Halle Berry: So veränderte die Menopause ihr Leben

Halle Berry (59) gehört zu den Frauen, die kein Blatt vor den Mund nehmen. In einem Interview mit "The Times" spricht die Oscarpreisträgerin, die im Sommer 60 Jahre alt wird, nun schonungslos ehrlich über ein Thema, das viele Frauen betrifft, aber kaum jemand öffentlich anspricht: die Menopause. Ihre Geschichte beginnt mit einer Fehldiagnose - und endet mit einer Mission.
Als Berry nach Jahren der Beziehungspause endlich den Musiker Van Hunt (55) kennenlernte, schien alles perfekt. Doch dann bemerkte sie, dass etwas nicht stimmte. Sex wurde plötzlich extrem schmerzhaft. "Es fühlte sich an, als hätte ich Rasierklingen in meiner Vagina", beschrieb sie ihre Symptome bereits auf einer Veranstaltung der "New York Times". Der Gang zum Arzt brachte zunächst keine Klarheit - im Gegenteil.
Der Mediziner diagnostizierte fälschlicherweise einen schweren Fall von Herpes. Berry und Hunt ließen sich beide testen - beide Ergebnisse waren negativ. Als sie ihren Arzt fragte, was es dann sei, hatte er keine Antwort. "Und da begann meine Reise der Selbsterkenntnis", erzählt die Schauspielerin. Nach tagelanger Recherche im Internet fand sie die Antwort selbst: Sie war in der Menopause. "Das war Gottes Scherz. Das Universum bringt mir diesen Mann, um den ich gebeten habe, und dann stürzt es mich in die Hölle", beschreibt Berry ihre Gefühle zu dieser Zeit. Natürlich hatte sie von den Wechseljahren gehört - aber nur abstrakt. "Ich dachte, ich würde sie überspringen. So ignorant war ich."
Rückblickend erkannte Berry, dass sie schon Jahre zuvor in der Perimenopause gewesen war, ohne es zu wissen. Die Symptome waren vielfältig: Sie konnte sich an die einfachsten Dinge nicht mehr erinnern. "Als meine Tochter klein war, holte ich eine Pizza und legte sie aufs Autodach. Dann fuhr ich bis nach Hause - zum Glück blieb sie oben liegen", erinnert sie sich.
Mit der Zeit wurde es schlimmer. Nächtliche Schweißausbrüche raubten ihr den Schlaf. "Ich war wütend. Die ganze Zeit", gibt sie zu. Was sie wütend machte? "Alles. Die Frage sollte eher sein: Was hat mich nicht wütend gemacht." Am Set versuchte sie, ihre Schweißausbrüche zu verbergen. Die Frau, die sonst immer der Mittelpunkt jeder Party war, zog sich zurück und mied Menschen.
Heute hilft Berry eine Hormonersatztherapie und sie hat ihr Unternehmen "Respin" auf Frauen in den Wechseljahren ausgerichtet. "Es gibt 100 Symptome der Menopause; wir alle erleben sie unterschiedlich", erklärt sie. "HRT hilft vielen, aber es ist nicht für jede Frau das Richtige. Ich nehme es seit fast fünf Jahren und es hat nicht jedes Problem gelöst."
Ihr Einsatz für mehr Aufklärung
Die fehlende Aufklärung habe fatale Folgen für Beziehungen, ist Berry überzeugt. Männer verstünden oft nicht, warum ihre Partnerinnen plötzlich keine Intimität mehr wollten. "Also holen sich die Männer ein schickes Auto und eine junge Frau. Und wir werden einfach nur alt." Dabei verdienten Frauen es, auch in dieser Lebensphase ein erfülltes Sexualleben zu haben: "Wir haben es verdient, in dieser Phase unseres Lebens noch am Leben zu sein, Sex zu haben und intim zu sein. Das macht uns zu dem, was wir sind."
In diesem Jahr wird Berry 60 - und sie weigert sich, sich dafür zu schämen. "Warum sollten wir uns für das Natürlichste schämen, das uns allen passiert?", fragt sie. "Nicht ich habe das Problem; die Gesellschaft hat das Problem. Sie will mich in eine Schublade stecken und mir sagen: Du bist jetzt in einem bestimmten Alter, du bist nicht mehr so wertvoll wie früher." Sie sei heute jedoch wertvoller als je zuvor: "Weiser, klüger, stärker, besser."