"Freiwillig schaue ich mich nicht im Fernsehen an": Stefanie Stappenbeck im Interview

Stefanie Stappenbeck kehrt als Chaos-geplagte Mutter in der ZDF-Komödie "Die Bachmanns - Gefahr im Verzug" zurück. Im Interview spricht die erfolgreiche Schauspielerin offen über Selbstzweifel, Coaching und ihr persönliches Glücksrezept fürs Patchwork-Leben.
Stefanie Moissl |
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Ob als gestresste Patchwork-Mama in der ZDF-Komödienreihe "Die Bachmanns" oder als Kommissarin im TV-Krimi "Ein starkes Team": Schauspielerin Stefanie Stappenbeck verkörpert meist die herzliche, bodenständige Frau von nebenan.
2023 Getty Images/Andreas Rentz 10 Ob als gestresste Patchwork-Mama in der ZDF-Komödienreihe "Die Bachmanns" oder als Kommissarin im TV-Krimi "Ein starkes Team": Schauspielerin Stefanie Stappenbeck verkörpert meist die herzliche, bodenständige Frau von nebenan.
In der ZDF-Komödienreihe "Die Bachmanns" verkörpert Stefanie Stappenbeck die getrennt erziehende Miriam. Gemeinsam mit ihrem Ex Markus (Oliver Wnuk) muss sie sich den Herausforderungen des Patchwork-Alltags stellen. Teil drei ist bereits abgedreht.
ZDF/Marc Meyerbröker 10 In der ZDF-Komödienreihe "Die Bachmanns" verkörpert Stefanie Stappenbeck die getrennt erziehende Miriam. Gemeinsam mit ihrem Ex Markus (Oliver Wnuk) muss sie sich den Herausforderungen des Patchwork-Alltags stellen. Teil drei ist bereits abgedreht.
Stefanie Stappenbecks stand schon als Kind vor der Kamera. Ihre erste große Filmrolle: 1988 spielte sie Anette Löwenhaupt im Klassiker "Die Weihnachtsgans Auguste". "Das Drehen fühlte sich an wie ein Ferienspaß", erinnert sich die Schauspielerin im Interview.
2013 Getty Images/Clemens Bilan 10 Stefanie Stappenbecks stand schon als Kind vor der Kamera. Ihre erste große Filmrolle: 1988 spielte sie Anette Löwenhaupt im Klassiker "Die Weihnachtsgans Auguste". "Das Drehen fühlte sich an wie ein Ferienspaß", erinnert sich die Schauspielerin im Interview.
In Teil zwei ist "Gefahr im Verzug". Und das nicht nur, weil eine Diebesbande für Unruhe in der Nachbarschaft sorgt. Markus (Oliver Wnuk) gerät beim Versuch, es sowohl seiner neuen Partnerin Galina (Natalia Belitski, rechts) als auch Miriam (Stefanie Stappenbeck, Mitte) Recht zu machen, immer wieder zwischen die Fronten.
ZDF/Marc Meyerbröker 10 In Teil zwei ist "Gefahr im Verzug". Und das nicht nur, weil eine Diebesbande für Unruhe in der Nachbarschaft sorgt. Markus (Oliver Wnuk) gerät beim Versuch, es sowohl seiner neuen Partnerin Galina (Natalia Belitski, rechts) als auch Miriam (Stefanie Stappenbeck, Mitte) Recht zu machen, immer wieder zwischen die Fronten.
Nachdem er schon länger um Miriam (Stefanie Stappenbeck) geworben hat, lässt sie sich auf einen Flirt mit ihrem Kunden Alexander Prinz (Steve Windolf) ein. Aber hat diese Beziehung eine Zukunft?
ZDF/Marc Meyerbröker 10 Nachdem er schon länger um Miriam (Stefanie Stappenbeck) geworben hat, lässt sie sich auf einen Flirt mit ihrem Kunden Alexander Prinz (Steve Windolf) ein. Aber hat diese Beziehung eine Zukunft?
Maja (Hannah Ehrlichmann, rechts) ist neu in Miriams (Stefanie Stappenbeck) und Markus' Nachbarschaft. Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb gut, haben sie doch beide Erfahrung mit Patchworkfamilien.
ZDF/Marc Meyerbröker 10 Maja (Hannah Ehrlichmann, rechts) ist neu in Miriams (Stefanie Stappenbeck) und Markus' Nachbarschaft. Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb gut, haben sie doch beide Erfahrung mit Patchworkfamilien.
Galinas Bruder Andrej (Nikolas Garin, links) und ihr Vater Gennadij (Grigory Kofman, rechts) finden, dass Markus (Oliver Wnuk, Mitte) wissen muss, wie ein "echter Mann" seine Frau verteidigt. Hape (Niels Bormann), Miriam (Stefanie Stappenbeck, zweite von rechts) und Andrea (Sophia Mercedes Burtscher) sind skeptisch.
ZDF/Marc Meyerbröker 10 Galinas Bruder Andrej (Nikolas Garin, links) und ihr Vater Gennadij (Grigory Kofman, rechts) finden, dass Markus (Oliver Wnuk, Mitte) wissen muss, wie ein "echter Mann" seine Frau verteidigt. Hape (Niels Bormann), Miriam (Stefanie Stappenbeck, zweite von rechts) und Andrea (Sophia Mercedes Burtscher) sind skeptisch.
Im Gegensatz zu ihrer Filmfigur Miriam in "Die Bachmanns" ist Stefanie Stappenbeck rundum glücklich als getrennt erziehende Mama einer zwölfjährigen Tochter: "Ich finde das Patchwork-Leben wunderbar!", verrät sie im Interview.
2023 Getty Images/Andreas Rentz 10 Im Gegensatz zu ihrer Filmfigur Miriam in "Die Bachmanns" ist Stefanie Stappenbeck rundum glücklich als getrennt erziehende Mama einer zwölfjährigen Tochter: "Ich finde das Patchwork-Leben wunderbar!", verrät sie im Interview.
Stefanie Stappenbeck räumt regelmäßig in ihrem Leben auf. "Ich nutze Therapie und Coaching, seitdem ich 25 bin", so die Schauspielerin im Interview. Sie ist überzeugt: "Je mehr Menschen mit sich im Reinen sind, desto mehr ist die ganze Gesellschaft mit sich im Reinen."
2013 Getty Images/Clemens Bilan 10 Stefanie Stappenbeck räumt regelmäßig in ihrem Leben auf. "Ich nutze Therapie und Coaching, seitdem ich 25 bin", so die Schauspielerin im Interview. Sie ist überzeugt: "Je mehr Menschen mit sich im Reinen sind, desto mehr ist die ganze Gesellschaft mit sich im Reinen."
Seit 2016 ermittelt Stefanie Stappenbeck als Linett an der  Seite von Florian Martens (Mitte, mit Anton Rubtsov) alias Otto. Sie trat die Nachfolge von Maja Maranow an.
ZDF / Katrin Knoke 10 Seit 2016 ermittelt Stefanie Stappenbeck als Linett an der Seite von Florian Martens (Mitte, mit Anton Rubtsov) alias Otto. Sie trat die Nachfolge von Maja Maranow an.

