Es ist mal wieder was faul im Staate Dänemark

Der "Dänemark-Krimi: Das Mädchen im Kirchturm" (Regie: Florian Schott, Buch: Timo Berndt), am Donnerstag erneut zu sehen, ist der dritte Einsatz für Ida Sörensen (Marlene Morreis) und Magnus Vinter (Nicki von Tempelhoff). Respektable 5,25 Millionen Menschen sahen bei der Erstausstrahlung im Oktober 2024 zu, bei Film vier, "Die Tote in den Dünen", vergangenen März sogar 6,50 Millionen.
Was beim "Dänemark-Krimi" wie bei den meisten nördlich verankerten Reihen des "DonnerstagsKrimi im Ersten" auffällt: Dänemarks älteste Stadt Ribe und ihre Umgebung werden nicht in sommerlich-kitschigen Postkartenmotiven eingefangen, die zum nächsten Dänemark-Urlaub anregen. Im Gegenteil, die Bildsprache und die dazu passende atmosphärische Musik sind zum Großteil so düster und deprimierend, wie es sich für ein Skandi-noir-Krimidrama gehört.
Kannten sich Jäger und Gejagte?
Eine junge Frau flüchtet nachts vor einem Verfolger panisch in den Dom von Ribe. Die Streifenpolizisten Ida Sörensen hört Hilferufe und eilt mit ihrer jungen Kollegin Emma (Zoë Valks) hinterher. Hoch oben im Turm ist Bente Bruun (Franziska Brandmeier) mittlerweile in der Gewalt von Finn Eriksson (Elmo Anton Stratz). Wenige Momente später ist nicht nur Finn tot - erschossen von Emma -, sondern auch Bente, die daraufhin in die Tiefe stürzte. Für die hinzugezogene Kommissarin Frieda Olsen (Katharina Heyer) ist der Fall klar und damit erledigt: "Schusswaffengebrauch im Dienst", um eine Vergewaltigung zu verhindern.
Doch Ida wäre nicht Ida, wenn sie nicht das Gefühl hätte, dass an der Sache etwas faul ist. Finn hatte Bente im Dom zugerufen: "Versteck dich nur, am Ende finde ich dich immer!" Die beiden kannten sich also, doch warum verfolgte er sie? Und so beginnt die Streifenpolizistin einmal mehr, heimlich Ermittlungen anzustellen, zum Leidwesen ihres Partners Magnus, der ihr natürlich dennoch zur Hilfe kommt. "Er versteht sich als Teamplayer. Es muss nicht immer Regelkonform sein, doch 'gemeinsame' Alleingänge sind ihm lieber", erklärt Schauspieler Nicki von Tempelhoff.
Starke Momente im Drama
Ida findet nicht nur heraus, dass Bente regelmäßigen Kontakt zur Drogentherapeutin Frederike Toft (Lina Hoppe) und deren Suchthilfegruppe hatte, sondern auch, dass sie im Altenheim von Laerke (Therese Hämer) und Owe Bundgaard (Alexander Hörbe) ein Praktikum machte, das sie vor zwei Wochen abbrach. Warum wollte Bente, die aus Kopenhagen kommt, ausgerechnet im kleinen Ribe dieses Praktikum machen? Idas Suche konzentriert sich bald auf Bentes verschwundenes Notebook. Hinter diesem sind auch Konrad Gram (Tobias Oertel), zwielichtiger Chef einer Cateringfirma, und sein Gehilfe Viggo (Lukas Zumbrock) - Finns Bruder - her. Sie scheinen irgendwelche unlauteren Geschäfte mit Laerke Bundgaard, der Heimleiterin, laufen zu haben. Und offensichtlich wollte Bente das öffentlich machen ...
Leider ist das Ganze nicht sonderlich aufregend erzählt und inszeniert, erst am Ende kommt kurzzeitig echte Spannung auf - und es gibt eine Enthüllung, mit der wohl kaum einer gerechnet haben dürfte. Skandinavien-Krimis sind immer auch menschliches Drama. Und hier liegen auch diesmal die stärksten Momente des Films. Ida etwa leidet nach dem Tod ihres ehemaligen Lebensgefährten Jannik unter Trauer und Schuldgefühlen. Trotz ihres eigenen Ballastes versucht sie, ihrer jungen Kollegin Emma eine Stütze zu sein, die nach dem tödlichen Schuss selbst von ihrer Schuld geplagt wird und zudem in schwierigen privaten Verhältnissen lebt.
Ein fünfter "Dänemark-Krimi" ist bereits in Produktion, wann er zu sehen sein wird, ist nicht bekannt.
"Der Dänemark-Krimi: Das Mädchen im Kirchturm" - Do. 01.10. - ARD: 20.15 Uhr