Ghostbusters im Bergischen Land

Rosalie Thomass, demnächst neue "Tatort"-Kommissarin in Franken, trat 2024 in der damals zweiteiligen Filmreihe "Wäldern" (2024) als Geisterjägerin an. Im Mystery-Grusel-Film des WDR geht es um verschwundene Kinder in einer kleinen Gemeinde des Bergischen Lands. Im November folgen zwei neue Filme.
Eric Leimann |
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Musiklehrerin Lara Glanz (Rosalie Thomass) ist in ihren kleinen Heimatort Wäldern im Bergischen Land zurückgekehrt, um das Verschwinden ihrer Nichte aufzuklären. Dabei stellt sie in der Filmreihe "Wäldern", die eigentlich eine Serie ist, fest, dass noch andere Kinder verschwinden - und zum Teil verändert wieder auftauchen.
WDR/Guido Engels 9 Musiklehrerin Lara Glanz (Rosalie Thomass) ist in ihren kleinen Heimatort Wäldern im Bergischen Land zurückgekehrt, um das Verschwinden ihrer Nichte aufzuklären. Dabei stellt sie in der Filmreihe "Wäldern", die eigentlich eine Serie ist, fest, dass noch andere Kinder verschwinden - und zum Teil verändert wieder auftauchen.
Die 14-jährige Magda (Valentina Leone, rechts), hier mit ihrer Freundin Sina (Romy Lou Janinhoff), ist die Nichte der Hauptfigur Lara Glanz. Lara, die selbst als Kind auf mysteriöse Weise verschwunden war, glaubt, dass Magda, die bei einem Gruppenausflug spurlos von einem Felsen verschwand, noch irgendwo noch lebendig sein könnte.
WDR/Guido Engels 9 Die 14-jährige Magda (Valentina Leone, rechts), hier mit ihrer Freundin Sina (Romy Lou Janinhoff), ist die Nichte der Hauptfigur Lara Glanz. Lara, die selbst als Kind auf mysteriöse Weise verschwunden war, glaubt, dass Magda, die bei einem Gruppenausflug spurlos von einem Felsen verschwand, noch irgendwo noch lebendig sein könnte.
Greta (Narges Rashidi) ist die Adoptivschwester von Lara und Mutter der verschwundenen Magda. Nach einer Tat, die am Anfang noch nicht verraten wird, sitzt sie im Gefängnis. Bei Besuchen tauschen sich Lara und Greta über die Suche nach dem verschwundenen Mädchen aus.
WDR/Guido Engels 9 Greta (Narges Rashidi) ist die Adoptivschwester von Lara und Mutter der verschwundenen Magda. Nach einer Tat, die am Anfang noch nicht verraten wird, sitzt sie im Gefängnis. Bei Besuchen tauschen sich Lara und Greta über die Suche nach dem verschwundenen Mädchen aus.
Roman Schlag (Marc Zack), der Pfarrer des Ortes, sitzt im Rollstuhl. Der Grund hierfür ist anfangs geheim. Was weiß der Geistliche über die mysteriösen Vorgänge in Wäldern?
WDR/Guido Engels 9 Roman Schlag (Marc Zack), der Pfarrer des Ortes, sitzt im Rollstuhl. Der Grund hierfür ist anfangs geheim. Was weiß der Geistliche über die mysteriösen Vorgänge in Wäldern?
Aaron (Laurids Schürmann), ein neuer Schüler von Lara, wirkt oft verloren - manchmal jedoch auch bedrohlich. Was ist mit dem Jugendlichen los?
WDR/Guido Engels 9 Aaron (Laurids Schürmann), ein neuer Schüler von Lara, wirkt oft verloren - manchmal jedoch auch bedrohlich. Was ist mit dem Jugendlichen los?
Im winterlichen Wald erforscht Lara (Rosalie Thomass) einen Wohnwagen, aus dem auch einst ein Kind verschwand.
WDR/Guido Engels 9 Im winterlichen Wald erforscht Lara (Rosalie Thomass) einen Wohnwagen, aus dem auch einst ein Kind verschwand.
Der emeritierte Professor Rudolf (Peter Franke) hat eine persönliche Tragödie hinter sich. Doch nun hilft er Musiklehrerin Lara Glanz (Rosalie Thomass) und Hypnose-Spezialistin Dorothea Freiberg (Sabine Vitua) bei der Suche nach den veschwundenen Kindern von Wäldern.
WDR/Guido Engels 9 Der emeritierte Professor Rudolf (Peter Franke) hat eine persönliche Tragödie hinter sich. Doch nun hilft er Musiklehrerin Lara Glanz (Rosalie Thomass) und Hypnose-Spezialistin Dorothea Freiberg (Sabine Vitua) bei der Suche nach den veschwundenen Kindern von Wäldern.
Sind sie die (weltlichen) Gegenspieler von Lara (Rosalie Thomass, rechts) bei ihren Ermittlungen in Wäldern? Polizeichef Thomas Ludwig (Ralf Drexler) und Schuldirektorin Frau Caspari (Tanja Schleiff). Ganz rechts noch halb im Bild: Hypnotiseurin Dorothea Freiberg (Sabine Vitua).
WDR/Guido Engels 9 Sind sie die (weltlichen) Gegenspieler von Lara (Rosalie Thomass, rechts) bei ihren Ermittlungen in Wäldern? Polizeichef Thomas Ludwig (Ralf Drexler) und Schuldirektorin Frau Caspari (Tanja Schleiff). Ganz rechts noch halb im Bild: Hypnotiseurin Dorothea Freiberg (Sabine Vitua).
Nur die Obdachlose des Ortes - oder eine Seherin der Zwischenwelt? Eine mysteriöse Gestalt (Helma Fries) taucht in "Wäldern" immer wieder mal auf.
WDR/Guido Engels 9 Nur die Obdachlose des Ortes - oder eine Seherin der Zwischenwelt? Eine mysteriöse Gestalt (Helma Fries) taucht in "Wäldern" immer wieder mal auf.

