Frank Buschmann: "Es gibt Leute, die finden meine Art zum Kotzen"

Ob "Buschi TV", "Schlag den Raab" oder Super Bowl - Frank Buschmann kommentiert jede Sendung mit der ihm eigenen Emotionalität.
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Buschi bei der Arbeit
Privatarchiv Frank Buschmann Buschi bei der Arbeit

Ob "Buschi TV" oder "Schlag den Raab", "ran" oder Super Bowl - Frank Buschmann kommentiert jede dieser Sendungen mit der ihm eigenen Emotionalität. Dafür lieben ihn die Einen, während die Anderen abschalten. Warum er trotzdem nichts an seiner Art ändern wird, erklärt Buschmann im Interview.

München - Multi-Talent Frank Buschmann (49) ist jetzt auch unter die Schriftsteller gegangen. In "Am Ende kackt die Ente" erzählt er mit seinem typischen Enthusiasmus, wie er vom Basketballspieler zum Sport-Kommentator wurde. Klar, dass dabei die ein oder andere kurzweilige Anekdote aus der medialen Glitzerwelt nicht fehlen darf. Im Interview mit spot on news verrät "Buschi", warum er für sein Buch wohl keinen Literatur-Nobelpreis gewinnen wird und welche Projekte er in Zukunft noch angehen möchte.

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Sie sind Gastgeber Ihrer eigenen Web-Show, kommentieren diverse Shows von Stefan Raab, pflegen täglich Ihre Facebook-Seite und sind jetzt auch noch Buchautor. Wie kam es zu "Am Ende kackt die Ente"?

Buschmann: Das ist nicht auf meinen Mist gewachsen. Auf meiner Facebookseite wurde ich dazu animiert. Nach Anekdoten über Dennis Rodman und Michael Jordan kamen immer mehr Aufforderungen, diese mal in einem Buch zu sammeln. Erst dachte ich, das will eh keiner lesen, doch Verlage konnten sich sowas vorstellen. Schließlich bin ich für zehn Tage in die Türkei geflogen und habe jeden Tag acht Stunden alles auf Band gesprochen...

...und bei der Verschriftlichung lag der Fokus dann darauf, dass Buschi im Buch auch als Buschi rüberkommt...

Buschmann: Genau. So wie ich kommentiere, so sollte auch das Buch zu lesen sein. Am Ende des Tages werde ich dafür nicht den Literatur-Nobelpreis kriegen. Es musste die Buschi-Sprache sein, das Buch muss echt sein.

Sie sind dafür bekannt, sehr enthusiastisch zu kommentieren...

Buschmann: ...und die Diskussion darüber begleitet mich schon meine ganze Karriere. Zu Beginn hat das kaum jemanden interessiert, da ich nachts NBA-Spiele kommentiert habe, da waren die Einschaltquoten zu niedrig. Jedoch spätestens mit der Basketball-EM 2001 hat sich das geändert. Da hat sich dann auch der Feuilleton mit meiner Art zu kommentieren beschäftigt. Mit der Intention: 'Ein Fan sitzt am Mikro - wie kann man nur so übertragen?' Dass diese Art nicht allen Leuten passt, ist mir klar. Ich kann nicht Everbody's Darling sein, will ich auch nicht. Zumal ich mehr Ahnung habe vom Basketball als diese Schreiber. Heute polarisiert diese Art zu kommentieren übrigens gar nicht mehr so.

Unumstritten ist sie aber noch immer nicht.

Buschmann: Es gibt Leute, die finden meine Art zum Kotzen. Vollkommen okay. Aber: Jeder erkennt es, wenn Buschi kommentiert. Es soll keine Kollegenschelte sein, aber bei acht von zehn Fällen erkennt man den Kommentator nicht. Die reden alle gleich. Als wäre fest vorgegeben, wie ein Reporter zu agieren habe. Selbstverständlich muss immer das Ereignis selbst im Mittelpunkt stehen, nicht der Reporter oder Kommentator. Lockerheit, Spontanität, Emotionalität - das alles ist aber nicht unseriös. Das wollen die Leute.

Achten Sie auf ihre Kommentatoren-Kollegen, wenn Sie sich privat vor dem Fernseher ein Spiel ansehen?

Buschmann: Freizeit ist Freizeit. Und ich bin weit davon entfernt, die Arbeit der Kollegen beurteilen zu wollen. Krasse Ausreißer fallen mir auf - wie jedem Fan, doch Bewertungen stehen mir nicht zu. Davon abgesehen hab ich da keine Lust darauf. Ich denke auch nicht darüber nach, wie ich selbst eine bestimmte Szene kommentiert hätte.

Ist Ihre Vergangenheit als professioneller Basketballspieler ein Vorteil fürs Kommentieren?

