Interview

"Hätte schon gerne Kinder": Wie Ex-Monrose-Star Bahar nach Schicksalsschlag weitermacht

Vor 20 Jahren begann ihre Karriere, inzwischen ist sie Solokünstlerin: Bahar Kizil (37) spricht im AZ-Interview über ihre Fehlgeburt und Bodyshaming im Showbusiness.
von  Franziska Hofmann
Bahar Kizil ist nach ihrer Zeit mit Monrose inzwischen als Solo-Künstlerin unterwegs.
Bahar Kizil ist nach ihrer Zeit mit Monrose inzwischen als Solo-Künstlerin unterwegs. © imago

Vor knapp 15 Jahren trennten sich ihre Wege mit Monrose: Bahar Kizil, Senna Gammour und Mandy Capristo gingen als gefeierte Girlgroup aus der fünften Staffel von "Popstars“ hervor.

Während sich Gammour und Kizil Jahre später wieder gefunden haben und inzwischen einen erfolgreichen Podcast zusammen führen, ist der Kontakt zur Dritten im Bunde, Mandy Capristo, völlig abgebrochen. Die AZ traf Bahar Kizil am Rande des Female Future Festivals in München, bei dem die Solo-Künstlerin als Speakerin auftrat, und sprach mit ihr offen über die Schattenseiten des Monrose-Erfolgs und ihre Fehlgeburt.

Bahar Kizil: "Es ist immer gut, sich eine zarte Seite zu behalten"

AZ: Frau Kizil, Sie sprechen heute vor zahlreichen Frauen zum Thema "Mentale Stärke im Showbusiness“. Würden Sie sagen, im Rampenlicht darf man nicht zart besaitet sein?
BAHAR KIZIL: Ich glaube, es ist immer gut, sich eine zarte Seite zu behalten. Sonst wären wir alle abgestumpft. Weich sein zu dürfen, ist wichtig. Aber ja, man muss sich auf jeden Fall durchsetzen können - gerade in einer immer noch sehr männerdominierten Branche.

Apropos: In Ihrem Podcast "Recall“ sprechen Sie sehr offen auch über die schlechten Erfahrungen, die Sie als junge Frauen in der Branche gemacht haben.
Ja. Wir hatten zuletzt Leo (Leonore Bartsch, d. Red.) von Queensberry zu Gast. Da haben wir viel über das Thema Bodyshaming gesprochen, das immer beiläufig passiert ist - ein Management, das dir etwa das Dressing im Salat verboten hat oder immer wieder an diesen "fünf Kilo“ rumgemäkelt hat. Ich hatte damals nie Probleme mit meinem Gewicht und da ich nicht betroffen war, hat mich das nicht so sehr tangiert. Heute sehe ich das sehr kritisch.

Inwiefern?
Ich war noch sehr jung und in den 2000ern war dies scheinbar normal. Damals sind mir auch sexistische Aussagen aufgestoßen wie: Fotografen, die teils minderjährigen Frauen sagen, "zeig mir, was dein Daddy nicht sehen darf“. Wir waren in der Gesellschaft einfach noch nicht so weit wie heute, da war so was noch an der Tagesordnung. Ich glaube, es ist in solchen Themen auch heute noch sehr viel Luft nach oben, aber man muss auch sehen, dass sich vieles in 20 Jahren getan hat - auch dank Social Media. Da wurde viel Transparenz geschaffen, aber natürlich auch neue Gefahren.

So fing alles im November 2006 an: (V.l.n.r.) Mandy Capristo, Bahar Kizil und Senna Gammour während eines Pressetermins nach der gewonnenen Pro7-Castingshow „Popstars“ in Köln.
So fing alles im November 2006 an: (V.l.n.r.) Mandy Capristo, Bahar Kizil und Senna Gammour während eines Pressetermins nach der gewonnenen Pro7-Castingshow „Popstars“ in Köln. © T-F-Foto/imago

Haben Sie die Zeit mit Monrose im Großen und Ganzen dennoch positiv in Erinnerung?
Definitiv. Nach so vielen Jahren etwas differenziert zu betrachten und auch die Schattenseiten zu sehen, heißt ja nicht, dass man etwas, das man erlebt hat, nicht immer noch feiern kann. Für mich war das eine der besten Zeiten meines Lebens. Hätte ich das damals nicht gemacht, wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin.

"Segen und Fluch zugleich"

Heute sind Sie als Solokünstlerin unterwegs. Hilft da eine Vergangenheit wie Ihre oder steht sie eher im Weg?
Ich würde sagen, es ist Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite öffnet es Türen, weil die Leute direkt verstehen, wer du bist und wo du herkommst, und oft auch eine positive Verbindung zu dir haben - was total schön ist, dass sie positive Gefühle mit Monrose und "Popstars“ verbinden! Das war auch noch eine Zeit, in der Musik noch einen anderen Wert hatte als heute. Auch eine andere Emotion geschaffen hat.

