Elena Uhlig wagt Business-Neustart mit über 50: "Ich muss nicht Elon Musk werden"
"Ich möchte Menschen ermutigen, Farbe zu tragen und sich etwas zu trauen", sagt Elena Uhlig, als die Abendzeitung sie in ihrem Münchner Unternehmen besucht. Über einen schicken Hinterhof mitten im Stadtteil Lehel gelangt man in das Modereich der beliebten Schauspielerin. Warum hat sie mit über 50 Jahren einen Neustart gewagt? Was ist das Besondere an ihrer Kleidung und wie nachhaltig wird dort gearbeitet? Mit der AZ hat das Multitalent darüber gesprochen.
Elena Uhlig will mit Mode-Unternehmen durchstarten
Schauspielerin, Entertainerin, Autorin und Social-Media-Star – Elena Uhlig lässt sich beruflich nicht in eine Schublade stecken. Mit ihrem Onlineshop "fra)uu(hlig" will sie nun vor allem Frauen zu einem bunteren Alltag verhelfen. "Ich habe Mode schon immer geliebt", schwärmt die 51-Jährige. Doch dabei entdeckte sie schnell ein großes Problem: "Mit der Zeit störte mich, dass die modische Auswahl für Frauen ab einer bestimmten Konfektionsgröße schnell begrenzt ist. Oft gibt es nur noch Schwarz und Grau oder Kleidung, die eher verhüllen soll. Ich wollte Mode machen, in der man sich wohlfühlt – und die nicht so tut, als müsste man seinen Körper verstecken."
"Breites Spektrum": Hier werden Konfektionsgrößen passend gemacht
Marktüblichen Konfektionsgrößen hat Elena Uhlig den Kampf angesagt. "Bei mir gibt es nicht die klassischen Größeneinteilungen von XS bis XL", betont die Schauspielerin im Gespräch mit der Abendzeitung. "Bei fra)uu(hlig entspricht die Größe M beispielsweise einer deutschen Konfektionsgröße 44 bis 46. Wir bieten ein breiteres Spektrum an, damit auch Frauen sich schön kleiden können, deren Konfektionsgröße bei den meisten Labels nicht mehr abgedeckt wird." Für die Münchnerin geht es darum, dass ein Kleidungsstück passt und "nicht darum, dass ein Etikett einen Menschen einordnet".

Elena Uhlig achtet auf Nachhaltigkeit: "Mir ist Tierwohl wichtig"
Ein zentraler Aspekt in der Herstellung und im Versand ihrer Mode ist für Elena Uhlig die Nachhaltigkeit. Denn: "Bei Kleidung wird oft wenig gefragt, woher sie kommt und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurde." Für die 51-Jährige ist es wichtig, in der gesamten Produktions- und Lieferkette möglichst ressourcenschonend zu arbeiten.
Beim Material setzt die Schauspielerin etwa auf Merinowolle, bei der kein Mulesing eingesetzt wird. Bei dem tierquälerischen Verfahren werden Schafe verstümmelt, um den Wollertrag zu erhöhen. Für die Strickware verwendet das Modelabel Garne aus Europa und nutzt dafür auch Restposten aus anderen Produktionen, die keine Verwendung mehr haben. "Wenn von einem Garn nur noch genug für 20 oder 30 Paar Socken da ist, machen wir eben diese Menge. So nutzen wir Material, für das bereits Energie eingesetzt wurde, statt automatisch neues Garn zu bestellen." Für ihre Kunden sucht sie nicht nach den günstigsten Preisen, sondern "nach qualitativ guten und nachvollziehbaren Produkten".
Produktion ausschließlich in Deutschland und Europa
Bei den Produktionsorten legt die Münchnerin großen Wert auf Umweltschutz und gute Arbeitsbedingungen. Die Produktion findet daher ausschließlich in Deutschland und Europa statt. "Ich wollte wissen, wo meine Sachen produziert werden, und arbeite deshalb eng mit einer Strickerei in Litauen zusammen", sagt Elena Uhlig im Gespräch mit der Abendzeitung. "Natürlich machen diese Ansprüche die Produktion teurer. Faire Löhne, Urlaub und gute Arbeitsbedingungen kosten Geld. Und ich möchte nicht dort produzieren lassen, wo Menschen ausgebeutet werden, nur damit ich die Ware günstig verkaufen kann."

