Felix Neureuther ist sauer: "Druck auf die Politik ausüben"

Felix Neureuther (42) hat sich mit Miriam Neureuther (35) den Traum von der eigenen Familie erfüllt. Zusammen zieht das Sportler-Paar zwei Töchter und zwei Söhne groß. Ihre Liebe für körperliche Betätigung möchten sie an ihren Nachwuchs weitergeben. Doch nicht für jedes Kind in Deutschland ist der Zugang zu Sport selbstverständlich – und das möchte Felix Neureuther dringend ändern.
Felix Neureuther über wilde Kinder: "Das normalste überhaupt"
"Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang", stellt Felix Neureuther im Gespräch mit "SWR Aktuell Radio" klar. "Dass nicht jedes Kind gleich ruhig sitzt oder dass es halt mal lauter wird, ist doch das normalste überhaupt." Der Familienvater räumt ein, im Restaurant auch mal schief angeschaut zu werden, wenn seine Kids Vollgas geben: "Aber es ist noch immer besser, wenn es laut wird, als wenn die Kinder mit dem iPad vor der Nase am Tisch sitzen und ihnen das Essen mit der Gabel in den Mund reingeführt wird."
In einer Unicef-Vergleichsstudie zum Wohlbefinden von Kindern liegt Deutschland nur auf Platz 25 – kein zufriedenstellendes Ergebnis bei 37 bewerteten Ländern, wie auch Felix Neureuther findet: "Das hat uns ehrlich gesagt in unserem Tun eigentlich nur bestätigt." Denn der Vierfachpapa hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Bildungssystem und die allgemeine Freundlichkeit gegenüber Kindern in Deutschland wieder zu stärken. "Betreten verboten"-Schilder an Sportstätten gehören für ihn abgeschafft: "Dass die Kinder auch Möglichkeiten haben, wirklich zu spielen. Und da wird's dann halt auch mal laut."

"Druck auf die Politik": Felix Neureuther mit klarer Mission
Für Felix Neureuther sei es wichtig, dass auch Kinder aus einkommensschwächeren Familien Zugang zu Sportvereinen erhalten: "Dass sie trotzdem die gleichen Chancen haben wie die anderen. Dass sie auch ihren Weg gehen können und dann erfolgreich in etwas sein können." Denn die Weltgesundheitsorganisation warnt davor, dass sich 80 Prozent der Kinder in Deutschland zu wenig bewegen würden. "Also ohne Bewegung, kein gesundes Leben", meint Neureuther angesichts dieser Statistik.
Frühe körperliche und kreative Betätigung habe auch für das Erwachsenenalter nachhaltige Konsequenzen, weiß der ARD-Experte. Sport, Musik und Kunst kämen für den Vierfachpapa im Bildungssystem viel zu kurz und müssten wieder mehr Bedeutung erlangen. "Genau das müssen wir definitiv fördern: nicht nur für die körperliche Gesundheit der Kinder, sondern auch für die geistige." Zudem warnt er vor den Gefahren der medialen Welt: Kinder sollten noch nicht mit Social Media oder künstlicher Intelligenz überfordert werden, so Neureuther.

Vielmehr solle es wieder attraktiver werden, dass sich die jüngere Generation ordentlich austoben kann. Der 42-Jährige appelliert daher an die Zuhörer, "Betreten verboten"-Schilder vor Sportstätten abzufotografieren: "Schickt uns das, dass wir es mit der Aktion schaffen können, die Sportstätten zu öffnen und den Kindern die Möglichkeiten zu bieten. Und dann hoffe ich, dass wir da sehr viel bewegen können und auch Druck auf die Politik ausüben können, dass endlich mal was passiert."