Und heute?
Es ist schwierig als Solokünstlerin, weil man andererseits immer mit damals verglichen wird. Obwohl man es eigentlich gar nicht vergleichen kann: Ich mache heute deutsche Musik, Songs mit Haltung, erzähle von meinen Erfahrungen als Migra-Kind, setze mich für feministische Themen und die Menschen ein, die oft überhört werden. Ich bin heute Independent Artist und keine Label-gesteuerte Mainstream-Künstlerin mehr.

Ein Jahr vor der Trennung der Girlgroup: die „Monrose“-Mitglieder Bahar Kizil (v.l.), Senna Gammour und Mandy Capristo.  Foto: Soeren Stache/dpa
Ein Jahr vor der Trennung der Girlgroup: die „Monrose“-Mitglieder Bahar Kizil (v.l.), Senna Gammour und Mandy Capristo. Foto: Soeren Stache/dpa

"Ich mache viel mehr Haltungsmusik"

Was gibt Ihnen die Musik heute noch?
Auf der Bühne zu stehen, ist mein Zuhause. Nichts ist besser als das. Aber Musik zu machen, zu schreiben - früher habe ich ja nie selbst geschrieben. Wir durften uns mit Monrose unsere Songs aussuchen, was auch toll war, weil das ja immer Hits waren, aber heute kann ich mir selbst aussuchen, worüber ich singen möchte. Deswegen mache ich auch viel mehr Haltungsmusik, viel mehr feministische Themen, die mir wichtig sind als Frau mit Migrationswurzeln. Heute ist es ein bisschen echter als damals.

Monrose im Sommer 2025 auf der Bühne bei der 47. Berlin Pride, der Demonstration zum Christopher Street Day (CSD).
Monrose im Sommer 2025 auf der Bühne bei der 47. Berlin Pride, der Demonstration zum Christopher Street Day (CSD). © Carsten Koalla/dpa

Sie haben zuletzt im Podcast Ihre Fehlgeburt thematisiert. Warum haben Sie sich dazu entschieden, diese schmerzhafte Erfahrung öffentlich zu teilen?
Jeder Frau ist es selbst überlassen, ob sie über so eine Erfahrung reden möchte oder nicht. Ich glaube aber trotzdem, dass wir als Gesellschaft lernen müssen, dass es kein Tabuthema ist, dass es kein Thema ist, für das man sich schämen muss. Ich sehe es jetzt an den Reaktionen auf unseren Podcast.

Welches Feedback bekommen Sie?
Fast jede Frau beschäftigt das Thema irgendwie. Und es ist ein sehr emotionales Thema, gerade wenn es im ersten Trimester passiert: Zu diesem Zeitpunkt hat man es vielleicht nicht einmal den Eltern oder der besten Freundin gesagt, aus Angst. Das führt dann am Ende des Tages aber auch dazu, dass man damit ganz alleine ist. Ich möchte mich dafür starkmachen, damit wir überhaupt weiter über Frauenrechte reden können. In einer Gesellschaft, in der man immer noch nur selten über Periode, Kinderwunsch oder nicht und Fehlgeburten reden kann, entwickeln wir uns nicht weiter.

"Ich habe Jobs abgesagt"

Wie haben Sie das damals für sich verarbeitet? Noch dazu in einer noch neuen Beziehung?
Wir sind damals wirklich gerade frisch zusammengekommen, daher war es auch nicht geplant. Aber ich wollte immer Kinder und war auch im entsprechenden Alter, daher war es für mich keine Frage, ob ich das Kind behalten will. Es wirft anfangs natürlich alles um in deinem Leben. Ich habe Jobs abgesagt, wollte in dem Moment ein bisschen zurücktreten. Und wenn man gerade anfängt, sich mit der Situation anzufreunden, ist es direkt wieder weg. Das war ein psychisches und emotionales Auf und Ab, das ich wahrscheinlich bis heute noch verarbeite. Auch die Schmerzen, die es mit sich bringt, sowohl körperlich als auch mental. Das macht auch Angst.

Überwiegt diese Angst oder ist der Kinderwunsch noch da?
Ich hätte schon gerne Kinder, aber ich gehe jetzt auf die 40 zu. Das heißt natürlich nicht, dass das nicht geht, aber es ist viel schwieriger und auch risikoreicher, das weiß man. Wir lassen es jetzt nicht direkt darauf ankommen, aber mal sehen.

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