Fußball ist ja nicht alles - von Gartenzwergen und Demokraten

"Von wegen spießig: Vereine sind lebendige Zellen unserer demokratischen Gesellschaft", heißt es gleich mal in der Ankündigung der neuen "Terra X History"-Dokumentation. Wer sich also auf den Gartenzwerg kapriziert und alles Vereinswesen zu belächeln versucht, liegt schief. Auch mit der Aufzählung der immerhin 86.000 Sportvereine ist es nicht getan, Fußball ist ja auch nicht unser ganzes Leben. "Terra X" hat auch gemeinnützige Vereine, Kulturelles wie Chöre, Brauchtum und Theater im engeren Blickfeld. Kleingarten- und Faschingsvereine nicht zuletzt.
Vor Verachtung schützt ein Blick in die Vergangenheit: Von den Zünften des Mittelalters nicht zu reden, hat vor allem Turnvater Jahn im 19. Jahrhundert große Verdienste. Damals war gerade das Recht auf Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit eingefordert worden und damit der Stachel gegen eine selbstgerechte Obrigkeit gelöckt. In der NS-Zeit wurde dieser Patriotismus leider gern gesehen und genutzt, Vereine wurden gleichgeschaltet, Unerwünschte ausgeschlossen. Dass nach dem Krieg das Vereinswesen neu erblühte, hat auch mit der "Umerziehung" der Besatzer zu tun. Der in Vereinen gepflegte demokratische Usus mit Verfassung, Wahl und Protokoll war erwünscht, frei von Hierarchien und Klassenzugehörigkeit sollte alles sein.
Der Film enthält eine Vielzahl von Archivaufnahmen, die belegen wie Vereine das Land bis heute prägten und zu "Pfeilern des demokratischen Zusammenlebens" wurden. Dabei richtet sich der Blick auch auf die ostdeutsche Geschichte. Zu Wort kommt hier unter anderem die Moderatorin und bekennende Vereinsfreundin Inka Bause ("Bauer sucht Frau").
Unsere Vereine – Mehr als Kegeln und Kaninchen - So. 30.08. - ZDF: 23.50 Uhr