Filmfest München mit Cannes-Sieger und vielen Stars eröffnet
München ist wieder im Filmfest-Fieber. Trotz hochsommerlicher Temperaturen, parallel laufendem Christopher Street Day und Fußball-WM strömten am Samstagabend rund 1.600 geladene Gäste in den Gasteig HP8, um die Eröffnung des 43. Filmfest München zu feiern. Der Andrang auf dem roten Teppich - in München traditionell "Isarcarpet" genannt - war entsprechend groß. Filmstars, Produzenten, Regisseure und Influencer trotzten der Hitze mit bemerkenswerter Gelassenheit. Festivaldirektor Christoph Gröner und die künstlerische Leiterin Julia Weigl nahmen es mit Humor: "Wir haben festgestellt, dass Ventilatoren quasi überall ausverkauft sind." Also habe man "für ganz viel Wasser und für ganz viel gute Laune" gesorgt - und sei am Morgen noch in die Isar gesprungen.
Cannes-Gewinner "Vaterland" als Eröffnungsfilm
Im Mittelpunkt des Abends stand die Deutschlandpremiere von "Vaterland". Regisseur Paweł Pawlikowski stellte seinen in Cannes gefeierten und für die Beste Regie ausgezeichneten Schwarz-Weiß-Film gemeinsam mit den Hauptdarstellern Sandra Hüller, Hanns Zischler und Devid Striesow persönlich vor. Gröner bezeichnete das Werk als "einen europäischen Film und zugleich einen ganz genauen, unbestechlichen Blick auf Deutschland" und als "absolut perfekten Eröffnungsfilm". Julia Weigl sprach von einem "Meisterwerk", das sie beide "vom ersten Moment an fasziniert" habe.
Pawlikowski zeigte sich sichtlich bewegt. "Es ist ein bisschen beängstigend, einen Film über Thomas Mann in Deutschland, in München zu zeigen", sagte er mit Blick auf die enge Verbindung der Stadt zur Familie Mann. "Aber es ist der richtige Ort dafür. Ich bin bereit, die Konsequenzen zu tragen", ergänzte er augenzwinkernd und erntete Lacher im Saal. Seine Einladung an das Publikum lautete dann auch: "Bitte keine Angst zu lachen, wenn es lustig ist."
Sandra Hüller machte ebenfalls deutlich, dass "Vaterland" keine klassische Filmbiografie sein wolle. Vielmehr gehe es bei ihrer Rolle Erika Mann um einen Ausschnitt ihres Lebens, "vor allem in Beziehung zu ihrem Vater und zu ihrem Land". Devid Striesow wiederum schilderte seine intensive Auseinandersetzung mit der historischen Figur Johannes R. Becher und dessen Aufbruchsstimmung nach dem Krieg.
Szenenapplaus für den neuen Bürgermeister
Der Abend war jedoch weit mehr als eine Filmpremiere. In ihren Reden setzten die Gastgeber und Ehrengäste deutliche kulturpolitische Akzente. Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause erinnerte daran, dass autoritäre Regime sich "nicht nur gegen politische Gegner richten, sondern gegen die Freiheit des Denkens, der Kultur, der Kunst". Diese Erkenntnis müsse Auftrag für die Gegenwart sein. Gleichzeitig warb er für Optimismus: "Es liegt an uns, dass das dann auch Realität wird." Für seine Worte erhielt Krause ebenso viel Applaus wie später das Filmteam von "Vaterland".
Staatsminister Dr. Florian Herrmann hob die Bedeutung des Films als Motor hervor: "Es gibt wenige Bereiche in Kunst und Kultur, die so innovativ sind wie der Film." Zugleich kündigte er selbstbewusst an, Bayern wolle den Filmstandort weiter stärken: "Berlin wird sich bald warm anziehen müssen", sagte er mit einem Gruß in Richtung Berlinale.
