Festival-Absage für Alphaville: "Verhalten ist inakzeptabel"

Um einen Auftritt der Band Alphaville beim Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring ist ein bitterer Streit entbrannt. Wie Sänger Marian Gold in den sozialen Medien öffentlich mitteilt, dürfen er und seine Kollegen nicht dabei sein. Was ist passiert und wie erklären die Veranstalter die Absage?
Kein Auftritt auf dem Glücksgefühle-Festival: Alphaville reagiert wütend
Alphaville ist sauer. Laut Frontmann Marian Gold sei die Band von dem gecancelten Auftritt komplett überrascht worden. "Und dies mit einer Begründung, die uns einigermaßen fassungslos gemacht hat", schreibt der 72-Jährige in seinem Statement. Hintergrund sei ihm zufolge, dass der Veranstalter politische Äußerungen jeglicher Art auf der Bühne untersagt habe. Aus dem Schreiben der Verantwortlichen zitiert der Sänger, dass "wir [Glücksgefühle-Festival, d.R.] keine politischen Themen und Äußerungen jeglicher Art auf unserer Bühne dulden".
Sänger Marian Gold sieht Kunst- und Redefreiheit gefährdet
Der Ärger bei Alphaville ist hoch und die Band spricht von einem "Maulkorberlass". Die Einschränkung der Kunstfreiheit vergleicht Marian Gold dabei mit dem Vorgehen in einer Diktatur. "Dass eine derartige Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit nun auf einem der größten Popfestivals Deutschlands angekommen zu sein scheint, empfinden wir als absolut untragbar und erschütternd."
Die AZ hat den Veranstalter des Glücksgefühle-Festivals, die Markus Krampe Entertainment Group, kontaktiert und um eine Erklärung gebeten. Die Verantwortlichen haben mit einem Statement reagiert, welches wir auf Bitten des Veranstalters vollständig und ungekürzt wiedergeben.
Statement von Glücksgefühle-Festival: So erklären die Veranstalter die Alphaville-Absage
Hier lesen Sie die Begründung der Glücksgefühle-Festival-Veranstalter zur Absage von Alphaville:
"Das Verhalten von Alphaville und Marian Gold ist inakzeptabel. Wir lassen uns nicht in irgendeine politische Ecke drängen und werden uns hier mit allen Mitteln wehren. Unsere Bühne ist keine Plattform für politische Äußerungen. Das GLÜCKSGEFÜHLE Festival ist komplett unpolitisch – und das gilt unabhängig davon, in welche politische Richtung eine Äußerung geht: für rechts, für links oder für jede andere politische Richtung. Unsere Bühne soll der Musik gehören – nicht politischen Auseinandersetzungen.
Wir hatten Alphaville in diesem Jahr bereits bei zwei anderen Veranstaltungen zu Gast. Bei der ersten Veranstaltung kam es vonseiten der Band zu zahlreichen politischen Äußerungen von der Bühne. Deshalb haben wir im Vorfeld des zweiten Auftritts sehr deutlich kommuniziert, dass wir dies bei unseren Veranstaltungen nicht möchten. Bei diesem zweiten Auftritt wurde diese Vorgabe dann auch eingehalten.
Vor dem GLÜCKSGEFÜHLE Festival haben wir deshalb noch einmal ausdrücklich daran erinnert und unseren Standpunkt klar kommuniziert. Uns geht es dabei ausdrücklich nicht um die politische Haltung von Marian Gold oder Alphaville und auch nicht darum, jemandem seine persönliche Meinung abzusprechen. Es geht ausschließlich darum, welchen Rahmen wir als Veranstalter für unsere Veranstaltungen und unsere Bühnen setzen.
Selbstverständlich wissen wir, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland ein hohes Gut ist, und wir respektieren und schützen dieses Recht. Gleichzeitig haben auch wir als Veranstalter das Recht, den Rahmen für unsere Veranstaltungen festzulegen.
Wir möchten den Menschen ein Wochenende ermöglichen, an dem sie den Alltag hinter sich lassen, abschalten und einfach eine gute Zeit haben können. Genau dafür steht das GLÜCKSGEFÜHLE Festival: Musik, Freude und ein gemeinsames Festivalerlebnis. Wir möchten die Menschen für drei Tage in eine andere Welt entführen – mit Musik, Freude und gemeinsamen Erlebnissen.
Genau deshalb haben wir darum gebeten, politische Äußerungen auf unserer Bühne zu unterlassen. Darauf konnten wir uns mit Alphaville letztlich nicht einigen, weshalb es nicht zu einem Auftritt gekommen ist.
Unsere Haltung bleibt klar: das GLÜCKSGEFÜHLE Festival ist und bleibt unpolitisch."
Alphaville: "Wir werden uns weiterhin für Freiheit, Toleranz und Demokratie einsetzen"
Für Alphaville scheint diese Haltung in den aktuell stürmischen Zeiten inakzeptabel zu sein. Bei Auftritten positioniert sich die Band gegen rechts und betont in dem Statement zur Absage: "Wir werden uns weiterhin für Freiheit, Toleranz und Demokratie in unserem Land einsetzen, gerade in diesen Zeiten, wo so viel auf dem Spiel steht."