Die "Wundertüte" macht's möglich

Der eine suchte im Alter nochmal eine Stelle, der andere rettete eine traditionsreiche Gaststätte, den Mittelpunkt eines ganzen Viertels. Noch einmal durchstarten wollten sie beide. Ein "37°"-Reportage blickt auf Menschen, die es noch einmal wissen wollen.
Hans Czerny |
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Gunther Linges (77), ohne Computererfahrung, lässt sich von Ben Schneider (19) die digitale Kasse erklären, bedient sie aber bei der Arbeit selber nicht.
ZDF / Ben Knabe 6 Gunther Linges (77), ohne Computererfahrung, lässt sich von Ben Schneider (19) die digitale Kasse erklären, bedient sie aber bei der Arbeit selber nicht.
Bei einem Kochkurs für Gäste und Personal lernen sich Gunther Linges (77) und Ben Schneider (19) kennen.
ZDF / Florian Kroker 6 Bei einem Kochkurs für Gäste und Personal lernen sich Gunther Linges (77) und Ben Schneider (19) kennen.
Die Baustelle für eine Trasse der Citybahn bedroht die Existenz der Wundertüte.
ZDF / Madmo Springer 6 Die Baustelle für eine Trasse der Citybahn bedroht die Existenz der Wundertüte.
Jörg Daube (69, rechts) ist eigentlich Anwalt und hat als Quereinsteiger die Wundertüte übernommen.
ZDF / Florian Kroker 6 Jörg Daube (69, rechts) ist eigentlich Anwalt und hat als Quereinsteiger die Wundertüte übernommen.
Gegen den Ausbau der Citybahn in ihrer Straße haben Jörg Daube, Betreiber der Wundertüte, Gäste und Anwohner eine Bürgerinitiative gegründet.
ZDF / Madmo Springer 6 Gegen den Ausbau der Citybahn in ihrer Straße haben Jörg Daube, Betreiber der Wundertüte, Gäste und Anwohner eine Bürgerinitiative gegründet.
Die beiden Servicekräfte Ben (19) und Gunther Linges (77) kochen zusammen in der Gaststätte Wundertüte.
ZDF / Florian Kroker 6 Die beiden Servicekräfte Ben (19) und Gunther Linges (77) kochen zusammen in der Gaststätte Wundertüte.

Der eine, Gunther Linges, suchte mit 77 noch einmal eine neue Stelle - und den Kontakt zu anderen Menschen. Der andere, Jörg Daube, 65, Anwalt von Beruf, wollte nicht mit ansehen, wie sein Viertel starb. Also zog er eine alte Traditionswirtschaft in Essen-Borbeck wieder hoch und machte ein Mehrzweck-Restaurant daraus. Die Menschen, Nachbarn vor allem, sollten sich aktiv kennenlernen, nicht nur bei gehobenem Essen und Trinken. Ob das geglückt ist, aber auch welche Hindernisse sich dem Projekt entgegenstellen, schildert die ZDF-Reihe 37° im Film von Katharina Gugel. Der prägnasnte Titel: "Durchstarten im Alter".

"Es ist nie zu spät" dachten sich die beiden, jeder auf seine Weise. Gunther Linges hatte bei seiner Stellensuche Glück, als er auf die Stellenanzeige der Gaststätte "Wundertüte" stieß. Der Treffpunkt für Jung und Alt sowie für rege Kommunikation in der Nachbarschaft suchte Personal für Service, Küche und Gästeempfang. Gunthers Wunsch - "Ich brauche den Kontakt zu den Menschen und will mich irgendwie noch einbringen in diese Gesellschaft" - fand Erfüllung durch den Anwalt und Immobilienbesitzer Daube, der zusammen mit seiner Frau neues Leben ins Viertel bringen wollte und daher ein Restaurant als lebendigen Kommunikationsraum erfand.

Als die Taverne in ihrer Immobilie in Essen-Borbeck coronabedingt aufgeben musste, entwickelten sie ihre Idee, "dass die Gäste nicht nur für sich sitzen und essen, sondern sich aktiv kennenlernen, und zwar über Generationen hinweg". Das mit den Generationen wird im Film vor allem an den Mitarbeitern Linges und Ben Schneider, 19, festgemacht. Auch wenn Linges die digitale Kasse nicht selbst bedient, so lässt er sie sich doch von Ben ganz genau erklären.

Regelmäßige "lange Tafeln" führen die Menschen aus dem Viertel zusammen, gelegentliche Tanzkurse und Boule im Garten inklusive. Gäste werden immer mal wieder zu Gastgebern im Generationentreff. - Jüngst sah man sich aber auch zu einer Bürgerinitiative gegen den Ausbau einer Stadtbahnlinie gezwungen. Durch sie sieht sich die "Wundertüte" in ihrer Existenz bedroht.

37°: Durchstarten im Alter - Di. 01.09. - ZDF: 22.15 Uhr

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