Mehr Erfolg im TV geht kaum: Seitdem Stefanie Stappenbeck im zarten Alter von neun Jahren zum ersten Mal vor der Kamera stand, ist die Schauspielerin praktisch dauerpräsent auf dem Bildschirm. In der Krimireihe "Ein starkes Team" ermittelt sie seit zehn Jahren. Ihr komisches Talent beweist die gebürtige Potsdamerin in der Komödie "Die Bachmanns - Gefahr im Verzug" (Montag, 14. September, 20.15, ZDF, bereits im Stream abrufbar). Zum zweiten Mal kämpft sie "Tür an Tür mit dem Ex" - so das Motto der Reihe - gegen das Patchwork-Chaos. Genau wie ihre Filmfigur lebt Stappenbeck getrennt erziehend - allerdings glücklich, wie sie im Interview verrät. Überraschend offen spricht die 52-Jährige auch über ihre ganz persönlichen Ängste. Damit will sie anderen Mut machen, sich Hilfe durch Therapie und Coaching zu holen.

teleschau: Frau Stappenbeck, Teil eins der Familienkomödie "Die Bachmanns" kam beim Publikum bestens an. Autor - Ralf Husmann - und Humor sind dieselben wie bei der ZDF-Filmreihe "Merz gegen Merz", die Familienkonstellation ist ähnlich. Allerdings sind "Die Bachmanns" auf fast schon rührende Weise um Frieden bemüht. Auch wenn sie oft daran scheitern - das ist eher ungewöhnlich, oder?

Stefanie Stappenbeck: Genau das mag ich an den "Bachmanns". Nur weil es mit der Beziehung nicht geklappt hat, muss man nicht zu Feinden werden. Gerade, wenn man gemeinsame Kinder hat, ist es toll, wenn man nach der Trennung gemeinsam eine gute Basis findet.

