Haakon jubelt bei Olympia, zu Hause brodelt der Epstein-Skandal

Während in Norwegen der Druck auf Kronprinzessin Mette-Marit wegen ihrer Epstein-Kontakte wächst, und ihr Sohn Marius vor Gericht steht, feuert Kronprinz Haakon bei den Olympischen Winterspielen in Italien die norwegischen Athletinnen und Athleten an.
von  (ili/spot)
Ein strahlender norwegischer Kronprinz Haakon (r.) bei den Olympischen Winterspielen im sonnigen Val Di Fiemme.
Ein strahlender norwegischer Kronprinz Haakon (r.) bei den Olympischen Winterspielen im sonnigen Val Di Fiemme. © Action Press / Zuma Press

Ausgelassener Jubel, wehende Fahnen, strahlende Gesichter: Kronprinz Haakon (52) feiert bei den Olympischen Winterspielen in Norditalien gerade die Erfolge der norwegischen Athletinnen und Athleten. Im Val di Fiemme stand er an der Strecke, als die norwegischen Langläuferinnen Heidi Weng, Karoline Simpson-Larsen, Astrid Øyre Slind und Kristin Austgulen Fosnæs Staffel-Gold holten, wie das norwegische Königshaus auch auf Instagram zeigte. Die Bilder zeigen einen Kronprinzen, der sich unbeschwert dem Sport hingibt - doch zu Hause in Norwegen sieht die Lage ganz anders aus.

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Auszeit von der Epstein-Krise zu Hause

Während Haakon bei Olympia jubelt, kämpft seine Ehefrau, Kronprinzessin Mette-Marit (52), mit der schwersten Krise ihrer royalen Laufbahn. Seit das US-Justizministerium unzählige Seiten der Epstein-Dokumente veröffentlicht hat, steht fest: Die Kronprinzessin pflegte deutlich engeren Kontakt zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953-2019) als bislang bekannt. Nahezu 400 Nachrichten und E-Mails zwischen Mette-Marit und Epstein aus den Jahren 2011 bis 2014 sind dokumentiert. Zudem gab es mehrere Treffen, wie unter anderem die norwegische Zeitung "VG" berichtete.

Mette-Marit räumte in einer Stellungnahme vor einer Woche "schlechtes Urteilsvermögen" ein und erklärte: "Es ist einfach peinlich." Sie betonte zugleich: "Jeffrey Epstein ist selbst für seine Handlungen verantwortlich. Ich muss die Verantwortung dafür übernehmen, dass ich Epsteins Hintergrund nicht besser überprüft habe." Ob das den Norwegern reicht, ist mehr als fraglich. In TV-Umfragen zeigten sich viele ratlos und schüttelten den Kopf. Erste Organisationen prüfen bereits, ob Mette-Marits Schirmherrschaft noch tragbar ist. Auf der Instagram-Seite des Königshauses wurde die Kommentarfunktion unter etlichen Beiträgen gesperrt.

Gleichzeitig verschärft der laufende Prozess gegen Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby (29) wegen Gewalt- und Vergewaltigungsvorwürfen in Oslo die Situation zusätzlich. Norwegische Medien diskutieren inzwischen offen die Zukunft der Monarchie. Stephan Rossedalen von der Zeitung "Nettavisen" fordert nach dem Tod von König Harald (88) eine sofortige Abdankung Haakons zugunsten von Tochter Prinzessin Ingrid Alexandra (22): "Wir können uns keine Thronfolge leisten, die mit einer Vertrauenskrise beginnt."

Wie geht es weiter mit der Krone?

Mette-Marit als künftige Königin zu verhindern, wäre juristisch schwierig. Ihr Amt ist an die Ehe mit Haakon gebunden - wird er König, besteigt auch sie den Thron. Ein freiwilliger Verzicht oder eine Scheidung wären mögliche Szenarien, ansonsten bliebe nur eine verfassungsrechtliche Anpassung der Erbfolge durch das Parlament.

Und Haakon? Der setzt unterdessen seinen Aufenthalt in Italien fort. Laut dem norwegischen Hof stehen in den kommenden Tagen die Herren-Langlaufstaffel, Freeski-Wettbewerbe in Livigno und die Alpin-Rennen in Bormio auf seinem Programm. Die Bilder von einem jubelnden Kronprinzen und einer in die Enge getriebenen Kronprinzessin könnten gegensätzlicher kaum sein.

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