Feine Blende, gewaltige Ausdauer: Das iPhone 18 Pro Max ausprobiert

Seit dem 18. September sind das iPhone 18 Pro und das Pro Max im Handel. Technisch trennt die beiden Modellvarianten allein das Format und die Ausdauer: Das Pro Max bietet ein OLED-Display mit 6,9 statt 6,3 Zoll und hat mit 5.391 statt 4.056 mAh den deutlich größeren Akku. Und das spürt man - nicht nur bei der gestiegenen Nutzungsdauer. Chip und Kamerasystem sind indes identisch.
Design: Bewährtes Gehäuse, neue Farben
Rein äußerlich hat sich gegenüber dem Vorjahr fast nichts getan: Aluminium-Unibody und breites Kameraplateau prägen die Optik. Die Maße sind ebenfalls gleich geblieben, die Hüllen des 17 Pro (Max) passen also weiterhin. Beide Modelle sind allerdings merklich schwerer geworden: Das Pro Max bringt nun 249 Gramm auf die Waage, was sich bei längerem einhändigem Tippen deutlich bemerkbar macht. Beim Pro sind es immerhin noch 211 Gramm.
Neu sind die Farben: Das tiefe Schwarz löst das Anthrazit früherer Jahre ab, zeigt auf der matten Oberfläche aber leicht Fingerspuren. Das Burgunder wirkt wiederum je nach Licht sehr unterschiedlich - ein Blick auf das echte Gerät vor dem Kauf lohnt sich also. Das Knall-Orange des Pro 17 musste einem metallischen Hellblau weichen. Und das Silber könnte man wohlwollend als puristisch bezeichnen ...
Während die Front ein laut Apple nahezu unverwüstliches Ceramic Shield 2 ziert und Schutzfolien obsolet machen soll, ist die Rückseite ist nur mit einem Ceramic Shield der ersten Generation geschützt. Wer also Wert auf ein makelloses Gehäuse legt, sollte eine Hülle einplanen.
Display: Kleinere Insel, mehr Übersicht
Die wichtigste Display-Neuerung sitzt im Grunde darunter: Die Infrarotkamera für Face ID steckt jetzt hinter dem Panel. Über ihr ist die Pixeldichte reduziert, damit genug Licht durchkommt. Die verbleibenden Pixel leuchten zum Ausgleich heller. Mit bloßem Auge ist davon nichts zu erkennen. Face ID arbeitet so schnell und zuverlässig wie zuvor, auch wenn vereinzelt über eine langsamere Erkennung bei schlechten Lichtverhältnissen berichtet wird. Im Test zeigten sich derlei Verzögerungen nicht. Ebenfalls neu: Die Dynamic Island schrumpft um etwa ein Viertel.
Im Alltag bringt das mehr Platz in der Statusleiste: Drei statt zwei Live-Aktivitäten lassen sich parallel anzeigen, etwa Navigation, Timer und Lieferstatus.
Kamera: Die Sache mit der Haaresbreite und was die variable Blende wirklich leistet
Das Kamerasystem auf der Geräterückseite besteht weiter aus drei 48-Megapixel-Modulen: Ultraweitwinkel, Haupt- und Telekamera mit vierfacher optischer Vergrößerung. Die zentrale Hardware-Premiere betrifft die Hauptkamera, die als erstes iPhone-Objektiv nun eine variable Irisblende besitzt, deren Material so dünn wie ein menschliches Haar sein soll. Sie kennt vier feste Positionen zwischen f/1.48 und f/4.0, Zwischenwerte gibt es nicht. Die beiden anderen Kameras arbeiten weiterhin mit fixer Öffnung.
Wer auf Anhieb sichtbar bessere Fotos erwartet, wird zunächst enttäuscht. Im Automatikmodus beginnt die Kamera bei f/1.78, einem Wert, der der fixen Blende des 17 Pro Max praktisch entspricht. Entsprechend sind die Unterschiede marginal.
Ihren Wert zeigt die Blende eher im Hintergrund: Bei einem einzelnen Motiv öffnet die Automatik weit und lässt den Hintergrund verschwimmen, bei mehreren Personen in unterschiedlichem Abstand blendet sie ab, damit alle Gesichter scharf werden. Das beseitigt ein bekanntes Ärgernis bei Gruppenfotos, ohne dass man etwas einstellen muss. Für Porträts mit weichem Hintergrund ist zudem nicht mehr zwingend der Porträtmodus nötig, dessen mithilfe der Sofware berechnete Unschärfe mitunter auch Bildfehler erzeugte. Am deutlichsten zeigt sich der Effekt bei Aufnahmen in der Dunkelheit. Mit f/4.0 erhalten Lampen und Scheinwerfer strahlenförmige Lichtzacken, bei voll geöffneter Blende bleiben sie rund.
Erwähnenswert sind Bedenken, die "iFixit" nach einem Teardown äußerte: Demnach ist die Mechanik der Blende so fein gebaut, dass schon ein einzelnes Partikel die Lamellen festsetzen könnte. Im Schadensfall stünde dann wohl der Tausch des gesamten Kameramoduls an, mit entsprechenden Kosten. Ob sich diese Sorge in der Praxis bestätigt, lässt sich wenige Wochen nach Marktstart noch nicht beurteilen.
Mindestens so wichtig wie die Hardware ist die überarbeitete Software. Für viele Nutzer dürfte die neue Kamera-App mehr bringen als die Blende selbst. Unter "Pro Controls" lassen sich Blende, Belichtungszeit und Weißabgleich erstmals direkt in Apples eigener App manuell regeln - auch beim Filmen. Die Bedienung ist durchdacht: Bis zu acht Regler können als Schnellzugriff am oberen Bildrand liegen, ein Tipp genügt, um einen Wert anzupassen oder die Automatik zurückzuholen. Die freie Wahl der Belichtungszeit bleibt dem 18 Pro vorbehalten, am 17 Pro Max fehlt diese Option.
