Interview

Florian David Fitz: "Im Idealfall fahren wir mit Freunden in den Urlaub, die ebenfalls Kinder haben"

Florian David Fitz ist zurück auf der Kinoleinwand. Die Abendzeitung traf den erfolgreichen Münchner Schauspieler zum Interview. Fitz spricht über wahre Freundschaften, Spielplatz-Erlebnisse mit seinen fünfjährigen Zwillingsbuben und seinen perfekten Familienurlaub.
von  Steffen Trunk
Schauspieler Florian David Fitz ist aktuell in der Komödie "Der perfekte Urlaub" im Kino zu sehen.
Schauspieler Florian David Fitz ist aktuell in der Komödie "Der perfekte Urlaub" im Kino zu sehen. © imago/Sven Simon

Florian David Fitz begeistert seit vielen Jahren mit seinen Rollen ein Millionenpublikum. Über sein Privatleben spricht der 51-Jährige dagegen nur selten. Bekannt ist, dass er im Januar 2021 Vater von Zwillingen wurde. Die Namen der Söhne und Details zur Mutterschaft hält Fitz konsequent aus der Öffentlichkeit heraus.

Florian David Fitz spricht im Interview auch über Urlaub mit den Kindern

Im Kinofilm "Der perfekte Urlaub" kehrt Fitz als "Pepe" zurück, der sich im ersten Teil "Das perfekte Geheimnis" als schwul geoutet hat. Im Gespräch mit der Abendzeitung erzählt der Schauspieler von seiner Freundschaft zu Diana Amft, ungewöhnlichen Drehpausen, dem Leben als Vater und der Frage, warum sich nicht jeder in der queeren Welt zu Hause fühlen muss. Außerdem verrät er, wie es war, Elyas M’Barek zu küssen.

AZ: Lieber Herr Fitz, Sie haben nach 15 Jahren wieder mit Diana Amft vor der Kamera gestanden. Wie lange kennen Sie sich schon?
FLORIAN DAVID FITZ: Das Erste, woran ich mich erinnern kann, ist "Mädchen, Mädchen 2". Das war Anfang der 2000er-Jahre, vielleicht sogar noch etwas früher. Wir haben auch bei anderen Fernsehproduktionen zusammengearbeitet. Es gab also immer wieder Berührungspunkte.

Kontakt mit Diana Amft ist auch nach "Doctor's Diary" nie abgerissen

Hatten Sie sich in der Zwischenzeit aus den Augen verloren?
Wir sind schon in Kontakt, telefonieren aber nicht täglich miteinander. Bei beruflichen Freundschaften ist es oft so, dass man sich immer wieder sieht. Wir haben uns beispielsweise auch auf Mallorca getroffen. Früher war ich häufiger in Berlin. Da haben wir uns öfter gesehen. Der Kontakt ist also nie ganz abgerissen.

Schauspiel-Freunde: Florian David Fitz und Diana Amft
Schauspiel-Freunde: Florian David Fitz und Diana Amft © imago/Future Image

Wie war es, nach so langer Zeit wieder gemeinsam zu drehen? War es wie früher?
Wir waren ein bisschen entsetzt darüber, wie kindisch wir waren, wenn es um unseren Humor ging. (lacht) Wir verstehen uns bei bestimmten Witzen wie Dad Jokes sofort und denken: "Okay, das ist vielleicht heutzutage gar nicht mehr lustig, was wir lustig finden." Wir fanden es aber herrlich.

Florian David Fitz und Frederick Lau in seiner Filmszene
Florian David Fitz und Frederick Lau in seiner Filmszene © Constantin Film/Gordon A. Timpen

Sie haben den Dreh mit Ihren Schauspielkollegen als große Klassenfahrt beschrieben.
Wir waren in einem Hotel, das komplett leer war und uns allein zur Verfügung stand. Es gab Zimmer an Zimmer, die quasi unsere Rückzugsräume waren. Dann ging man mal in das Zimmer des anderen, und irgendwann trafen wir uns alle dort. Wir haben Gesellschaftsspiele gespielt, mit denen man kurze Umbaupausen am Set überbrücken konnte. Das war sehr lustig.

Florian David Fitz: Wandern auf Mallorca statt Party am Ballermann

Der Film spielt auf Mallorca. Sie sind allerdings kein großer Ballermann-Fan, oder?
Ich bin tatsächlich nicht der Typ für den Ballermann. Das ist einfach nicht meins. Ich glaube, es funktioniert dort vor allem dann, wenn man viel trinkt. Ich bin auch kein großer Schlager-Fan. Ich war aber tatsächlich mal im Winter am Ballermann, um mir das anzuschauen. Ich kenne Mallorca trotzdem ziemlich gut und war schon in vielen Ecken der Insel. Ich bin eher Wanderer und finde die Natur in den Bergen wahnsinnig schön.

