Für Orang-Utans in Not: Warum diese BR-Moderatorin plötzlich in den Regenwald reist

Die bekannte TV-Moderatorin Andrea Lauterbach ("Wir in Bayern") ist in den tropischen Regenwald auf die Insel Borneo gereist. Ihre Mission: Den Verein "Fans For Nature" bei seinem Einsatz für bedrohte Orang-Utans begleiten. Was sie vor Ort erlebt hat, hat sie der AZ erzählt.
Anne Hund |
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Andrea Lauterbach auf ihrer Reise in Indonesien - inzwischen ist die "Wir in Bayern"-Moderatorin wieder zurück in München.
privat 2 Andrea Lauterbach auf ihrer Reise in Indonesien - inzwischen ist die "Wir in Bayern"-Moderatorin wieder zurück in München.
Ein Orang-Utan-Waisenkind, das Andrea Lauterbach auf ihrer Reise im Regenwald begegnet. Orang-Utan-Kinder sind normalerweise sechs bis acht Jahre auf ihre Mütter angewiesen - alleine sind sie nicht lebensfähig.
CAN - Conservation Action Network Borneo 2 Ein Orang-Utan-Waisenkind, das Andrea Lauterbach auf ihrer Reise im Regenwald begegnet. Orang-Utan-Kinder sind normalerweise sechs bis acht Jahre auf ihre Mütter angewiesen - alleine sind sie nicht lebensfähig.

Viele Zuschauer kennen Andrea Lauterbach (47) aus der BR-Sendung "Wir in Bayern". Doch zuletzt war die Moderatorin privat für vier Wochen in Indonesien unterwegs und bereiste dort den Regenwald von Borneo.

Es war ihr ein persönliches Anliegen, den Verein "Fans For Nature", der sich auf Borneo insbesondere für den Schutz der vom Aussterben bedrohten Orang-Utans einsetzt, bei seiner Arbeit zu begleiten.

Reise in den Regenwald: Warum Andrea Lauterbach überhaupt nach Borneo wollte

AZ: Frau Lauterbach, Sie haben einen Monat im tropischen Regenwald in verschiedenen Regenwald- und Artenschutzstationen verbracht und waren sogar bei einer Rettungsaktion von Orang-Utans aus einem Gebiet mit Braunkohle-Tagebau dabei. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, nach Borneo zu reisen?
ANDREA LAUTERBACH: Die Idee entstand durch "Wir in Bayern": Ich hatte Helmut Huber zu Gast, der sich seit über 30 Jahren mit "Fans for Nature" für den Artenschutz engagiert - besonders für die Orang-Utans auf Borneo. Seine Geschichten haben mich sehr bewegt und nicht mehr losgelassen. Vor fünf Monaten fragte er mich, ob ich mit nach Borneo kommen möchte, um die Lage vor Ort zu sehen - die schnelle Abholzung des Regenwaldes, die Folgen für die Orang-Utans, aber auch das, was er mit seinem Verein dort aufgebaut hat. Und weil ich Journalistin, Biologin und auch eine kleine Abenteurerin bin und mir gerne selbst ein Bild davon machen wollte, habe ich nach kurzer Bedenkzeit zugesagt und die Reise privat und auf eigene Kosten gebucht.

Tiere in Not: So geht es den Orang-Utans auf Borneo wirklich

Was haben Sie bei der Rettungsaktion der Orang-Utans erlebt?
Wir fuhren über eine schmale Straße durch ein riesiges Kohle-Abbaugebiet - links und rechts gerodete, karge Flächen, so weit das Auge reicht und nur vereinzelte Bäume am Straßenrand. Und wir wussten: Hier draußen leben noch Orang-Utans, ohne genügend Nahrung. Und dann saß er da: ein Orang-Utan am Straßenrand, wie er im Müll nach etwas Essbarem sucht. In diesem Moment war klar: Er kann hier nicht bleiben. Das Team hat sofort reagiert - Telefonate, Genehmigungen, ein Rescue-Team mit Tierarzt. Am nächsten Morgen wurde das etwa 20-jährige Männchen eingefangen und direkt in ein geschütztes Regenwaldgebiet gebracht. Sie nannten ihn "Sam" - kurz für sampah, indonesisch für "Müll". Und als wir später hörten, dass er erfolgreich ausgewildert wurde, war das einfach ein überwältigendes Gefühl: zu sehen, wie schnell und entschlossen Hilfe möglich ist - und dass es am Ende wirklich um Leben geht.

Andrea Lauterbach: "Ich konnte nicht in den Alltag zurückgehen, als wäre nichts gewesen"

Was war für Sie dabei persönlich der emotionalste Moment?
Der emotionalste Moment war für mich die Nachricht von einem Orang-Utan-Baby, das nahe einer Siedlung allein in einem Mangobaum gesichtet wurde. Orang-Utan-Kinder sind normalerweise sechs bis acht Jahre auf ihre Mütter angewiesen - sie lernen von ihnen, wie man Nester baut, Nahrung findet und Gefahren erkennt. Allein sind sie nicht lebensfähig. Weil die Rescue-Teams gerade im Einsatz waren, hat ein Ranger das Jungtier übernommen und ist über acht Stunden mit ihm auf dem Schoß ins Auffanglager des Vereins gefahren. Dort werden schon drei weitere Jungtiere versorgt und behutsam auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet. Zu wissen, dass diese vier Babys ihre Mütter auf tragische Weise verloren haben - und dann trotzdem ihre Neugier und Lebensfreude zu erleben, so tapsig und schutzbedürftig -, das hat mich so bewegt, dass ich sofort eine Orang-Utan-Patenschaft bei "Fans for Nature" abgeschlossen habe. Ich konnte nicht einfach wieder in den Alltag zurückgehen, als wäre nichts gewesen.

