Die Sylter Ermittler sind gefordert: Das Bild im Magen des Toten gibt Rätsel auf

Noch immer nicht erfunden: das Geruchsfernsehen. Gott behüte uns auch davor, aber wäre die Technik schon so weit, die deutschen Wohnzimmer wären an diesem Montagabend eingehüllt von einer interessanten Mischung aus Salz, Meer und warmer Haut. Dazu eine ganz ungewöhnliche tierische Note. So einiges dreht sich im neuen "Nord Nord Mord"-Krimi am Montagabend um diese ganz besondere Duftnote. Zunächst aber vergehen - so wie es sich bei einem guten Krimi gehört - nur wenige Sekunden, bis klar ist, um welche Tat es diesmal geht. Im Hafen von Hörnum treibt eine Leiche im Wasser. Kopf nach unten. Da kommt jeder Rettungsversuch zu spät.
Ertrunken ist hier Hark Petersen (Eren Yilmaz), genannt Harke. Zwar konnte er nicht schwimmen, doch freiwillig ging der Junge ganz sicher nicht ins Wasser. Zumal sein Gesicht Spuren von einer körperlichen Auseinandersetzung aufweist. Hark war keiner der klügsten Jungs auf der Insel, und so nahm sich Götz Fischer (Max Hopp), seines Zeichens auch wirklich Fischer, seiner an und nahm ihn bei sich auf.
Nun muss er seinen Ziehsohn tot aus dem Wasser ziehen - und dreht durch. Wütend setzt sich Fischer aufs Rad und macht sich auf zur Besserverdiener-Familie Stippke. Dort lebt neben Mutter Mira (Catrin Striebeck) und Vater Lars (Stephan Schad) auch der Sohn Sören (Tom Gronau). Und der hat, glaubt Götz Fischer, ein handfestes Motiv. Schließlich drohte er zwei Tage zuvor sogar lautstark, Hark umbringen zu wollen.
Wer isst ein Bild und warum?
Chefermittler Sievers (Peter Heinrich Brix) sowie Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk) und Ina Behrendsen (Julia Brendler) nehmen die Ermittlungen auf und erkennen schon bald, dass Sören Stippke wirklich zu den Verdächtigen zu zählen ist. Dessen Freundin Helena Winter (Pauline Pollmann) soll von dem etwas einfältigen Hark körperlich bedrängt worden sein. Vorsichtig ausgedrückt. Aber spricht die äußerst adrette, 17-jährige Frau wirklich die Wahrheit? Sievers hat da so seine Zweifel, nachdem sie sich zum Verhör in der Polizeistation erst einmal ganz zeitgemäß einen Flat White mit Hafermilch bestellt hat: "Falschaussage in einem Mordfall bedeutet Jugendstrafanstalt", warnt Sievers, "Da ist nichts mehr mit schicken Klamotten und Farben im Gesicht. Da gibt es kaltes Wasser, Kernseife, ein brettsteifes Handtuch - Ende!" Aber Helena Winter bleibt erst einmal bei ihrer Darstellung.
In der Folge bietet dieser Krimi eine Vielzahl von Motiven und Verdächtigen, ohne indes die Zuschauer jemals zu verwirren. Eine Spur führt Hinnerk Feldmann ins Seniorenheim, wo die letzte Verwandte von Hark, seine Großmutter, gerade mal zwei Tage vor der Tat gestorben ist. Auf ihrem Nachttisch fand sich ein leerer Bilderrahmen. Das dazugehörige Bild entdeckt die Rechtsmedizinerin Dr. Karp (Anne Weber) im Magen des Toten. Es zeigt den Walfänger Joris Petersen samt Fang nach getaner Arbeit. Er war der Ur-Ur-Urgroßvater von Hark - und er hatte ganz offensichtlich ein Geheimnis. Nur wie kam das Bild in Harks Körper? Warum aß er es auf?
Die Mixtur aus Humor und Ernsthaftigkeit stimmt
"Nord Nord Mord - Sievers und der Gesang der Wale" ist der 29. Film der Reihe und der bereits zehnte von Regisseur und Autor Berno Kürten. Und: Es ist einer der besten der vergangenen Jahre. Seit jeher stimmt hier die Mixtur aus Humor und Ernsthaftigkeit - und so ist es auch diesmal. Schwere Themen wie Tod und Vergänglichkeit schwingen mit, es geht um die großen Gefühle wie Liebe und Hoffnung, um Eifersucht und Schuld. Aber all das geht eben einher mit Humor und Charme, mit entspannten Dialogen und einem ganz klein bisschen Klamauk.
Die Insel Sylt, die nun schon seit Langem nicht nur mit einem positiven Image behaftet ist, bildet eine wunderbare Kulisse für diesen klug erzählten Krimi, der es gut meint mit jeder einzelnen Figur darin. Besonders erwähnt sei der Senior Henrik Müller, grandios gespielt von dem mittlerweile 85-jährigen Peter Franke. Ein Mann, der auf zahllosen großen Bühnen dieses Landes stand und der nun dem inzwischen geistig etwas verwirrten Heimbewohner auf wunderbare Weise Körper und Seele gibt: Marius Müller-Westernhagen - wenn Sie diesen Text lesen: Schauen Sie sich den Film an. Sie werden ihn mögen.
Um die sieben oder acht Millionen Menschen verfolgen stets die neuen Episoden der Erfolgsreihe. Sie müssen sich keine Sorgen über deren Zukunft machen. Ganze sechs Krimis sind entweder abgedreht oder in Arbeit. Schon bald soll es weitergehen.
Nord Nord Mord - Sievers und der Gesang der Wale - Mo. 05.10. - ZDF: 20.15 Uhr