 15 Ausgezeichneten finden sich drei Namen, die untrennbar mit einem der prägendsten Kapitel der deutschen Fernsehgeschichte verbunden sind: Hans W. Geißendörfer (85), Georg Uecker (63) und Claus Vinçon (69).

Wer die Zusammensetzung der Geehrten betrachtet, erkennt schnell den roten Faden: Viele von ihnen haben die queere Gemeinschaft in NRW über Jahrzehnte gestaltet, sichtbar gemacht und verteidigt - in der Sozialarbeit, in der Politik, in der Kultur. Geißendörfer, Uecker, Vinçon und auch Ralph Morgenstern (69) als weiterer Geehrter haben das auf ihre eigene Weise getan: vor Kameras und auf Bildschirmen, die damals ins Wohnzimmer jedes deutschen Haushalts führten.

Hans W. Geißendörfer ist der Vater einer Fernsehserie, die Deutschland verändert hat. 1985 rief er gemeinsam mit dem WDR die "Lindenstraße" ins Leben - und schuf damit eine wöchentliche Bühne für Themen, die im deutschen Fernsehen bis dahin kaum eine Rolle gespielt hatten. AIDS, Homosexualität, Einwanderung, soziale Ausgrenzung: Woche für Woche verhandelte die fiktive Münchner Wohnstraße, was die Gesellschaft bewegte und oft noch nicht bereit war, offen auszusprechen. Geißendörfer setzt sich laut Begründung für seinen Verdienstorden auch für den Nachwuchs ein und unterstützt mit der Initiative "Schätze des deutschen Films" die Bewahrung des nationalen Filmerbes.

Der Kuss, der Geschichte schrieb

Georg Uecker war dabei, als die "Lindenstraße" Fernsehgeschichte schrieb. Als Dr. Carsten Flöter war er Teil des ersten gleichgeschlechtlichen Kusses im deutschen Vorabendprogramm. Seit den 1980er-Jahren engagiert er sich abseits des Sets für die queere Community - vor allem in der HIV- und AIDS-Aufklärung und gegen die Stigmatisierung Betroffener. Als Pate des Projekts "Holzwickede ohne Rassismus - Holzwickede mit Courage" setzt er sich zudem für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Vielfalt ein. Im Sommer 2016 bestätigte Uecker, dass er schon seit mindestens 25 Jahren HIV-positiv sei.

Der ebenfalls durch die "Lindenstraße" bekannt gewordene Claus Vinçon wird am 2. Juni ebenso geehrt. Er verkörperte jahrelang Georg "Käthe" Eschweiler, den Partner von Carsten Flöter. Als Botschafter der Herzenslust-Kampagne der Aidshilfe NRW setzt er sich seit Jahren für HIV/AIDS-Prävention bei schwulen und bisexuellen Männern ein und wirkt im Kuratorium der Organisation mit. Darüber hinaus engagiert er sich beim Arbeiter-Samariter-Bund Köln sowie kommunalpolitisch für Bündnis 90/Die Grünen.

Auch Ralph Morgenstern steht für eine Karriere, in der Engagement und Beruf keine getrennten Welten sind. Schon früh aktiv in der "Gay Liberation Front", nutzt er seine Bekanntheit als Schauspieler bis heute, um stereotypen Rollenbildern entgegenzuwirken und einer vielfältigen Darstellung der LSBTIQ*-Community Raum zu geben. Als Schirmherr des gemeinnützigen Online-Portals "PINK.LIFE" für queere Kunst, Kultur und Performance trägt er dazu bei, dass queere Lebenswelten auch im digitalen Raum sichtbar bleiben.

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