"Du musst überleben!"

1942 flieht der kleine Srulik aus dem Warschauer Ghetto und versteckt sich in den Wäldern. Eine abenteuerliche, lebensgefährliche Geschichte, die nun im Rahmen des KinoFestivals im Ersten wiederholt wird.
von  Wilfried Geldner
Der neunjährige Srulik (Andrzej oder Kamil Tkacz) flüchtet vor den Nazis aus dem Warschauer Ghetto in die dichten Wälder.
Der neunjährige Srulik (Andrzej oder Kamil Tkacz) flüchtet vor den Nazis aus dem Warschauer Ghetto in die dichten Wälder. © bittersuess pictures/BR/Hagen Keller

Wind, Schneesturm, Kälte. Ein Junge kämpft sich durch diese Unwirtlichkeit, bricht immer wieder ein in sumpfiges Eis. Er ist nahe am Abgrund und scheint sehr bald vor Erschöpfung zu sterben. Doch da ist die Stimme des Vaters, die ihn in der Erinnerung anfleht: "Du musst überleben!" So beginnt Pepe Danquarts Verfilmung des Jugend-Bestsellers "Lauf Junge lauf" von Uri Orlev, der die Lebensgeschichte des Holocaust-Überlebenden Yoram Fridman erzählte. Es ist eine beinahe unglaubliche Geschichte, die von der dreijährigen Flucht eines neunjährigen jüdischen Jungen aus dem Warschauer Ghetto berichtet, der sich in die Wälder rund um Warschau schlug und immer wieder den deutschen Häschern entkam. Harte Momente, aus der Sicht eines Kindes erzählt, und doch voller Grausamkeit und Verzweiflung. Das Erste wiederholt den Film nun anlässlich des "KinoFestivals" zu nächtlicher Stunde. Außerdem ist das Drama in der Mediathek zu sehen.

Immer wieder gelingt es Danquart und seinem Drehbuchautor Heinrich Hadding ("Die Päpstin", "Das Wunder von Bern") die Spannung hochzuhalten. Immer aufs Neue beginnt die schreckliche Flucht, immer wieder stellen sich gefährliche Hindernisse in den Weg. Zudem wird die Handlung nicht einfach linear erzählt, sondern in zusätzlichen Rückblenden: In letzter Minute war es dem kleinen Srulik (Andrzej und Kamil Tkacz) gelungen, auf dem Leiterwagen eines Bauern das Ghetto zu verlassen und den prüfenden Bajonettstichen der Wachhabenden zu entgehen.

Im Wald trifft Srulik auf andere jüdische Jungen, die gleichfalls vor den Deutschen geflüchtet sind. Er lernt von ihnen, zu überleben, auch zu rauben und zu stehlen. Aber auch, sich vor polnischen Bauern in Acht zu nehmen, viele von ihnen liefern jüdische Flüchtlinge gegen ein Kopfgeld an die Deutschen aus. Immerhin: In den Wäldern, da sind auch die polnischen Partisanen - die geben ihnen Sicherheit, weil sich die Deutschen vor ihnen fürchten, so sagen sie.

Abenteuerliche Flucht

All das ist abenteuerlich. Doch noch abenteuerlicher ist, was eine hilfsbereite Bäuerin (Elisabeth Duda) den Jungen lehrt: sich in Jurek umzubenennen, fortan seine Herkunft zu verleugnen, katholische Gebete zu sprechen und sich damit auf seinem weiteren Fluchtweg unverdächtig zu machen. Srulik hilft das nicht immer ...

Das alles erzählt Danquart in dieser Sechs-Millionen-Euro-Produktion in aufregenden, spannenden Hollywoodbildern, bei denen die aufwendige Kamera den unvergleichlichen Zwillings-Darstellern des kleinen Jungen beste Hilfe leistet. Srulik hat immer Angst, ist immer in Trauer, aber da ist auch viel Zuversicht in den Augen. Sein Ziel ist es, zu überleben, und er wird das schaffen. Wenn auch beinahe um den Preis des Verlustes der eigenen Identität.

Lauf Junge lauf - So. 09.08. - ARD: 00.15 Uhr

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