Disney+ verabschiedet sich offenbar von werbefreien Abos

Der Streamingdienst passt seine Nutzungsbedingungen an: Künftig kann in jeder Abo-Stufe Werbung laufen - selbst im teuersten Paket. Vorspulen lässt sie sich nicht.
von  teleschau
Disney+ will mehr Werbung zeigen - auch in teuren Abo-Modellen.
Disney+ will mehr Werbung zeigen - auch in teuren Abo-Modellen. © 2025 Lucasfilm Ltd./Disney/Nicola Goode

Disney informiert seine Kundschaft derzeit per E-Mail über eine Änderung der Nutzungsbedingungen von Disney+. Grundlage ist ein neuer Nutzungsvertrag mit Datum vom 18. Juni 2026. Der zentrale Punkt: Ab sofort können grundsätzlich alle kostenpflichtigen Abo-Stufen Werbung enthalten - auch jene, die bislang als werbefrei beworben wurden.

In dem Schreiben nennt Disney drei Formen, die künftig in sämtlichen Abo-Optionen möglich sind: Werbeinhalte innerhalb der Benutzeroberfläche, Sponsoring-Hinweise sowie Werbeeinblendungen vor und nach der Wiedergabe. Letzteres kann auch in Kanälen, Live- und "Wie-Live"-Formaten, bei Sonderereignissen und in Inhalten von Drittanbietern geschehen. Was Disney konkret unter einem "Sonderereignis" versteht, wird in den vorliegenden Unterlagen nicht erläutert.

Ob die neuen Bedingungen automatisch gelten oder erst nach Zustimmung, ist unklar formuliert: Beim nächsten Login soll ein Hinweis erscheinen, der zur Bestätigung des Vertrags auffordert. Was passiert, wenn jemand nicht zustimmt, lässt Disney offen. Naheliegend, aber nicht bestätigt, ist, dass sich das Abo dann nicht weiternutzen lässt.

Werbung ohne Vorspulfunktion

Näher beschrieben wird die Praxis in einem Hilfe-Artikel von Disney. Demnach sollen die Stufen "Disney+ Standard" und "Disney+ Premium" zwar weiterhin ohne Unterbrechungen innerhalb von Filmen und Serien auskommen, dafür aber Werbung, Trailer oder gesponserte Hinweise vor und nach dem eigentlichen Inhalt einblenden. Bei Live-Inhalten und Sonderereignissen inklusive Wiederholungen kann es zusätzlich Werbepausen geben. Und: "Du kannst bei Werbung auf Disney+ nicht vorspulen" heißt es dazu ausdrücklich in Disneys eigener Hilfe-Dokumentation.

Wer Werbung vollständig vermeiden will, hat dafür nur noch eine Option: den Junior-Modus für Kinderprofile. In allen anderen Profilen soll künftig altersgerechte Werbung ausgespielt werden.

Auffällig ist ein handwerklicher Fehler in der Ankündigungsmail: Der dort verlinkte Nutzungsvertrag führt nicht zur aktuellen Fassung, sondern zu einer alten Version aus dem Jahr 2014. Wer den tatsächlich gültigen Vertrag lesen möchte, muss ihn selbst auf der Disney+-Website suchen.

Fußnote im Kleingedruckten

In sozialen Netzwerken wie Reddit berichten zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer, die entsprechende E-Mail erhalten zu haben. Viele reagieren verärgert und kündigen ihr Abo an oder haben es bereits getan. Neukundinnen und -kunden erfahren von der Änderung bislang offenbar nur über eine Fußnote im Kleingedruckten - in der öffentlichen Abo-Übersicht steht bei Standard und Premium weiterhin ein Haken bei "werbefreie Filme und Serien".

Zu den Hintergründen der Änderung äußerte sich bei Disney bislang noch nicht.

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