Interview

Filmstar Elke Sommer feiert 80. Geburtstag: "Manchmal fühle ich mich dreistellig"

Filmstar Elke Sommer ist am Donnerstag 80 geworden und spricht in der AZ über ihr unglaubliches Leben, die Liebe – und das Leid.
| Kimberly Hagen
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
2  Kommentare Empfehlungen
"Ich bin ein Glückskind, auch wenn ich viele Dramen erlitten habe": Filmstar Elke Sommer.
"Ich bin ein Glückskind, auch wenn ich viele Dramen erlitten habe": Filmstar Elke Sommer. © picture alliance / dpa

Sie war Deutschlands Fräuleinwunder in Hollywood, Sex-Symbol (als man so etwas noch ungestraft sagen durfte) der 60er und 70er, spielte an der Seite von Paul Newman und Dean Martin: Am Donnerstag ist Elke Sommer, die als Elke von Schletz in Berlin auf die Welt kam, mit 18 im Italien-Urlaub entdeckt wurde und heute im idyllischen Marloffstein in Mittelfranken wohnt, jung gebliebene 80 geworden.

In der AZ spricht die Film-Ikone über ihr Leben, das sie selbst nicht ganz glauben kann.

Elke Sommer war noch nie ein Geburtstagsmensch

AZ: Liebe Frau Sommer, ist der Champagner schon gekühlt?
ELKE SOMMER: Weißwein! Champagner mag ich nicht. Ich sag's Ihnen gleich: Ich freu mich überhaupt nicht auf meinen Geburtstag. Ich freu mich mehr, wenn er vorbei ist.

Ist es so schlimm?
Ich war noch nie ein Geburtstagsmensch. Eine riesige Party hätte ich auch ohne Corona nicht geschmissen. Ich hätte mit 20 Freunden gefeiert, dazu Live-Musik. Geht ja jetzt alles nicht. Also werde ich mit meinem Papabär (ihr zweiter Ehemann Wolf Walther, Anm. d. Red.) anstoßen. Wobei: Eigentlich ist das auch sehr schön.

Die 80 - was macht diese Zahl mit Ihnen? Sie stressen?
Eigentlich sind es nur zwei Ziffern, trotzdem denkt man darüber nach, klar. Es ist eigenartig: Manchmal fühle ich mich dreistellig, manchmal halbiert.

"Ich habe wegen Corona keine Angst um mich"

Wie fühlen Sie sich gerade?
Wie 79 und 99 Prozent drauf (lacht). Ich kann nicht klagen und will es nicht. Mir geht's gut, ich bin gesund, habe einen schönen Garten. Ich habe wegen Corona keine Angst um mich, eher um den Papabär und die gesamte Menschheit?

Inwiefern?
Ich glaube, dass nicht der jüngste Tag gekommen ist - sondern mit 2020 das jüngste Jahr. Es ist für viele hart und schwer. Für junge Menschen, eingesperrt in winzigen Wohnungen in der Stadt, die lieber raus ins Leben wollen. Für Ältere, die niemanden sehen können. Ich hab keine Panik, bin aber sehr vorsichtig. Ich tue, was mir gesagt wird. Ich war schon immer ein folgsamer Mensch, kann mich gut anpassen. Ob es eine Regieanweisung war oder eine Corona-Regel ist.

"Rollkommando": Elke Sommer dreht 1968 mit dem legendären Dean Martin († 1995).
"Rollkommando": Elke Sommer dreht 1968 mit dem legendären Dean Martin († 1995). © imago images/Ronald Grant

Richtig, dass ein Urlaub Ihr ganzes Leben verändert hat?
Wenn Sie es so auf den Punkt bringen wollen: ja.

Elke Sommer wurde nicht auf einer Misswahl entdeckt

Wären Sie mit Ihrer Mama nicht nach Italien gereist, hätte es keine Hollywood-Karriere gegeben. Wie empfinden Sie das, als Zufall oder Schicksal?
Ich bin ein Glückskind, auch wenn ich viele Dramen erlitten habe. Vielleicht war es Schicksal, ich weiß es nicht. Es ist ohne mein Zutun passiert, wie so vieles in meinem Leben. Ich war 18, wollte eine Fremdsprachenausbildung machen und bevor das Semester losging, meinte meine Mama, die extra gespart hatte, ich sollte einmal das Meer sehen. Mit dem Bus fuhren wir nach Viareggio. Die ganze Welt glaubt, ich sei dort auf einer Misswahl entdeckt worden, aber das stimmt nicht.

Ach, nein?
Niemals hätte ich freiwillig bei einer Misswahl mitgemacht. Das ist falsch überliefert.

Wie war es dann?
In einem kleinen Café von Marco, einem Medizinstudenten, waren Mama und ich gern. Da wurde getanzt - und alle drei Tage fand dort eine indirekte Misswahl statt, um den Tourismus anzukurbeln. Es wurden Fotos von mir gemacht, beim Tanzen im selbstgenähten Kleid, das bekam ich gar nicht mit. Irgendwie landeten diese Bilder bei Vittorio. . .

