Eckart von Hirschhausen über "Deepfakes": "Es ist nicht mein privates Problem"

Der Arzt und Journalist Eckart von Hirschhausen gehört zu Deutschlands bekanntesten Opfern von "Deepfakes". Mit einer Doku will er über die Gefahren für Verbraucher aufklären. Die können potenziell sogar tödlich sein.
von  Maximilian Neumair
Eckart von Hirschhausen, Arzt und Wissenschaftsjournalist, warnt vor Deepfakes. Sein Gesicht und seine Stimme werden häufig für Betrugsmaschen missbraucht.
Eckart von Hirschhausen, Arzt und Wissenschaftsjournalist, warnt vor Deepfakes. Sein Gesicht und seine Stimme werden häufig für Betrugsmaschen missbraucht. © Arne Dedert (dpa)

WDR-Intendantin Katrin Vernau und Fernseharzt Eckart von Hirschhausen sind auf einer Pressekonferenz über Video zu sehen. Sie berührt Deutschlands bekanntesten Arzt am Ärmel und bestätigt: "Es ist der Echte." Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz keine Selbstverständlichkeit mehr. Bilder, Videos und selbst Stimmen lassen sich mit der Technologie täuschend echt imitieren. Die Masche: mit bekannten Gesichtern und Stimmen für betrügerische Produkte werben.

Genau darüber will Hirschhausen mit seiner WDR-Reportage "Hirschhausen und die Deepfake-Mafia" aufklären. Der Wissenschaftsjournalist sagt: "Es ist nicht mein privates Problem, sondern eines, das alle öffentlichen Menschen erreicht."

Und nicht nur die: Verbraucher fallen solchen Betrügereien zum Opfer und verlieren so viel Geld – oder gefährden sogar ihr Leben. Ein potenziell tödliches Beispiel: Insulintanks bekommen das Label des Abnehmmedikaments Ozempic verpasst.

Hirschhausen: Kein Promi wird so oft imitiert

"Ich bekomme jeden Tag Hunderte Mails", so Hirschhausen. Seine Person ist bei Betrügern laut Verbraucherzentrale besonders beliebt: Demnach gab es 2025 insgesamt 224 Verbraucher, die sich wegen eines Schwindels mit Hirschhausens Gesicht und Stimme meldeten. Abgeschlagen auf Platz zwei: Virologe Christian Drosten mit sieben Fällen.

Der einfache Grund: Viele Menschen kennen und vertrauen auf Hirschhausen, insbesondere bei Älteren ist er beliebt. Er zückt einen 20-Euro-Schein. "Jeder würde diesen Geldschein annehmen, weil man davon ausgeht, dass er echt ist."

Eckart von Hirschhausen, Arzt und Wissenschaftsjournalist, hebt auf der Frankfurter Buchmesse einen Geldschein hoch. Auch auf der Pressekonferenz zu seiner neuen WDR-Doku nutzt er dieses Beispiel, um zu zeigen, wie die Deepfake-Betrüger Vertrauen in gefestigte Institutionen missbrauchen.
Eckart von Hirschhausen, Arzt und Wissenschaftsjournalist, hebt auf der Frankfurter Buchmesse einen Geldschein hoch. Auch auf der Pressekonferenz zu seiner neuen WDR-Doku nutzt er dieses Beispiel, um zu zeigen, wie die Deepfake-Betrüger Vertrauen in gefestigte Institutionen missbrauchen. © Arne Dedert (dpa)

Dass diese Selbstverständlichkeit ausgerechnet bei Gesichtern und Stimmen nicht länger gilt, sei ein Gift für das Vertrauen der Menschen untereinander. Und weckt ganz neue Ängste bei den Opfern: Verbrecher müssen nicht erst über die Türe oder Fenster in die eigenen vier Wände eindringen, sondern lauern dort in Form des Smartphones bereits.

Hirschhausen empfiehlt ein Kennwort gegen Enkeltrick

Auch Menschen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, werden für "Deepfakes" missbraucht: So können Betrüger mit Whatsapp-Sprachnachrichten die Stimme von vertrauten Menschen imitieren – der Enkeltrick ist so gefährlicher als jemals zuvor. "Machen Sie ein Kennwort aus", empfiehlt Hirschhausen, um sich als die echte Person zu identifizieren.

Mit der Verbraucherzentrale haben Hirschhausen und sein Team mehrere Tipps erarbeitet, wie Menschen Fake-Werbungen erkennen können:

  • URL genau lesen: Unechte Seiten lassen sich oft anhand der merkwürdig langen Internetadresse erkennen. Wer auf einer angeblichen Webseite der Tagesschau unterwegs sei, sollte im Browser auch "tagesschau.de" lesen.
  • Ins Impressum schauen: Verbraucher sollten prüfen, ob überhaupt eines vorhanden ist und ob die angegebene Adresse überhaupt stimmen kann.
  • Nicht daran glauben, Fakes unterscheiden zu können: "Die Stimme ist das Persönlichste, was man hat", sagt Hirschhausen. Und die lässt sich inzwischen erschreckend gut imitieren.
  • Fotos rückwärts suchen: Über Hilfsmittel im Netz lässt sich überprüfen, ob ein Bild schon mal an anderer Stelle verwendet wurde. So lässt sich etwa aufdecken, dass die Person auf dem Foto nicht ein angeblich glücklicher Patient ist.
  • Keine Medikamente aus dem Ausland kaufen: Deutschland hat oftmals deutlich strengere Zulassungsbedingungen. Die Einfuhr von Produkten, die diese nicht erfüllen, kann nicht pauschal kontrolliert werden.
  • Den Arzt, Apotheker oder Enkel fragen: Produktfälschungen kaufen in der Regel Menschen, die auf eigene Faust im Internet recherchieren und niemanden sonst davon erzählen. Andere um eine Einschätzung bitten, kann helfen, Betrugsversuche rechtzeitig zu erkennen. Außerdem wichtig zu wissen: Ärzte dürfen in Deutschland keine Produktwerbung betreiben.

Juristisch sind derlei Betrugsmaschen nur schwer zu verfolgen. "Ich bin extrem frustriert und das lässt mich nicht mehr gut schlafen", sagt Hirschhausen. Er fordert klare Fristen, bis wann Plattformen etwas löschen müssen, und harte Strafen, wenn sie es nicht tun.

"Deepfakes" werden aber nicht nur in Betrugsfällen eingesetzt, sondern sind auch Mittel für sexuelle Gewalt. In einem zweiten Teil mit Collien Fernandes soll das im Mittelpunkt stehen.

Hinweis: "Hirschhausen und die Deepfake-Mafia" ist ab dem 1. Mai in der ARD-Mediathek zu sehen und am 4. Mai um 20.15 Uhr im Ersten

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