"Gekränkt und beleidigt": Franz Xaver Gernstl spricht Klartext über TV-Aus nach über 40 Jahren
Charme, Humor, Tiefgang: Ein Münchner Original vor und hinter der Kamera wird 75. Filmemacher-Legende Franz Xaver Gernstl (u. a. "Gernstl unterwegs", "Willi wills wissen", "Checker Tobi") feiert an diesem Donnerstag seinen Geburtstag.
Die AZ erwischte den Dokumentarfilmer, der in Schwabing in der Nähe der Münchner Freiheit lebt, für ein exklusives Interview über seinen Geburtstag, Glücksmomente und Geburten.
AZ: Lieber Herr Gernstl, wie fühlen Sie sich anlässlich Ihres Ehrentages?
FRANZ XAVER GERNSTL: Gut! Die Zahl 75 macht mir keine Angst. Für mich geht ein neues Viertel los, ich will ja tatsächlich mal 100 werden – einer der wenigen Pläne, die ich im Leben habe! Ich meditiere jeden Morgen, lese Zeitungen am Handy und schaue, was es Neues auf Social Media gibt. Heute mache ich erstaunlich viel Sport; viel mehr als früher, 35 Liegestütze täglich und mindestens viermal pro Woche bin ich auf dem Crosstrainer bei mir zu Hause.
Mit Familie und Freunden? So feiert Franz Xaver Gernstl seinen Geburtstag
Und der Geburtstag selbst, wie wird der gefeiert?
Im kleinen Kreis mit den Söhnen Jonas (42) und Oliver (36) und ein paar engen Vertrauten mit einem gepflegten Abendessen. Ah, gut, dass Sie mich erinnern, da muss ich ja gleich noch einen Tisch bestellen (lacht)! Und am Samstag gibt es dann eine größere Party mit 30 Freunden, alle steuern etwas zum Catering bei, es wird schon am Nachmittag gemeinsam gekocht.
Franz Xaver Gernstl: "Das war schon eine coole Zeit"
Bayerischer und Deutscher Filmpreis, Grimme-Preis, Bayerischer Fernsehpreis und viele Auszeichnungen mehr: Was waren für Sie die Highlights Ihrer Karriere bislang?
Vieles! So hat unser "Checker Tobi" Kinofilm am Wochenende die Eine-Million-Besucher-Marke geknackt. Und zusammen mit dem Kameramann Hans Peter Fischer und dem Tontechniker Stefan Ravasz waren wir von der Donau zum Matterhorn, von Sylt zur Elbe, von den Dolomiten zum Gardasee unterwegs, reisten von 1983 bis 2024 quer durch die Republik, Europa und die Welt. Ich war dabei Produzent, Regisseur und Moderator in einem, das war schon eine coole Zeit! Es gab mal eine Reihe innerhalb der Gernstl-Reihe beim BR mit dem Titel "Wo sind die Bayern?" Von den amerikanischen Städten, die wir bereist haben, war für mich New York die beeindruckendste: eine Ansammlung von höflichen, toleranten Menschen. Dort habe ich viel gelernt.

BR setzt "Gernstl unterwegs" nach über 40 Jahren ab: So ging es dem Filmemacher damit
Jetzt haben Sie ein Buch "Glück gehabt! – über das Unterwegssein, das Filmemachen und das Leben an sich" geschrieben, das am 13. Mai im Kösel Verlag erscheint.
Gerade ist es fertig geworden, das war noch viel mehr Aufwand, als einen Film zu machen. Was da alles dranhängt neben dem Schreiben: Fotos raussuchen, sich um die Persönlichkeitsrechte kümmern. Nachdem der BR im letzten Jahr den Stecker gezogen, respektive nicht mehr nachbestellt hat für unsere Sendung nach über 40 Jahren, war ich erst mal gekränkt und beleidigt. Inzwischen sage ich mir: Es ist okay! Denn dadurch bin ich unter die Schriftsteller gegangen. Eine komplett neue Erfahrung. Ich finde, mit 75 kann man schon mal wieder etwas Neues anfangen! Vor fast 20 Jahren kamen schon Verlage auf mich zu, als wir den ersten Kinofilm "Gernstls Reisen – Auf der Suche nach dem Glück" machten, so entstanden mal ein paar erste Seiten. Es fühlte sich aber nicht richtig an, deshalb habe ich es damals sein lassen – und es letztes Jahr innerhalb von vier Monaten geschrieben.
Vor Kurzem verstorben: Das sagt Franz Xaver Gernstl über seine Frau Gisela
Wie lautet die Botschaft Ihrer Autobiografie?
Glück einfach geschehen lassen – dass man die glücklichen Zufälle im Leben wahrnimmt und daraus etwas macht! So lebe ich und so habe ich immer gelebt. Ich war aber nie auf der Suche nach dem Glück, das macht keinen Sinn, weil man es dann nicht findet. Glück ist der Normalzustand des Menschen; die Abwesenheit von Unglück ist das Glück – und wenn man sich nicht mit Eifersucht, Zorn und Angst und Sorgen beschäftigt, befindet man sich in einem seligen Zustand. Große Glücksmomente waren für mich zum Beispiel die Geburten meiner Söhne; ich wollte eigentlich nie Kinder haben, das hat sich so ergeben. Als ich den ersten Wurschtel in der Hand gehabt habe, nach einer achtstündigen Geburt, war es, als hätte sich bei mir ein Schalter umgelegt, ich war vom ersten Moment an in meine Buben verliebt … Leider ist meine Frau Gisela vorletztes Jahr verstorben – auch damit muss man lernen umzugehen.

Auf Lesetour: Hier präsentiert der Dokumentarfilmer sein neues Buch
Also heißt es künftig für Sie: Gernstl daheim statt Gernstl unterwegs?
Auf keinen Fall! Das Leben zu genießen bedeutet für mich, etwas Kreatives zu machen und nicht nur auf dem Sofa rumzuhocken und fernzuschauen. Die Anteile unserer Produktionsfirma Megaherz GmbH habe ich meinen Söhnen überschrieben, bin aber noch involviert. Ich habe beide nicht in meine Richtung gedrängt, sie sind hineingeschlittert, haben Gefallen daran gefunden und an der Hochschule für Fernsehen und Film studiert. Jedenfalls: Ich gehe mit dem Buch auf Lesetour, am 15. Mai ist die Präsentation im Literaturhaus mit Moderatorin Caro Matzko, mit der ich seit vielen Jahren befreundet bin. Und eventuell schreibe ich danach gleich ein zweites Buch; Stoff gäbe es ja genug. Vielleicht steckt da auch der Wunsch dahinter, noch etwas Applaus zu bekommen (lacht). Ich brauche das Geld nicht, aber ab und zu noch ein bisserl Jubel wäre nicht schlecht.
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