Emmy Rossum: "Ich renne bewusst auf Rollen zu, die mir Angst machen"

Heldinnen interessieren sie längst nicht mehr. Emmy Rossum verrät, warum sie heute ganz bewusst Figuren sucht, die sie zunächst sogar abschrecken - und weshalb genau das sie als Mensch wachsen lässt.
von  Rachel Kasuch
"Ich interessiere mich für moralische Grauzonen", sagt Schauspielerin Emmy Rossum.
"Ich interessiere mich für moralische Grauzonen", sagt Schauspielerin Emmy Rossum. © 2025 Getty Images/Dominik Bindl

Jahrelang wurde Emmy Rossum vor allem mit Figuren in Verbindung gebracht, die das Publikum schnell ins Herz schloss. Heute reizt die Schauspielerin, die 2004 mit "The Day After Tomorrow" und "Das Phantom der Oper" bekannt wurde, genau das Gegenteil.

"Ich interessiere mich für moralische Grauzonen", erzählt Rossum gegenüber teleschau. Frauen, die nicht einfach gut oder böse seien. Figuren, die Fehler machen, widersprüchlich handeln und das Publikum herausfordern. "Wenn ich eine Rolle lese und sie in mir zunächst Urteil, Verwirrung oder sogar Scham auslöst, dann will ich sie spielen." Denn genau dort beginne für sie die eigentliche Arbeit als Schauspielerin.

Ab sofort ist Emmy Rossum in der Thriller-Serie "Furious" auf Hulu sowie über Disney+ (im Bundle) zu sehen. Darin spielt sie FBI-Ermittlerin Alice Black, die auf der Jagd nach einer Serienmörderin immer stärker an ihre eigenen Grenzen gerät.

"Ich bin eigentlich ein Mensch, der alles fühlt"

Rossum glaubt, dass gutes Schauspiel nur funktioniert, wenn man bereit ist, sich selbst zu hinterfragen. Jede neue Figur zwinge sie dazu, ihre eigene Sicht auf Menschen neu zu überdenken. "Dann merke ich, dass ich etwas über mich selbst, über Mitgefühl und auch über unsere Gesellschaft lernen kann", sagt sie im Gespräch. Gerade Frauen würden noch immer viel zu schnell in Kategorien wie "gut" oder "böse" eingeordnet. "Mich interessiert vielmehr das Chaos dazwischen - die menschliche Komplexität."

Auch Alice Black sei keine klassische Heldin. Die Ermittlerin trägt tiefe Wunden in sich und funktioniert oft nur, weil sie ihre eigenen Gefühle verdrängt. Für Rossum war genau das die größte Herausforderung. "Ich bin eigentlich ein Mensch, der alles fühlt", erzählt sie. "Der Wind könnte wehen und ich würde sofort jede Emotion spüren." Um Alice glaubwürdig zu spielen, habe sie lernen müssen, genau diese Gefühle zurückzunehmen und sich in eine Frau hineinzuversetzen, die sich selbst schützt, indem sie Emotionen kaum noch zulässt.

Trotz der düsteren Geschichte sieht Rossum ihre Aufgabe nie darin, Figuren zu verurteilen. Im Gegenteil. Als Schauspielerin müsse sie jeder Rolle mit Empathie begegnen - egal, wie dunkel sie sei. "Geschichten sind dann am stärksten, wenn sie etwas in uns auslösen", sagt sie. "Wenn sie uns zwingen, Menschen und vielleicht sogar uns selbst mit anderen Augen zu sehen."

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