"Im Idealfall fahren wir mit Freunden in den Urlaub, die ebenfalls Kinder haben"

Sie sind Vater von zwei kleinen Buben. Wie hat sich Ihr Urlaub dadurch verändert?
Im Idealfall fahren wir mit Freunden in den Urlaub, die ebenfalls Kinder haben. Dann sind die Kinder untereinander beschäftigt. Und man selbst kann auch ein bisschen chillen.

Touris schauen beim Frühstücken zu: Urlaubs-Horror für Florian David Fitz

Wäre ein Club-Hotel mit Animation eine Option für Sie?
Als Kind war ich mit meinen Eltern einmal in einem Club-Hotel in Frankreich. Das war allerdings deutlich gediegener als in unserem Film und ohne Alkohol. Heute ist das für mich nicht unbedingt besonders attraktiv. Ich verstehe natürlich das Argument, dass die Kinder beschäftigt sind und man selbst ein Buch lesen oder entspannen kann. Aber ich möchte auch nicht beim Frühstück in einem großen Saal sitzen, in dem mich alle angucken. Das wäre für niemanden besonders entspannt.

In "Der perfekte Urlaub" geht es auch darum, wie man nach einem Vertrauensbruch wieder zueinanderfindet. Wie gelingt das Ihrer Meinung nach?
Am Ende braucht es Zeit. Zunächst muss man sich klar dazu bekennen, was passiert ist, und die Situation analysieren. Oft muss man sich auch eingestehen, dass nicht nur eine Person etwas falsch gemacht hat. Selten ist es so, dass einer eindeutig der Böse ist. Man muss darüber sprechen und sich fragen, ob man einander weiterhin wichtig ist. Wenn beide Parteien das so sehen, ist das eine gute Grundlage.

Florian David Fitz: Ich suche die Versöhnung

Sind Sie gut darin, sich zu versöhnen?
Ja.

Warum?
Weil ich Versöhnung suche.

Kann man es sich mit Ihnen leicht verscherzen?
Es gibt, wie wahrscheinlich bei jedem Menschen, bestimmte Dinge, bei denen es schwierig wird. Wenn man irgendwann nicht mehr weiß, was wahr ist, und alles in Frage stellt, wird es kompliziert. Das mag ich nicht.

"Ob ich viele Geheimnisse mit mir herumtrage? Nein, das glaube ich nicht"

Würden Sie sich selbst als geheimnisvollen Mann bezeichnen?
Geheimnisvoll klingt für mich nach etwas Rätselhaftem. Wenn Sie meinen, ob ich viele Geheimnisse mit mir herumtrage: Nein, das glaube ich nicht. Ich teile mit meinen Freunden wirklich alles. Freunde sind ja auch genau dafür da! Man ordnet gewisse Dinge auch mal gemeinsam ein und unterstützt sich gegenseitig.

Haben Sie einen großen Freundeskreis oder nur wenige enge Vertraute?
Ich habe tatsächlich einen größeren Kreis enger Freunde, mit denen ich alles teilen kann. Da habe ich großes Glück. Das heißt nicht, dass wir uns ständig sehen. Aber wir versuchen, bestimmte Fixpunkte zu schaffen, etwa meinen Geburtstag oder ein Treffen nach Weihnachten.

Ihre Figur "Pepe" ist schwul. Ist es für Sie als Schauspieler ein Unterschied, ob Sie einen schwulen oder heterosexuellen Mann spielen?
Nein. Das sind ja keine grundsätzlich unterschiedlichen Kategorien von Mensch. Anders wäre es, wenn ich eine Figur spielen würde, die eine ganz bestimmte Körperlichkeit hat, die sich von meiner unterscheidet. Bei "Pepe" sollte das aber gerade nicht so sein. Er kommt aus einem sehr heteronormativen Umfeld, in dem er funktioniert hat, fühlt sich dort aber nicht mehr richtig zu Hause.

"Das zu spielen, ist nicht unbedingt angenehm"

Was war die Herausforderung?
Für mich war eher die Herausforderung, dass "Pepe" nicht zu stark auftrumpfen darf. Er ist keine Figur, die einfach ihren Impulsen folgt. Er ist sehr in sich gefangen. Das zu spielen, ist nicht unbedingt angenehm, denn ich selbst gehe eher nach vorne. Mein Instinkt wäre, zu sagen: Jetzt muss er sich doch endlich befreien! Aber das kann eben nicht jeder.