Ein Orang-Utan-Waisenkind, das Andrea Lauterbach auf ihrer Reise im Regenwald begegnet. Orang-Utan-Kinder sind normalerweise sechs bis acht Jahre auf ihre Mütter angewiesen - alleine sind sie nicht lebensfähig.
Ein Orang-Utan-Waisenkind, das Andrea Lauterbach auf ihrer Reise im Regenwald begegnet. Orang-Utan-Kinder sind normalerweise sechs bis acht Jahre auf ihre Mütter angewiesen - alleine sind sie nicht lebensfähig. © CAN - Conservation Action Network Borneo

Andrea Lauterbach spricht Klartext: Darum sind die Orang-Utans auf Borneo so gefährdet

Sie sind studierte Biologin. Warum sind die Menschenaffen in derart großer Not?
Als Biologin würde ich es so erklären: Menschenaffen - und gerade Orang-Utans auf Borneo - geraten vor allem deshalb in so große Not, weil ihr Lebensraum rasant verschwindet oder in kleine Inseln zerschnitten wird: durch Abholzung, Plantagen, Straßen, Bergbau. Dann fehlen Nahrung, Rückzugsräume und sichere Wege - und es kommt häufiger zu Konflikten, in denen Tiere auch direkt getötet werden. Orang-Utans können solche Verluste kaum "ausgleichen", weil sie sich nur langsam fortpflanzen: Ein Jungtier bleibt bis zu acht Jahre bei der Mutter, lernt in dieser Zeit alles fürs Überleben. Weibchen bekommen erst spät und mit großen Abständen Nachwuchs. Wenn ein erwachsenes Tier fehlt oder ein Waldstück wegbricht, ist das nicht nur tragisch, sondern biologisch ein großer Einschnitt. Die Notlage der Orang-Utans ist menschengemacht - und genau deshalb können wir es auch verändern.

Lauterbach über emotionale Momente auf ihrer Reise: "Da habe ich tatsächlich geweint"

Welches Ihrer Erlebnisse im Regenwald werden Sie niemals vergessen?
Den Helikopterflug über unberührten Primärregenwald: ganz viel Grün, Berge, ein Wasserfall - keine Straße, keine Schneise, keine Spur von Menschen. Von oben wirkt das wie eine eigene Welt, so lebendig und gleichzeitig so verletzlich. Da habe ich tatsächlich geweint, weil mir klar wurde, wie schnell wir so etwas zerstören können - und wie wichtig es ist, genau das zu schützen, damit die nächste Generation überhaupt noch eine Chance hat, diese Artenvielfalt zu bewahren. Der Flug hatte dabei einen ganz konkreten Zweck: Wir wollten ein Gebiet, das "Fans for Nature" dauerhaft pachten und schützen möchte, von oben prüfen - wo Wasserquellen und Flüsse verlaufen, ob es wirklich unberührt ist und ob dort noch genug Baumriesen stehen, die für ein intaktes Ökosystem sprechen. Und ja, mir ist der Widerspruch bewusst: Ein Helikopter macht Lärm und verursacht CO2. Aber ohne diesen Überblick hätten wir die Grundlage für wirksamen, langfristigen Schutz nicht so sicher beurteilen können.

Regenwald versus Zivilisation: So sah der Alltag im Dschungel für die Moderatorin aus

Inzwischen sind Sie zurück in München. Haben Sie den Komfort im Dschungel vermisst?
Erstaunlicherweise kaum. Ich war eher überrascht, wie wenig Komfort ich wirklich brauche, um mich wohlzufühlen. Ein paar Dinge waren mir wichtig: Mein eigenes Kopfkissen habe ich immer dabei - das ist mein kleines Stück Zuhause. Im Alltag vor Ort ging es dann weniger um "Komfort" als um praktische Dinge: Moskitonetz und Mückenspray, ein Regenponcho, Blutegelsocken und ein wirklich gutes Paar Schuhe - das sind die Dinge, die für mich den Unterschied gemacht haben. Für die langen Fahrten im Auto und auf dem Boot hatte ich außerdem etwas gegen Reiseübelkeit dabei. Und ich habe ein paar Hygieneregeln beachtet - Zähneputzen nur mit Trinkwasser und beim Essen "cook it, peel it or leave it" ("Koch es, schäl es oder lass es sein", d. Red.) - einfach, um mir keinen Magen-Darm-Infekt einzufangen. Gott sei Dank mit Erfolg.

"Wir in Bayern"-Moderatorin appelliert: "Regenwaldschutz betrifft uns alle"

 Was nehmen Sie persönlich mit von dieser Reise?
Ich nehme vor allem mit, wie viel bei uns im Alltag beginnt - zum Beispiel beim Holz. Am besten ist es, konsequent auf Tropenholz zu verzichten. Dasselbe gilt für viele kleine Kaufentscheidungen: Produkte mit Palmöl meiden, Alternativen wählen, bewusster konsumieren. Das wirkt manchmal klein - aber es ist ein Hebel, den wir jeden Tag in der Hand haben. Und was ich emotional mitnehme, ist das Gefühl, dass Regenwaldschutz kein "Thema weit weg" ist, sondern es betrifft uns alle - auch fürs Klima. Denn wir haben nur diese eine wunderbare Erde.

Am Dienstag, 24. Februar, berichten Andrea Lauterbach und Helmut Huber in der BR-Sendung "Wir in Bayern" (16.15 Uhr) über ihre Erlebnisse auf Borneo.

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  • brauxtnix vor 26 Minuten / Bewertung:

    Na da macht sie sich einen schönen Urlaub, auf Kosten der Abonennten. Die Affen haben bestimmt kein Interesse an ihr.

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