Frankfurter Nachtleben mit schillernden Stars

Zum zweiten Mal ermittelt Thelma Buabeng als titelgebende BKA-Beamtin im ZDF. "Die Polizistin und die Todesstille" stammt wiederum von "Nachtschicht"-Erfinder Lars Becker, der in seinem ernsteren Krimi-Ableger ein Starensemble ins schillernde Frankfurter Bahnhofsviertel schickt.
von  Eric Leimann
BKA-Mann Boris Lambert (Tobias Oertel, links) schickt seine Mitarbeiterin Gloria Acheampong (Thelma Buabeng) nach Frankfurt am Main. Dort wurde ein verdeckter Ermittler in einem Feld in der Nähe der Stadt offenbar hingerichtet. Acheampong taucht in die Halbwelt des Frankfurter Bahnhofsviertels ein, wo ihr toter Kollege ermittelte.
BKA-Mann Boris Lambert (Tobias Oertel, links) schickt seine Mitarbeiterin Gloria Acheampong (Thelma Buabeng) nach Frankfurt am Main. Dort wurde ein verdeckter Ermittler in einem Feld in der Nähe der Stadt offenbar hingerichtet. Acheampong taucht in die Halbwelt des Frankfurter Bahnhofsviertels ein, wo ihr toter Kollege ermittelte. © ZDF und © NIK KONIETZNY.

Im September 2024 trat Gloria Acheampong (Thelma Buabeng) erstmals als Stanford-Absolventin und BKA-Ermittlerin im ZDF auf. "Die Polizistin und die Sprache des Todes" hieß ihr Debütfilm, erdacht und inszeniert vom nordischen und manchmal etwas schrägen Filmemacher Lars Becker. Vor allem für seine "Nachtschicht"-Reihe im ZDF ist er einem breiteren Publikum bekannt. Für den zweiten "Die Polizistin"-Film wandert der Einsatzort der Kommissarin vom platten Land an der dänischen Grenze ins schillernde Frankfurter Bahnhofsviertel. Der auslösende Todesfall dieses Krimis ist jedoch auch gewissermaßen ländlich: In einem Getreidefeld außerhalb der Stadt liegt ein hingerichteter verdeckter Ermittler. Acheampong kannte den Mann. Ist es Zufall, dass im Krimi "Die Polizistin und die Todesstille" (bereits ab 12. September in der ZDF-Mediathek) der Tatort ausgerechnet hinter dem Haus eines gefallenen Frankfurter Rappers liegt? Einem Mann, der seine Villa verlaufen muss? Und ist es ebenso Zufall, dass ausgerechnet DJ Nikki Caspari (Marc Benjamin) sich gerade mit einem Makler jenes Haus anschaut, als das BKA an der Tür klingelt?

Nikki legt im Club des Frankfurter Unterweltbosses Leon Graf (Carlo Ljubek) auf. Nikkis Frau Emma (Haley Louise Jones) hält den Zusammenhang zwischen Tatort, anvisiertem Hauskauf und Nikkis Arbeitsplatz keineswegs für Zufall. Haben Leon oder auch dessen Frau Debbie Graf (Almila Bagriacik) Nikki vielleicht im Verdacht, ebenfalls mit der Polizei unter einer Decke zu stecken, und ist der Mord vielleicht auch eine Warnung für Nikki?

Wie üblich in Filmen Lars Beckers, der als junger Mann auf St. Pauli eine Kneipe betrieb und damals viel über die Verbindung von Unterwelt und "Szene" lernte, ist auch in diesem Film lange Zeit nicht klar, wer hier auf der guten und wer auf der bösen Seite werkelt. Verbrecher, Polizei und diverse Szene- und Halbweltgestalten haben im 90-Minüter viel miteinander zu tun. Wobei Beckers "Die Polizistin"-Reihe mit deutlich weniger Humor als seine "Nachtschicht"-Filme auskommt. Hauptdarstellerin Thelma Buabeng, die man auch aus komödiantischen Formaten kennt, spielt ihre Rolle betont nüchtern.

Lars Becker: Veteran diverser Besetzungen

Wie immer, wenn Lars Becker ruft, folgen zahlreiche Stars der Einladung, die in szeniger Künstlichkeit und Coolness immer so ein bisschen "Larger than Life" spielen dürfen. Slavko Popadić, der wie Hayley Louise Jones ("Liebes Kind") auch eine Arzt-Hauptrolle in der mit Deutschem Fernsehpreis und Grimme-Preis ausgezeichneten Serie "Krank berlin" bekleidete, verkörpert diesmal einen Frankfurter Polizisten, der Gloria Acheampong bei ihrer Arbeit in der fremden Stadt unterstützt. Nadeshda Brennicke spielt die lokale LKA-Chefin.

Als Krimi gelingt Lars Becker mit "Die Polizistin und die Todesstille" wieder mal ein sehenswertes Spiel um Schein und Sein, in dem keiner dem anderen vertraut, in dem Frauen meist die klügeren Menschen sind und in dem insgesamt recht viel Blut fließt.

Noch ein Wort zur Besetzung: Nicht nur Thelma Buabeng, die sich schon lange für die Szene schwarzer Kreativer im deutschen Film engagiert, sondern auch Filmemacher Lars Becker, ist ein Kompliment zu machen. Der mittlerweile 72-Jährige besetzte unter anderem in seiner "Nachtschicht" schon zu Zeiten divers und gewissermaßen "farbenblind", als es die Begriffe im deutschen Film und Fernsehen noch gar nicht gab. Als meist Männer das Sagen hatten, türkisch oder arabisch aussehenden Darstellende Gangster, Putzfrauen oder Gemüsehändler spielten und man bei schwarzen Schauspielerinnen und Schauspielern stets in der Rolle erklären musste, was sie nach Deutschland "verschlagen" hatte. Gut, dass die Filmbranche mittlerweile realistischer echtes deutsches Leben in all seiner Vielfalt abbildet.

Die Polizistin und die Todesstille - Mo. 21.09. - ZDF: 20.15 Uhr

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