Donald Trumps Lieblingsband

Mit dem Welthit "Y.M.C.A." schrieben die Village People Popgeschichte. Die ARTE-Dokumentation "YMCA - Die Erfindung der Village People", die der Sender in deutscher Erstausstrahlung zeigt, blickt auf die außergewöhnliche Entstehungsgeschichte einer Band zurück, die Ende der 1970er-Jahre gleichermaßen Symbolfigur der Disco-Ära und Ikone der queeren Kultur war, bevor sie zum internationalen Mainstream-Erfolg wurde. Umso kurioser, dass ausgerechnet US-Präsident Donald Trump, der in gesellschaftspolitischen Fragen immer wieder Positionen vertritt, die von Teilen der LGBTQ-Community kritisch gesehen werden, ein großer Fan des Songs "Y.M.C.A." ist und sich regelmäßig auch auf Bühnen bei einer angedeuteten Tanzdarbietung filmen lässt. Die Band hatte sich zunächst verbeten, dass ihr Hit auf Trump-Terminen gespielt war. Mittlerweile hat sich die Stimmung gedreht - auch weil das unerwartete Comeback in den Charts sich finanziell auszahlt.
Kaum ein Song hat sich so tief ins kollektive Gedächtnis eingeprägt wie "Y.M.C.A.". Der Hit der Village People gehört bis heute zu den bekanntesten Pop-Songs weltweit. Hinter dem Erfolg steht jedoch eine Geschichte voller Widersprüche, kultureller Missverständnisse und geschickter Inszenierung. Die Dokumentation zeichnet nach, wie ausgerechnet zwei französische Produzenten eine Band erschufen, die wie kaum eine andere für einen vermeintlich uramerikanischen Lebensstil stand.
"Fasziniert von Hollywood und dem Mythos von Amerika"
Im Mittelpunkt stehen die Produzenten Henri Belolo und Jacques Morali. Fasziniert von der aufblühenden Disco-Szene im New York der 1970er-Jahre, erkannten sie früh das Potenzial einer Musikrichtung, die sich aus den Clubs der Metropole rasant zum internationalen Massenphänomen entwickelte. Ihre Idee: eine Gruppe aus Sängern und Tänzern, die mit markanten Kostümen verschiedene Archetypen der amerikanischen Popkultur verkörpern sollten: vom Cowboy über den Polizisten bis zum Bauarbeiter.
"Jacques und Henri waren fasziniert von Hollywood und dem Mythos von Amerika", erklärt Randy Jones, der Original-Cowboy der Village People, im Film die Grundidee hinter den bis heute ikonischen Bühnenfiguren. Das Konzept ging auf: Die Village People wurden innerhalb kürzester Zeit zu Weltstars und lieferten den Soundtrack einer ganzen Ära.
Dabei war die Gruppe weit mehr als ein clever vermarktetes Disco-Projekt. Produzent Jacques Morali war homosexuell, und auch die Band selbst spielte bewusst mit queeren Symbolen und Anspielungen. Die Dokumentation zeigt, wie die Village People zwischen unterschiedlichen Welten agierten. Für viele galten sie als wichtige Identifikationsfiguren innerhalb der LGBTQI+-Community, während Kritiker ihnen vorwarfen, eine ursprünglich subkulturelle Bewegung für den Massenmarkt zu kommerzialisieren.
Besonders deutlich werden diese Spannungsfelder am Beispiel von "Y.M.C.A.". Der Titel verweist auf die christliche Organisation Young Men's Christian Association. Über die Jahrzehnte entwickelte sich der Song zu einem globalen Party-Klassiker, dessen vielschichtige Bedeutung oft unterschiedlich interpretiert wurde. Die Dokumentation beleuchtet die Entstehung des Liedes ebenso wie die Gründe für seinen anhaltenden Erfolg.
Traurige Schlagzeilen machte die Band kürzlich durch einen Todesfall: Mit nur 74 Jahren starb Ende Juni mit Victor Willis der "Polizist" aus der ursprünglichen Showtruppe. Er war Frontsänger der Village People und galt nicht nur als Interpret, sondern auch als Mitautor unvergessenen Hits wie "Y.M.C.A.", "Macho Man", "In The Navy" und "Go West".
YMCA - Die Erfindung der Village People - Mi. 22.07. - ARTE: 22.00 Uhr