Irgendwie scheint Musiklehrerin Lara Glanz (Rosalie Thomass) in Wäldern zu stören. Damit ist nicht der Deutschen klassischer liebster Sehnsuchtsort gemeint, sondern eine fiktive Gemeinde namens Wäldern im nicht ganz so fiktiven Bergischen Land. Lara, die ihre Schüler mit der Kunst der Fuge und anderer anspruchsvoller Musik aus Überzeugung quält, ist in ihre enge Heimat zurückgekehrt. Dort ist vor geraumer Zeit ihre 14-jährige Nichte verschwunden. Magda war während eines Ausflugs der Kirchengemeinde nach einer Kletterpartie auf Waldfelsen plötzlich nicht mehr da. Dafür kann man den Aufenthaltsort ihrer Mutter umso genauer bestimmen. Greta (Narges Rashidi), Adoptivschwester von Lara, sitzt wegen einer Tat, die anfangs noch geheim bleibt, im Knast. Dort wird sie im Film "Wäldern - Das verschwundene Mädchen" von ihrer Schwester besucht, um über Gretas Verschwinden zu sprechen.

Regisseur und Co-Autor Till Franzen ("Weinberg") erschuf 2024 im Auftrag des WDR eine bis dato zweiteilige Mystery-Filmreihe, deren zweite Episode "Wäldern - Das Böse in den Spiegeln" am kommenden Mitwoch, 16. September, 20.15 Uhr, wiederholt wird. Mitte November laufen dann zwei neue "Wäldern"-Filme.

Doch zurück zum Debütfilm der in Teilen fortlaufend erzählten Reihe: Weil Lara spürt, dass ihre Nichte Magda immer noch da ist, obwohl es schon lange kein Lebenszeichen mehr von dem Mädchen gab, stellt sie der Verschwundenen täglich Essen an die Felsen im Wald - obwohl ihre Schwester mit dem Tod der Tochter am liebsten abschließen würde. Doch Lara spürt Dinge, die andere nicht spüren. Vielleicht, weil sie als Kind auch mal für kurze Zeit verschwunden war, sich daran aber kaum erinnern kann?

Bei ihren Nachforschungen zu den sich in Wäldern wiederholenden Fällen verschwundener Kinder erfährt Lara Unterstützung: Die esoterisch begabte Hypnotiseurin Dorothea Freiberg (Sabine Vitua) und der alte Professor Rudolf Klein (Peter Franke), helfen. Gemeinsam ist das Trio fast als eine Art Ghostbuster-Team aus dem Westerwald, wenn auch mit deutlich weniger Humor unterwegs. Dabei ist dem mittlerweile 85-jährigen Altstar Peter Franke ("Tatort: Flash") mit dem vom Leben gezeichneten, halb verrückten Experten für satanische Verse und obskure Sprachen eine bemerkenswert gute Figur gelungen.

Früher "Weinberg", heute "Wäldern"

Regisseur und Co-Autor Till Franzen ("Tatort: Die Erfindung des Rades"), übrigens der Ehemann von Schauspielerin Katharina Schüttler, hat mit der TNT-Serie "Weinberg" bereits vor fast einer Dekade in deutsche Mystery investiert. Was einen Grimme-Preis sowie eine Nominierung zum Deutschen Fernsehpreis zur Folge hatte und 2015 durchaus ein Avantgarde-Projekt des deutschen Fernsehens darstellte. Nun scheint die Realisierung solcher Genre-Stoffe auch hierzulande leichter geworden zu sein. In Serien wie "Oderbruch" (ARD) oder "Was wir fürchten" (ZDF) gab sich das Öffentlich-Rechtliche in den letzten Jahren ungehemmter als früher dem Grauen und Gruseln hin.

Rosalie Thomass überzeugt zu 100 Prozent

Bleibt noch die Bewertung der Qualität: "Wäldern" erfindet das Genre nicht neu, sondern stützt sich fast ein bisschen zu sehr auf altbewährte Elemente: dunkle Wälder und heruntergekommene "Lost Places", Kinder, die verschwinden und wieder auftauchen, dann aber seltsam verändert wirken. Schließlich auch ein paar "Jump Scares" mit gruseligen Gestalten wie der Kassandra-artigen Obdachlosen (Helma Fries), die plötzlich mit irren Augen die Protagonistin im Wald oder der Toilette (was für ein Horror!) begegnet.

Auch die Dialoge wirken manchmal ein bisschen zu sehr von der Mystery-Stange. Das Schauspiel-Ensemble, das diese Schauermär aus dem Bergischen Land überzeugend rüberbringt, muss man allerdings loben: Rosalie Thomass ("Die Känguru-Verschwörung") macht hier mal wieder einen prima Job. Die 39-jährige Münchnerin und kommende "Tatort"-Kommissarin aus Franken überzeugt zu 100 Prozent - auch mit individueller Garderobe - als sensible, aber kämpferische Einzelgängerin auf unsicherem Terrain mit vielen seltsamen Menschen. Haben wir uns nicht schon immer ein wenig vor dem Landleben gegruselt?

Wäldern - Das verschwundene Mädchen - Mi. 09.09. - ARD: 20.15 Uhr

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