"Ich finde das Patchwork-Leben wunderbar"

teleschau: Sie sind Mutter einer zwölfjährigen Tochter und leben selbst ein Patchwork-Familienleben - und zwar glücklich ...

Stappenbeck: Ich finde das Patchwork-Leben wunderbar. Zumindest was unsere Familie betrifft, sind alle Beteiligten glücklich damit. Wir leben seit immerhin zehn Jahren so. Allerdings wohnen wir nicht Tür an Tür wie "Die Bachmanns".

teleschau: Sondern?

Stappenbeck: Als mein Exmann und ich nach der Trennung unser neues Leben planten, war unser Kriterium bei der Wohnungssuche ein anderes: "Entspannte Laufweite von einer Wohnung zur anderen, aber nicht derselbe Supermarkt". Diesen weisen Rat hatte uns eine Freundin gegeben (lacht). Eine Trennung ist schwer genug. Deshalb ist es gut, wenn man sich im Alltag nicht ständig begegnet - vor allem am Anfang. Wenn man zugleich nah genug bei einander wohnt, dass es für alle Beteiligten ein leichtes Hin und Her ist, ist das wunderbar. Unser Kind hat weniger als zehn Minuten Fußweg von einer Wohnung zur anderen. Auch die Schule ist von beiden Wohnungen gleich weit entfernt.

"Wir haben das perfekte Betreuungsmodell für unser Kind gefunden"

teleschau: Wie managen Sie den Patchwork-Alltag?

Stappenbeck: Wir haben das perfekte Betreuungsmodell für unser Kind gefunden, das ich hiermit wärmstens empfehle: Montag und Dienstag sind immer Mama-Tage, Mittwoch, Donnerstag sind immer Papa-Tage. Die Wochenenden, Freitag bis Sonntag, werden abgewechselt. Natürlich hängt das immer von persönlichen Bedürfnissen ab, doch die Vorteile liegen auf der Hand. Für das Kind gibt es keine lange Eingewöhnungszeit beim anderen Elternteil. Der Kontakt zueinander bleibt immer bestehen. Und als Eltern kann man zugleich besser planen - sowohl beruflich als auch privat.

"Viele alte Strukturen zeigen sich gerade wieder"

teleschau: Sie haben mal gesagt, Sie glauben nicht an die Ehe. Warum nicht?

Stappenbeck: Wenn zwei Menschen heiraten wollen, ist natürlich nichts dagegen einzuwenden. Ich finde aber, man sollte eheähnliche Versorgungsgemeinschaften bilden können, mit so vielen es auch immer braucht, in der Kinder eine sichere Heimat haben.

teleschau: In dieser neuen Folge von "Die Bachmanns" geht es auch um Geschlechterbilder. Ihr Ex - gespielt von Oliver Wnuk - hadert mit der Frage: Was macht einen echten Kerl aus? Gerade feiert das Bild "vom harten Mann" wieder ein Comeback ...

Stappenbeck: Viele alte Strukturen zeigen sich gerade wieder. Das veraltete Männerbild gehört dazu. Dabei leiden unter dem Patriarchat nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer: Männer dürfen keine starken Gefühle haben außer Wut und Stolz. Frauen dürfen alle Gefühle haben außer Wut und Stolz. Ist eine Frau wütend, ist sie gleich schwierig oder zickig. Daran hat sich nichts geändert. Ich wünsche mir, dass alle Menschen unabhängig vom Geschlecht alle Gefühle haben dürfen. Und ausdrücken können.

"Je mehr Menschen mit sich im Reinen sind, desto mehr ist die Gesellschaft mit sich im Reinen"

teleschau: Was vermitteln Sie Ihrer Tochter dazu?

Stappenbeck: Ich versuche, meinem Kind genau diese Freiheit zu geben. Ich will, dass meine Tochter lernt, mit dem Fuß aufzustampfen und zu sagen, was sie braucht und will. Als sie klein war und diese berühmten Wutanfälle hatte, hat mich das natürlich manchmal auch gestresst - wie wohl alle Eltern. Gleichzeitig war ich froh, ich dachte: Schön, dass sie das kann, das will ich ihr nicht wegnehmen. Ich will aber versuchen, diese Wut in konstruktive Bahnen zu lenken. Für mich selbst war Wut lange ein schwieriges Thema. Ich konnte keine Wut ausdrücken oder überhaupt empfinden. Das musste ich mühsam lernen. Zum Glück habe ich mir dafür Hilfe geholt.

teleschau: Sich Hilfe holen im Umgang mit den eigenen Ängsten durch Therapie oder Coaching - genau dafür plädieren Sie seit vielen Jahren sehr offen. Weshalb liegt Ihnen dieses Thema so sehr am Herzen?

