"Eine solche Zumutung": Luisa Neubauer findet es "so hart, gerade jung zu sein"

Wer heute jung ist, hat es nicht leicht - davon ist Luisa Neubauer überzeugt. Im Podcast "Hotel Matze" erklärt die Klima-Aktivistin, weshalb sie vollstes Verständnis für das fehlende Engagement unter Jugendlichen habe.
von  Franziska Wenzlick
"Es ist entscheidend, auf die Straße zu gehen, wenn es gerade nicht alle tun", findet Luisa Neubauer.
"Es ist entscheidend, auf die Straße zu gehen, wenn es gerade nicht alle tun", findet Luisa Neubauer. © 2024 Getty Images/Michele Tantussi

"Leute, es war nie ein Abo", sagt Luisa Neubauer in Bezug auf die "Fridays for Future"-Proteste. "Dachtet ihr, dass wir jetzt zehn Jahre lang jeden Freitag mit den Leuten auf der Straße stehen?" Im Podcast "Hotel Matze" fordert die 30-Jährige mehr Verständnis für "die jungen Leute, die jetzt gerade irgendwie aus der Schule kommen" und sich nicht für Themen wie das Klima engagieren. Es sei "so hart, gerade jung zu sein", findet die Aktivistin. "Es ist eine solche Zumutung."

"Du bist vielleicht auf die weiterführende Schule gekommen - da war erst mal Corona", zählt Neubauer auf. "Hast angefangen, Abi zu machen - dann war Krieg. Hast dir überlegt, was will ich mal werden - dann war Wirtschaftskrise." Dazu komme der Klimawandel, der "nichts Neues mehr" sei, "Riesenprobleme mit mentaler Gesundheit" und ein Kanzler, der sage, "dass die jungen Leute ja auch irgendwie so ein bisschen faul sind". Sie wisse nicht, "ob ich dann Bock hätte zu sagen: 'Ja Mensch, jetzt setze ich mich ein.'"

Vielmehr fordert Neubauer Menschen aller Altersgruppen dazu auf, sich zu engagieren. "Es ist gut, auf die Straße zu gehen, wenn alle auf die Straße gehen. Aber es ist entscheidend, auf die Straße zu gehen, wenn es gerade nicht alle tun." Es gebe "so eine merkwürdige Komfortdimension", stellt die Studentin fest. Wer sich allein auf Protestbewegungen verlasse, wolle, dass "einfach jemand ein bisschen Krise abnimmt". Neubauer rät: "Statt sich jetzt zu fragen, wo sind die Kinder, könnte man sich auch fragen: Wo bin ich denn? Was mache ich denn? Wo kann ich mich einbringen?"

Luisa Neubauer glaubt nicht an ihren "Taylor-Swift-Moment"

Sie selbst blicke inzwischen mit gemischten Gefühlen auf die besonders aktiven "Fridays for Future"-Anfangsjahre zurück. Sie habe "auf einem ziemlichen Sockel" gestanden, merkt Podcast-Gastgeber Matze Hielscher an und spricht gar von einem "Taylor-Swift-Moment". Das sieht Neubauer anders: "Du verklärst das."

Sie wünsche sich diese Zeit "natürlich nicht" zurück, stellt sie klar. "Das war ganz toll - aber es war vor allem in der Nachsicht ganz toll." Gerade vonseiten der Politik werde die damalige gesellschaftliche Reaktion auf "Fridays for Future" heute oftmals beschönigt. "Wir haben gegen unglaubliche Widerstände gekämpft", erinnert sich Neubauer. "Wir wurden da lächerlich gemacht und verpönt." Einmal etwa habe sie sich "in so einer Talkshow in Bremen vor Susanne Daubner rechtfertigen müssen, warum wir aus Plastikflaschen trinken", entsinnt sich die Hamburgerin.

"Wir haben eine historische Bewegung aufgebaut, aber alle zum ersten Mal. Das ist eine solche Überlastung und Überforderung für junge Leute, auf denen auf einmal irgendwie so das Weltgewissen gelegen hat." Gleichzeitig empfinde sie es als "das größte Glück und das größte Privileg", sich "im Kern" der Bewegung befunden zu haben - schließlich, schildert die Aktivistin, sei damals alles "wild und unglaublich aufregend" gewesen. Heute findet Luisa Neubauer: "Es war toll, dass es diese Zeit gegeben hat. Aber es ist auch völlig okay, dass sie vorbei ist."

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