Gefährliche Inhalte im Netz: Zu viel, zu früh, zu missverständlich
Wenn schon Kinder am Smartphone durch verstörende Bildwelten scrollen, ist die Unschuld oft schlagartig vorbei. Das zeigt die neue Dokumentation "Pornoflut und erste Liebe" aus der "ARD Story"-Reihe.
Die Lebensrealität vieler Jugendlicher im digitalen Zeitalter findet nicht mehr in erster Linie auf dem Schulhof oder im vertraulichen Gespräch mit den Eltern statt, sondern auf frei zugänglichen Plattformen im Netz. Der aufrüttelnde Film von Autorin Maria Burges (eine Produktion von Spiegel TV) beleuchtet ein verstörendes Paradoxon unserer Gegenwart: Während Heranwachsende durch die ständige Verfügbarkeit immer früher mit teils extremer Pornografie konfrontiert werden, verschiebt sich die reale sexuelle Intimität so weit nach hinten wie bei keiner Generation zuvor. Die Dokumentation liefert eine bewegende Spurensuche, die nachdrücklich fragt, wie Aufklärung zeitgemäß funktionieren könnte, wie Jugendliche die Freude an Unbekümmertheit wiedergewinnen und wo Handeln der Erwachsenen gefordert ist.
Wie schädlich ist die Reizüberflutung?
Der Fall der jungen Lea steht stellvertretend für das Schicksal vieler Jugendlicher. Sie war gerade einmal acht Jahre alt, als sie zum ersten Mal pornografische Inhalte im Netz sah. Ein tief sitzender Überforderungsmoment, der prägende Spuren hinterließ. "Mein erster Gedanke war Schock und Angst. Als Kind kannst du das gar nicht verarbeiten", erinnert sie sich rückblickend. Als sie später ihr erstes eigenes Smartphone bekommt, entwickelt sich aus dem Schreck ein regelmäßiger, nächtlicher Konsum. Über Stunden hinweg schaut sie Pornos, während die Inhalte schrittweise immer extremer werden: "Ich dachte, so müsste eine Romanze aussehen." Die Geschichte zeigt unmissverständlich: Obwohl Pornografie für Minderjährige gesetzlich verboten ist, bleibt sie im Netz jederzeit erreichbar. Für viele Heranwachsende beginnt die sexuelle Sozialisation heute nicht mehr mit erster Verliebtheit, sondern mit kommerziellen Inszenierungen aus dem Internet.
Dass dieser exzessive digitale Konsum auf eine merkwürdig gehemmte Realität trifft, belegen statistische Erhebungen: Jugendliche haben ihren ersten Geschlechtsverkehr heute überwiegend erst mit 19 Jahren. Welche Spuren hinterlässt diese Kluft zwischen visueller Reizüberflutung und verhaltener Praxis? Antworten geben unter anderem die jungen Darstellerinnen und Darsteller eines Theaterstücks am Deutschen Theater Berlin. Viele von ihnen kamen bereits als Kinder mit Pornografie in Berührung. "Das war mein erstes Bild von Sex", erzählt der Ensemble-Darsteller Jonathan. Ihr gemeinsamer Wunsch an die Gesellschaft ist klar: Erwachsene müssen endlich aufhören zu schweigen. Denn wenn Pornografie früher kommt als das Gespräch über Liebe und Vertrauen, übernimmt das Internet die Aufklärung.
Wie zeitgemäße Aufklärung gelingen kann, zeigt der Film anhand konkreter Praxisbeispiele. Begleitet wird etwa eine sechste Klasse in Brandenburg, in der Sexualpädagoginnen offen und frei von Schamgefühl über Körper, Liebe, persönliche Grenzen und explizit auch über Pornografie sprechen. Ziel ist es, die Schulkinder frühzeitig zu befähigen, zwischen inszenierter Netz-Fiktion und echter menschlicher Realität zu unterscheiden.
ARD Story: Pornoflut und erste Liebe - Di. 25.08. - ARD: 22.50 Uhr
Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur teleschau. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an info@teleschau.de
- Themen:
- ARD