Stappenbeck: Je mehr Menschen mit sich im Reinen sind, desto mehr ist die ganze Gesellschaft mit sich im Reinen. Viele Menschen leben ihren inneren Schmerz an der Welt aus. Was immer neuen Schmerz produziert. Doch es gibt so viele Methoden, um sich von Altem zu befreien oder auch, um Konflikte zu lösen. Oft hilft es schon zu erkennen: Wo ist mein Anteil an einer Situation? In meinen Augen ist es fatal, dass an der psychiatrischen Versorgung gespart werden soll.

"Freiwillig schaue ich mich nicht im Fernsehen an"

teleschau: Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Thema?

Stappenbeck: Ich nutze Therapie und Coaching, seitdem ich 25 bin. Da gab es einiges aufzuarbeiten. Ich hatte beispielsweise Angst, Mutter zu werden. Außerdem konnte ich früher nicht laut werden. Wenn ich eine Szene hatte, in der ich schreien sollte, konnte ich das nicht. Das habe ich inzwischen gelernt. Eines ist mir bis heute geblieben: Es ist mir immer ein bisschen peinlich, mich im Fernsehen zu sehen.

teleschau: Woran liegt das?

Stappenbeck: Das kommt wohl noch von früher, als ich mich am Theater unsicher fühlte, weil ich keine Schauspielausbildung hatte. Freiwillig schaue ich mich nicht im Fernsehen an. Das mache ich wirklich nur, wenn ich muss (lacht).

teleschau: Zum Beispiel wann?

Stappenbeck: Vor einiger Zeit hatte die 100. Folge von "Ein starkes Team" in einem Kino Premiere. Das musste natürlich gefeiert werden. Trotzdem: Wenn ich mir beim Spielen zusehe, bin ich extrem kritisch.

"Ein Kinderstar war ich nie"

teleschau: Dafür gibt es wahrlich keinen Grund: Die Krimireihe "Ein starkes Team", in der Sie seit zehn Jahren als Ermittlerin zu sehen sind, zählt zu den erfolgreichsten im ZDF. Vor allem aber stehen Sie schon seit der Kindheit erfolgreich vor der Kamera. Mit elf Jahren wurden Sie fürs DDR-Fernsehen entdeckt. Wie kann es dazu?

Stappenbeck: Ich wurde von Talentsuchern im Schultheater entdeckt. Nach der Schule wurde ich immer zu den Proben abgeholt. Gleich mein zweiter Film "Die Weihnachtsgans Auguste" ist ein Klassiker geworden. Er läuft noch immer jedes Jahr im Fernsehen. Ein Kinderstar war ich nie, das gab es in der DDR ja nicht. Aber das Drehen fühlte sich an wie ein Ferienspaß.

teleschau: Sie waren 15 bei der Wende. Gab es danach erst mal einen Bruch in Ihrer Schauspielkarriere oder so eine Art "Kulturschock" vor der Kamera?

Stappenbeck: Einen Bruch gab es zum Glück nie. Schon ein Jahr später drehte ich meinen ersten Film in westdeutscher Manier. Aber ich war geschockt, weil im Westen alles viel schneller ging. In der DDR wurden die Künstler unheimlich ernst genommen. Alles hat sich auf sie ausgerichtet - so empfand ich es damals zumindest. Im Westen galt immer: "Wir müssen uns ranhalten!" Es wurden viel mehr Szenen pro Tag gedreht. Aber als junger Mensch gewöhnt man sich schnell an Neues. Nach und nach bin ich in den Beruf hineingewachsen. Es war ein einsamer Weg, aber auch ein schöner Weg.

teleschau: Mauerfall, Schauspielkarriere ... Mit 15, 16 ist man mitten in der Pubertät und ohnehin gerade in Aufruhr. War das eine wilde Zeit für Sie?

Stappenbeck: Nein, wild war ich nie. Meine Pubertät habe ich nicht ausgelebt - vielleicht später nachgeholt. Das schon. (lacht) Nach meinem Gefühl hatten es meine Eltern nicht schwer mit mir. Meine Schwester hat das Down-Syndrom. Als ältere Schwester eines behinderten Kindes musste ich immer mithelfen. Ich musste überhaupt früher funktionieren als andere Kinder. Zugleich bin ich dankbar, genau so aufgewachsen zu sein. Ich habe dadurch viel über das Leben gelernt.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur teleschau. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an info@teleschau.de

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