Die Verpackung und der Versand sind für das Unternehmen der Schauspielerin ebenfalls ein wichtiger Punkt. Bei Elena Uhlig wird großer Wert darauf gelegt, dass nichts in Plastik eingepackt ist. Ihre Pullover werden zum Beispiel in extra aus Wollresten angefertigten Kissenbezügen verschickt. Auch verzichtet Uhlig bei ihrer Mode auf zusätzliche Etikettierung durch sogenannte Hangtags. "Die sind Müll", sagt die Schauspielerin lachend.
Elena Uhlig übt Kritik an Fast-Fashion: "Belastet die Umwelt"
Für ihre Kunden hat Elena Uhlig extra "Das fra)uu(hlig Versprechen" formuliert, in welchem sie transparent macht, wie sie mit dem Thema Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen umgeht. Im AZ-Gespräch betont sie: "Wir haben Nachweise über Materialinformationen und Zertifikate unserer Produzenten." Preislich liegt die Schauspielerin mit ihrer Kleidung deutlich über den Fast-Fashion-Modeketten. "Nicht jeder kann sich meine Teile leisten", weiß Uhlig. Mit ihrer Mode will sie jedoch einen nachhaltigeren Gegenentwurf zum Billig-Shoppen bieten. "Ich frage mich schon, wie ein Kleidungsstück für 19,90 Euro fair hergestellt werden soll. [...] Fast Fashion belastet die Umwelt, und vieles wird produziert, ohne später verkauft zu werden. Ich möchte zeigen, dass Mode auch anders funktionieren kann."

Neben Business und TV-Jobs: Elena Uhlig ist Zeit mit der Familie wichtig
Wie schafft es die Münchnerin, neben ihrem Mode-Start-up und der Social-Media-Arbeit noch die Schauspielerei und das Familienleben zu integrieren? Ihre TV-Karriere leidet nicht darunter, wie sie erklärt: "Dieses Jahr habe ich so viel gedreht wie lange nicht. Das Schöne ist, dass ich inzwischen auch einmal absagen und meine Energie lieber ins Unternehmen stecken kann." Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen, ist aber auch für Elena Uhlig eine Herausforderung. "Ich versuche, vormittags im Unternehmen zu sein und mittags wieder zu Hause. Meine Söhne arbeiten auch geringfügig mit." Uhlig ist seit 2006 mit Schauspieler Fritz Karl liiert, 2023 folgte die Hochzeit. Das Paar hat vier gemeinsame Kinder: die Töchter Frida (11) und Hedda (8) sowie die Söhne Emil (19) und Gustav (16).
"Mein Mann wird schließlich auch nicht ständig gefragt, wie er das alles schafft"
Einen kleinen Seitenhieb auf Business-Männer kann sich die 51-Jährige nicht verkneifen und sagt: "Ich mag den Begriff 'Working Mom' nicht besonders. Ich bin Mutter und Unternehmerin – mein Mann wird schließlich auch nicht ständig gefragt, wie er das alles schafft. Unsere vier Kinder wachsen damit auf, dass ihre Mutter Schauspielerin, Moderatorin, Autorin und Unternehmerin ist. Ich glaube, sie sind auch stolz darauf."
Und was wünscht sich Elena Uhlig für die Zukunft ihres Unternehmens? Wie soll es mit dem Mode-Business weitergehen? "Ich möchte ein Unternehmen aufbauen, das wirtschaftlich funktioniert, Freude macht und seine Mitarbeiterinnen fair bezahlt", sagt sie der Abendzeitung. Dabei ist es ihr nicht wichtig, ein millionenschweres Imperium aufzubauen: "Ich muss nicht Elon Musk werden. 'fra)uu(hlig' ist mein Schatz, weil ich etwas geschaffen habe, das ich anfassen kann und hinter dem ich stehe."
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