Konkret heißt das: Lichtspuren vorbeifahrender Autos oder weich fließendes Wasser gelingen jetzt ohne Drittanbieter-App wie Blackmagic Cam. Hautglättung und künstliche Körnung können nun ebenfalls problemlos durchgeführt werden. Wer an Einstellungen kein Interesse hat, bekommt davon nichts mit und fotografiert wie gewohnt.
Ebenfalls stimmiger wirken Tele- und Selfie-Aufnahmen - wohl ebenfalls dank der überarbeiteten Bildverarbeitung. Die Frontkamera selbst behält ihren quadratischen 18-MP-Sensor, der Selfies im Hoch- und Querformat erlaubt, ohne das Gerät zu drehen.
Leistung: A20 Pro und größere Dampfkammer
Der im iPhone 18 Pro verbaute A20 Pro ist Apples erster Smartphone-Chip aus der 2-Nanometer-Fertigung und setzt sich in Benchmarks an die Spitze. Im Geekbench 6 erreicht das Pro Max rund 4.700 Punkte im Einkern- und etwa 12.500 bis 12.800 im Mehrkerntest. Das ist ein Plus von gut 20 bis knapp 30 Prozent gegenüber dem Vorgänger. Bei der Grafik liegt der Zuwachs in Benchmarks bei etwa 45 Prozent.
Im Alltag ist das allerdings kaum spürbar, weil schon der Vorgänger nie an Grenzen stieß. Relevant wird die Leistung allenfalls bei Spielen, Videoschnitt und KI-Funktionen: Viele Fotobearbeitungen unter iOS 27 laufen lokal auf dem Gerät und entsprechend zügig. Dazu kommt die überarbeitete Kühlung mit größerer Dampfkammer, die die Anfangsleistung deutlich länger und stabiler hält - und laut Apple von den Chips der M-Serie abgeleitet ist. Der Effekt: Die Geräte werden bei Volllast nicht punktuell heiß, sondern nahezu über die gesamte Fläche nur etwas wärmer.
Ein Wermutstropfen betrifft Nutzer in Deutschland: Die neue Siri AI ist auf iPhones in der EU zum Start nicht verfügbar. Sie läuft bislang nur als englischsprachige Beta, für Deutsch gibt es keinen Termin. Gleiches gilt für die Funktion "Referenzbild", die vor Bildmanipulationen schützen soll. Andere Apple-Intelligence-Funktionen sind dagegen nutzbar.
Akku und Laden: Der größte Fortschritt
Das Pro Max ist das ausdauerndste iPhone bisher. Apple nennt bis zu 43 Stunden Videowiedergabe, sechs mehr als beim Vorgänger. Im Surf-Dauertest kommt das Gerät auf rund 18,5 Stunden. Im Alltag schafft es auch lange Tage mit Reserve, zwei volle Tage bei durchschnittlicher Nutzung aber nicht.
Beim kleinen Pro wächst die Kapazität nur minimal. Trotzdem hält es länger durch, weil Chip und Modem sparsamer arbeiten; Apple gibt 34 statt 31 Stunden Videowiedergabe an.
Auch beim Laden hat Apple nachgelegt. Mit geeignetem Netzteil ab 60 Watt zieht das Pro Max in der Spitze rund 50 Watt. Nach 15 Minuten sind rund 42 bis 50 Prozent erreicht, voll ist der Akku nach etwa 55 Minuten. Das ist fast eine halbe Stunde schneller als beim Vorgänger. Wer tagsüber zwischendurch nachlädt, profitiert davon spürbar, wer nachts sein iPhone ansteckt, merkt kaum einen Unterschied.
Preise: Teurer als je zuvor
Steigende Speicher- und Chippreise treiben weltweit die Kosten für neue Hardware. Das iPhone 18 Pro mit 256 Gigabyte Speicher startet deshalb bei 1.449 Euro, das Pro Max bei 1.599 Euro. Am anderen Ende der Preisspanne schlägt die 2-TB-Version des Pro Max mit unfassbaren 3.099 Euro zu Buche. Auch wenn Apple auch für die anderen verfügbaren Modelle die Preise angehoben hat: Das 17 Pro ist im Handel inzwischen rund 300 Euro günstiger zu haben. Das "normale" iPhone 18 kommt wohl erst im Frühjahr 2027 auf den Markt.
Fazit
Das iPhone 18 Pro Max ist das beste iPhone, das Apple derzeit anbietet, und zählt zu den besten Smartphones überhaupt. Sein größter Trumpf ist nicht die viel beworbene Blende, sondern die Kombination aus Ausdauer, schnellerem Laden und stabiler Dauerleistung. Die Blende hilft vor allem nachts und bei Gruppenfotos. Wer gern selbst Hand anlegt, findet mit den neuen manuellen Einstellungen echte kreative Freiheit. Auch bei Videos, die sich nun nachträglich mit dem "Kino"-Look versehen lassen. Obendrein sind nun Reaktionsvideos möglich, bei denen Front- und Hauptkamera gleichzeitig aufzeichnen.
Für Besitzer eines 17 Pro lohnt der Wechsel nur bedingt. Wer ein 14 Pro oder älter nutzt, bekommt dagegen ein spürbar besseres Gesamtpaket. Die Wahl zwischen Pro und Pro Max hängt an Handlichkeit und Ausdauer: Die Kamera ist identisch, Akku und Dauerleistung sprechen klar für das große Modell. Das hohe Gewicht zerrt jedoch spürbar am Handgelenk.