Gelingt einem Brandenburger Forscher der "unbrennbare Wald"?

Hitzewellen und Dürreperioden befeuern europaweit die Waldbrandgefahr. Die Macher einer ARTE-Klima-Doku besuchen in Brandenburg einen Ökologen, der zu Hitze-resistenten Arten forscht. In der Schlüsselrolle: die deutsche Eiche.
von  Jürgen Winzer
Tausend Hektar Wein und tausende Arten fielen dem Brand 2025 in der Region Corbières im Süden Frankreichs im August 2025 zum Opfer.
Tausend Hektar Wein und tausende Arten fielen dem Brand 2025 in der Region Corbières im Süden Frankreichs im August 2025 zum Opfer. © ARTE/Eberhard Rühle, Nikolaus Tarouquella

2025 verbrannte in Deutschland bei Waldbränden eine um 30-mal größere Fläche als zuvor im Durchschnitt der Sommer der letzten 20 Jahre. In Portugal fielen drei Prozent der Landesfläche den Flammen zum Opfer. Im Nachbarland Spanien gab es im Nordwesten die gefährlichste Brandsaison der letzten 30 Jahre. Bei einem regelrechten Feuersturm im Südwesten Frankreichs verbrannten letztes Jahr 1.200 bis 2.000 Hektar Land - pro Stunde!

Kein Zweifel: Es brennt lichterloh. Ganz real und regelmäßig in Attica in Griechenland, dem "Feuer-Hot Spot" Europas. Und im übertragenen Sinne bei der Forschung. Denn die will und muss Mittel und Wege finden, Brandkatastrophen zu verhindern.

Ein deutscher Waldökologe arbeitet in Brandenburg an einer Möglichkeit, sich dem Feuer entgegenzustemmen. Professor Jens Schröder setzt im Kampf gegen Waldbrandschäden unter anderem auf die deutsche Eiche. "Die ist extrem Waldbrand-resistent", sagt er in der am Samstag ARTE-Dokumentation "Waldbrände verhindern, aber wie?". "Es muss viel passieren, bis ein Eichenwald brennt." Die australische Roteiche ist noch Temperatur-resistenter und kommt mit Trockenheit noch besser klar.

"Der Klimawandel wartet nicht. Wir müssen einen Zahn zulegen."

Sein Ziel: "Einen Wald hinzubekommen, der am Ende so gut wie gar nicht mehr brennen kann." Und gleichzeitig mit der fortschreitenden Wasserknappheit klarkommt. Auch im französischen Waldbrandgebiet um Corbières testet Oliver Baron von der Baumschule mit dem Honigbaum aus China oder Temperatur-resistenten Pistazienbäumen aus Marokko.

Das Problem: Die destruktive Kraft des Klimawandels und seiner katastrophalen Auswirkungen (Dürreperioden, Hitzewellen, Verwüstung von Landschaften) ist schneller als die heilende Kraft von Natur und Forschung. Sind Landwirtschaften und Ökosysteme durch eine Feuerwalze vernichtet, dauert es Jahrzehnte, bis sie sich wieder erholt haben. Zeit, die eigentlich nicht vorhanden ist. Denn: "Der Klimawandel und die nächsten Brände warten nicht. Wir müssen einen Zahn zulegen." Das sagt Antoni Trasobares vom Zentrum für Forst und Technik im katalonischen Solsona.

Brandbekämpfung und Erste Hilfe als Fächer in der Schule?

Die von Waldbränden besonders betroffenen Regionen haben reagiert. Man setzt auf Videowalls, gute Vernetzung, auf Drohnen mit Wärmebildkameras und Sensoren, die regelmäßig Daten ins Kontrollzentrum von Stadtverwaltungen übermitteln, zudem auf mehr Fahrzeuge und mehr Personal. Es werden Schutzwälle um Dörfer gebaut und Wasserreservoirs errichtet.

Antoni Trasobares will Feuer auf positive Art nutzen und kleinerer Flächen durch kontrollierte Brände von Gestrüpp und trockenem Gras befreien - um Feuern keine neue Munition zu bieten. Die "Fire-Res", die größere Resilienz von Landschaften gegen Feuer, ist der erste Schritt, sagt Trasobares. Konstantina Kleftzaki aus dem griechischen Mati, wo 2018 bei einer Feuerkatastrophe 102 Menschen starben, würde noch früher ansetzen. "Es geht ums Wissen", sagt sie. Deshalb würde sie Brandbekämpfung und Erste Hilfe als Unterrichtsfächer in der Schule anbieten.

Denn, und das wird sich ebenso nicht ändern wie der fortschreitende Klimawandel: Die meisten Feuer werden von Menschen verursacht. Durch Brandstiftung, meist aber durch Unachtsamkeit und Fahrlässigkeit.

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