Auf einer Gay-Party in "Der perfekte Urlaub": Die Schauspieler Frederick Lau, Wotan Wilke Möhring, Florian David Fitz und Elyas M'Barek
Auf einer Gay-Party in "Der perfekte Urlaub": Die Schauspieler Frederick Lau, Wotan Wilke Möhring, Florian David Fitz und Elyas M'Barek © Constantin Film/Gordon A. Timpen

Woran liegt es, dass "Pepe" selbst nach seinem Outing noch nicht richtig frei wirkt?
Wahrscheinlich spielen mehrere Dinge eine Rolle. Er hat seine Homosexualität erst spät entdeckt und war sich seiner selbst lange nicht ganz sicher. Außerdem ist er grundsätzlich ein Mensch, der viel zweifelt. Er ist eine Figur, die einfach kein Zuhause gefunden hat.

"Pepe" fühlt sich auch in der queeren Welt nicht vollständig angekommen. Was sagt das über die Figur aus?
Man kann das als internalisierte Homophobie interpretieren. Aber vielleicht hat "Pepe" auch einfach das Gefühl, dass diese Welt nicht das Richtige für ihn ist. Er fragt sich: Wo gehöre ich hin? Ich glaube, das war Bora Dagtekin ein wichtiger Punkt: Wir erzählen keine strahlende Emanzipationsgeschichte. "Pepe" ist ein Mann voller Zweifel, der seinen Platz in der Welt sucht und sich vielleicht ein ganz gewöhnliches Leben wünscht. Ein kleines ganz gewöhnliches Glück. Und genau das wird ihm vielleicht am Ende gegönnt.

"Nach Sexualität kräht da kein Hahn mehr"

Was würden Sie queeren Menschen raten, die noch auf der Suche nach sich selbst sind?
Ich bin ehrlich gesagt nicht unbedingt am Puls der Zeit. Ich habe aber den Eindruck, dass sich für junge Menschen in dieser Hinsicht einiges verändert hat, zumindest in den Städten. Die Themen, mit denen sich Jugendliche beschäftigen, sind heute teilweise ganz andere als früher. Nach Sexualität kräht da kein Hahn mehr. Neulich am Spielplatz waren da 20 junge Mädels mit Tierohren und Schwänzen am Hosenboden, die auf allen vieren in größter Ernsthaftigkeit ihrem spiritual Animal nachgegangen sind.

"Wünschen uns den Punkt, an dem wir nicht mehr alles benennen müssen"

Wohin sollte es führen?
Wir brauchen manchmal Labels, um uns selbst zu definieren und von anderen abzugrenzen. Aber irgendwann wünschen wir uns doch einen Punkt, an dem wir nicht mehr alles benennen müssen. Das wäre die ideale Welt. Das ist ähnlich wie beim Feminismus. Wollen wir nun zum x-ten Mal zum Beispiel das ausgeleierte Bild der 'starken Frau‘ bemühen? Wir wollen vielleicht endlich für selbstverständlich nehmen, dass Frauen, genauso wie Männer, so ziemlich alles sein können, was man sich ausmalen kann.

"Es braucht nicht mehr ganz so viel Aktionismus"

Wie kann es gelingen, in die ideale Welt zu kommen?
Ich habe das Gefühl, dass es vielleicht nicht mehr ganz so viel Aktionismus braucht. Ich glaube, dass gesellschaftliche Veränderungen nicht allein durch Aktionismus zustande kommen, weil dieser auch immer eine Gegenbewegung auslösen kann. Aktionismus ist berechtigt, kann aber auch den Nachteil haben, dass die andere Seite just eben nicht ihre Position hinterfragt, sondern mit einem Pushback reagiert. Ich glaube, dass gesellschaftliche Veränderungen viel leiser und unspektakulärer voranschreiten. Meine Oma wurde 1929 geboren. Wie ist das Thema Homosexualität in ihre Realität eingesickert? Auch dadurch, dass es irgendwann in einer Daily Soap ein schwules Paar gab. Man sieht solche Beziehungen, sie werden selbstverständlich, und das verändert etwas – Stück für Stück. Das verändert viel mehr, als wir mit Aktionismus verändern können.

Im Film gibt es einen intensiven Zungenkuss mit Elyas M’Barek. Wie war’s?
Ach, ey. Elyas und ich haben sicher schon unangenehmere Sachen bei Drehs machen müssen. Ely ist doch ein guter Typ.

Mussten Sie den Kuss üben?
Nein. (lacht) Es war ein One-Taker.

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