"Erst die Kultur, dann die Arbeit"

Insolvenzberaterin Lissi (Morgane Ferru) soll in der Bretagne eine Austernzucht auf Vordermann bringen. Doch die Mitarbeiter der Firma misstrauen ihr im ARD-Freitagsfilm "Liebe braucht Meer" von Anfang an. Nur der sympathische Alain (David Vormweg) scheint ihr wohlgesonnen zu sein.
von  Friederike Hilz
Lissi (Morgane Ferru, links) und ihre Mutter Silvia (Maragarita Broich) sollen in der Hafenstadt Cancale eine Austernzucht auf Vordermann bringen.
Lissi (Morgane Ferru, links) und ihre Mutter Silvia (Maragarita Broich) sollen in der Hafenstadt Cancale eine Austernzucht auf Vordermann bringen. © ARD Degeto Film/Bantry Bay Productions GmbH/Christine Tamalet

Schroffe Felsklippen, Strände, grüne Hügel und Felder und den Atlantik direkt vor der Haustür: Das Hafenstädtchen Cancale in der Bretagne und seine Umgebung könnten glatt auf einer Postkarte zu sehen sein. Doch die Insolvenzberaterin Elisabeth "Lissi" Strack (Morgane Ferru) bleibt keine Zeit, den Anblick zu genießen. Schließlich ist sie mit ihrer taffen Mutter Silvia (Margarita Broich) hier, um eine ansässige Austernzucht für ihren Auftraggeber entweder zu sanieren oder abzuwickeln. Das stellt sich in der romantischen Komödie "Liebe braucht Meer" (bereits ab Donnerstag, 27. August, in der Mediathek zu sehen), die die ARD nun erstmals zeigt, jedoch bald als eine schwierigere Aufgabe als gedacht heraus.

Schon die Anreise in den Nordwesten Frankreichs gestaltet sich schwierig: Nachdem ein äußerst mürrischer Busfahrer Mutter und Tochter abgesetzt hat, wird Silvia von Alain (David Vormweg) angefahren. Für die strenge Frau geht es verletzt direkt zurück nach Deutschland, während die gutmütige und empathische Lissi in Cancale bleibt. Insgeheim ist sie darüber sogar froh: Endlich kann sie sich ohne ihre Mutter in ihrem Beruf beweisen.

Lissi versucht auf ungewöhnliche Art und Weise, Investoren für die Firma zu begeistern. Die Mitarbeiter der Austernzucht sind jedoch trotz ihrer guten Absichten alles andere als kooperativ, muss sie dabei schnell feststellen. Besonders Betriebsrat Victor (Filip Peeters) - "Was soll die denn von unserer Arbeit verstehen?" - und die Büroleiterin Marianne (Susi Stach) würden Lissi am liebsten direkt wieder loswerden. Alain, Victors Neffe, ist hingegen offensichtlich angetan von der Deutschen und hilft ihr, sich zurechtzufinden. Schnell kommen sich die beiden näher. Aber meint er es wirklich ernst oder will er Lissi womöglich nur ausnutzen?

Malerische Landschaften und viele Austern

Drehbuchautorin Birgit Maiwald adaptierte für den ARD-Degeto-Film die Ideen und Motive des Romans "Mittwochs am Meer" (2021) von Alexander Oetker und spielt dabei immer wieder mit deutsch-französischen Gegensätzen und Klischees, was die etwas langatmige Geschichte auflockert: Während Lissi sich direkt an die Arbeit machen will, lassen die Franzosen fürs Tanzen schon mal einen halben Tag die Austern liegen. "'Erst die Kultur, dann die Arbeit', sagen wir in Frankreich", erklärt Marianne entschieden.

Susi Stach und Filip Peeters als das etwas mürrische und eigenwillige Duo an der Spitze der Austernzucht sind ein Highlight der Komödie. Auch Morgane Ferru und David Vormweg überzeugen als Lissi und Alain. Die Liebesgeschichte der beiden leidet allerdings darunter, dass zwischen Ferru und Vormweg der romantische Funke nicht so recht überspringen will.

Die Regie übernahm Christine Rogoll, die für ihre Inszenierung die malerische Kulisse der Bretagne voll ausnutzt und dem Publikum - wie es Lissi im Film selbst tut - die Arbeit in und um eine Austernzucht näherbringt. Und wer es noch nicht weiß, der lernt von "Liebe braucht Meer" auch noch, wie man die Muscheln richtig öffnet und isst.

Liebe braucht Meer - Fr. 28.08. - ARD: 20.15 Uhr

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.