Buschmann: Ein Vorteil sicher, aber keine Bedingung. Bei mir ist da nichts angelesen. Ich weiß, worüber ich rede. Zwar habe ich nie um eine EM oder WM gespielt, doch immerhin um Aufstieg und Abstieg auf höchstem Niveau. Wer selbst einmal in einer kniffligen Spielsituation war, kann das als Kommentator auch besser nachvollziehen und dann so kommentieren.

Zu ihrem plötzlichen Abgang von sport1 im letzten Jahr...

Buschmann: ...hier muss ich immer wieder richtigstellen, dass das meine eigene Entscheidung war. Vor allem war es die beste Entscheidung meines Lebens. Nicht, weil ich mit sport1 nicht mehr konnte...

Warum dann?

Buschmann: Weil ich seitdem nicht mehr festgelegt bin auf bestimmte Jobs, die Angebote sind vielfältiger geworden. Ich mache ein eigenes Ding, wozu ich Lust habe. Dass ich nicht mehr die 2. Bundesliga am Montagabend mache, tut mir nicht weh, deswegen sitze ich nicht da und weine. Dafür moderiere ich das Europa-League-Finale in diesem Jahr, wieder den Super Bowl, werde vom ZDF gebucht, dazu die Zusammenarbeit mit Stefan Raab. Ich werde dem DSF respektive sport1 immer dankbar sein, dass man mir dort den Einstieg in die Branche ermöglich hat. Es wird da auch kein Nachtreten geben. Wir hatten uns auseinandergelebt. Und nach 20 Jahren Ehe ist eine Trennung nie einfach. Emotional war das hart, rational das richtige.

Sie haben schon alles Mögliche kommentiert - was würde Sie denn noch reizen?

Buschmann: Ganz klar die Champions League, eine Fußball-WM oder -EM. Zudem wurmt es mich, dass ich nicht live Ort kommentieren konnte, wie Dirk Nowitzki mit Dallas 2011 den NBA-Titel geholt hat. Das ist das große schwarze Loch meiner Sportjournalisten-Laufbahn.

Ihren Stil zu kommentieren, würden Sie für einen Job bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht ändern?

Buschmann: Nein, dann würde ich das Angebot eher ablehnen. Jeder weiß, wie ich ticke, möglicherweise verhindert das auch, dass ich bestimmte Angebote bekomme. Aber diese Art zu kommentieren ist meine Marke - nicht, weil ich sie so entwickelt habe, sondern weil ich so bin. Ich liebe den Sport, das bringe ich, so denke ich, doch ziemlich gut rüber.

Gibt es für Sie auch den Sport-Overkill?

Buschmann: Live-Reporter fürs TV ist ein Traum, keine Frage. Aber auch das wird spätestens im fünften Jahr, wenn man pro Wochenende drei oder vier Spiele begleitet, Normalität. Das wird keiner verstehen, denn für die meisten ist Fußball Liebe, Leidenschaft und Freizeit. Für mich war es Liebe, Leidenschaft und Arbeit.

Was sind Ihre weiteren beruflichen Pläne? Was kommt Neues von Buschi?

Buschmann: Gerne würde ich 'Buschi-TV' ins Fernsehen bringen, nicht eins zu eins, aber die Idee des Formats. Gute Interviews, ausführliche Interviews wie mit Kevin Prince Boateng oder Dirk Nowitzki, die über das rein Sportliche hinausgehen, das wollen mehr Leute sehen als man denkt. Ein Traum wäre eine Samstagabendshow als Tandem - doch da sehe ich gerade nicht das passende Format. Außerdem: Wer stellt den irren Buschi auf so eine Bühne?! Und ein neues Buch wird es möglicherweise auch von mir geben. Etwas ganz anderes als das erste, noch verrückter. Mehr will ich dazu aber noch nicht sagen. Eine Doku würde mich auch reizen, einen Sportler ein Jahr zu begleiten, daraus etwas im Spielfilmformat zu machen, das kann ich mir gut vorstellen.

In welcher Sportart? Fußball?

Buschmann: Nein, dafür ist dort alles zu sehr unter der Kontrolle der Medienabteilungen der Klubs. Fußball ist zu sehr Geschäft, zu sehr von Wichtigtuern geprägt, zu viel schon bekannt. Zudem heiße ich nicht Sönke Wortmann und mir öffnen sich nicht automatisch alle Türen bei der Nationalmannschaft oder beim FC Bayern. Auf der anderen Seite wird beim Fußball aus jedem Pups ein mediales Donnerwetter. Typen im Fußball werden von den Beratern glatt gebügelt. Das ist schade. Aber: Es gibt noch so viele interessante andere Sportarten, über die es sich zu berichten lohnt.

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