"Heimspiel", Premiere und ein Geburtstagskind
Auf dem roten Teppich dominierten dagegen leichtere Themen - allen voran die drückende Hitze. Lara Mandoki hatte ihr Outfit kurzfristig geändert: Das ursprünglich geplante Kleid sei "viel zu warm" gewesen. Gleichzeitig blickt sie voller Vorfreude auf die Premiere ihres Wettbewerbsfilms "Kalter Hund". Samuel Koch genoss sein erstes Filmfest als Münchner: "Ein Heimspiel", sagte er über die kurze Anfahrt. Besonders bewegend sprach der frischgebackene Vater über seine neue Lebensphase: Früher seien immer die Menschen um ihn herum die wichtigsten gewesen - "aber um ehrlich zu sein, sind meine Gefühle nicht mehr ganz meiner Meinung. Ich bin zwar gerne hier, aber ich wäre auch super gerne woanders", gab er zu.
Für Rap-Ikone Sabrina Setlur war es die Premiere auf dem Münchner Filmfest. Sie fiebert der Weltpremiere ihres Films "IDENTITTI" entgegen und sieht deutliche Unterschiede zwischen Musik- und Filmbranche: Während Musiker oft extrovertiert seien, dominiere unter Schauspielern eher das Understatement. "Ich gucke mir das noch ein bisschen länger an und dann sprechen wir noch mal", sagte sie lachend. Auch die Hitze nahm sie ihn ihrem knallgrünen Hingucker-Outfit gelassen: "Egal was du heute anhast, es ist zu viel."
Lilly Krug freute sich auf den Thomas-Mann-Film und verriet, sie habe sich vor dem roten Teppich noch im Eisbach abgekühlt. Adnan Maral bekannte, dass ihn die Hängematte und ein Bad am Ammersee fast vom Kommen abgehalten hätten - "aber klar, ich freue mich auf den Film und die Menschen".
Für Nachwuchsschauspielerin Emma Preisendanz, die sich bereits mit "Tatort: In der Familie" (2020) und "Polizeiruf 110: Jenseits des Rechts" (2024) einen Namen machte, ist es ein besonderer Tag. "Also ehrlicherweise war es ein bisschen hektisch für mich, weil ich am 27. Juni Geburtstag habe, also heute", erzählte die 24-Jährige. Trotzdem freute sie sich auf das Wiedersehen mit Kolleginnen und Kollegen: "Das Filmfest bringt immer alle zusammen." In ihrem eher warmen Dior-Outfit hielt sie es wie Cathy Hummels. Auch sie tauschte den geplanten fliederfarbenem Hosenanzug von Marc Cain nicht aus. "Augen zu und durch. Ich freue mich auf die Dusche später."
Opening-Party unter monumentaler Discokugel
Mit Martin Kohlstedts eindringlicher Live-Musik, einer hochkarätigen Gästeliste und einem Eröffnungsfilm, der historische Fragen mit aktueller Relevanz verbindet, setzte das Filmfest München gleich zum Auftakt ein starkes Zeichen. Oder, wie Christoph Gröner und Julia Weigl es formulierten: Das Festival versteht sich als "Festival der Entdeckung" - und für jeden Kino- und Filmgeschmack sei etwas dabei.
Im Anschluss an den offiziellen Teil, wurden die Gäste, darunter Veronika Ferres, Maria Furtwängler, Katharina Thalbach, Produzent Oliver Berben, Sunnyi Melles, "Tatort"-Kultstar Udo Wachtveitl, die neue "Tatort"- Ermittlerin Karoline Schuch, Hannes Jaenicke, Regisseurin Doris Dörrie, "Tatort"-Star Ferdinand Hofer, Brigitte Hobmeier, Daniel Christensen, Eva Karl Faltermeier, Margarita Broich, Vladimir Burlakov, Kai Schumann, Ken Duken, Marie Nasemann oder Influencerin Stefanie Giesinger in die Partynacht unter einer monumentalen Discokugel entlassen.
Das Filmfest München findet von 26. Juni bis 5. Juli an unterschiedlichen Orten in der Stadt statt.
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