"Der Preis": Elke Sommer (gewinnt für ihre Rolle den Golden Globe) mit Paul Newman († 2008) 1963.
"Der Preis": Elke Sommer (gewinnt für ihre Rolle den Golden Globe) mit Paul Newman († 2008) 1963. © imago images/Everett Collection

. . . De Sica, dem weltberühmten Filmemacher.
Der schickte jemanden los, der alle Pensionen abklapperte - und schließlich an unsere Tür klopfte. Er sagte, ich sollte Probeaufnahmen in Rom machen und wollte, dass ich einen Vertrag unterschreibe. Da ich Latein in der Schule hatte, konnte ich etwas Italienisch herleiten und verstehen. Mein Vati war vier Jahre vorher gestorben, wir konnten das Geld gebrauchen. Ich unterschrieb, zack!, der Rest ist Geschichte.

"Heute laufen obskure Gestalten im Fernsehen herum"

Müssen Sie sich selbst manchmal kneifen?
Wenn mir jemand anderes mein Leben erzählen würde - ich würde es nicht glauben.

Wer war Ihr Lieblingsfilmpartner?
Hmm, da gab es viele. Heute laufen obskure Gestalten im Fernsehen herum, die sich Promis nennen. Früher gab es echte Stars wie Paul Newman, Glenn Ford und Dean Martin, alles tolle Männer. Besonders gern hatte ich "Pink Panther" Peter Sellers, ein enger Freund und großartiger Komödiant. Dazu seine Tragik, die es unbedingt braucht für tiefgreifenden Witz. Je klüger du bist, desto mehr leidest du ja auch - sogar im Lustigen. Ich war daher nie ein Fan der Schenkelklopfer-Witze à la Jerry Lewis, aber Peter und ich waren auf einer Wellenlänge.

Kollegen und Freunde: Sommer mit Komiker Peter Sellers ("Der rosarote Panther") 1964.
Kollegen und Freunde: Sommer mit Komiker Peter Sellers ("Der rosarote Panther") 1964. © imago/United Archives International

Jahrzehntelang wurden Sie als Sex-Symbol bezeichnet - wie sehr nervte Sie das?
Das Wort sexy ist zum Kotzen, sorry, aber ich muss das so deutlich sagen dürfen. Es ist unwürdig. Ich scheiß aufs Sex-Symbol, das ist einfach blöd, nichtssagend. Ist es sexy, wenn sich Frauen die Lippen aufpumpen lassen? Finde ich nicht, habe ich nie getan. Okay, ich bin ganz gut gebaut, habe meine Figur vom Vati geerbt, bis auf zwei, drei Stellen, aber für all das kann ich ja nichts. Erotisch finde ich ein besseres, respektvolleres Wort. Auch ein Mann kann erotisch sein. Aber die Menschen sind faul, sie wollen in Schubladen denken.

"Ein blonder Sommerwirbelwind", schreibenitalienische Medien über Elke von Schletz 1958,die deshalb den Nachnamen in Sommer ändert.
"Ein blonder Sommerwirbelwind", schreibenitalienische Medien über Elke von Schletz 1958,die deshalb den Nachnamen in Sommer ändert. © imago/ZUMA/Keystone

"Ich weiß, dass ich eine super Mutter gewesen wäre"

Sie erwähnten vorher die Dramen in Ihrem Leben. Wenn ich fragen darf: Möchten Sie über einen Tiefpunkt reden?
Das Schlimmste war die Fehlgeburt meiner Zwillinge im sechseinhalbten Monat. Am nächsten Tag musste ich eine Schwangere auf der Bühne spielen, die Leute haben sich totgelacht. Furchtbar. Ich weiß, dass ich eine super Mutter gewesen wäre, streng, aber liebevoll. Das schmerzt. Und meine erste Ehe war der Horror. Aber vielleicht sollte es so sein.

Zwei gebürtige Berliner mit Hollywood-Ruhm: Elke Sommer und Horst Buchholz († 2003) in "Das Totenschiff" 1959.
Zwei gebürtige Berliner mit Hollywood-Ruhm: Elke Sommer und Horst Buchholz († 2003) in "Das Totenschiff" 1959. © imago images/Everett Collection

Warum?
Ich bin ein treuer Mensch, wäre nie geflüchtet, wenn es nicht so schlimm gewesen wäre. Dann hätte ich nie meinen Papabär kennengelernt. Er ist mein Riesen-Glück, wir sind immer zusammen, ich liebe es. Ich habe nur Angst, dass wir irgendwann getrennt werden, weil einer früher gehen muss. Ich werde jetzt schon hysterisch, wenn er zur Bank fährt und sich mal verspätet. Wenn er anruft und sagt: "Babybabe, alles gut, ich bin gleich bei dir" - danke ich dem lieben Gott.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 2  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
2 Kommentare
Artikel kommentieren