Die politischen Hintergründe des "Babylon Berlin"-Finales

Seit 10. September läuft die finale Staffel "Babylon Berlin" in der ARD-Mediathek. Am Samstagabend, 19. September, füllen die ersten vier Folgen die Primetime im Ersten. Es ist eine hochpolitische Staffel, denn 1933 findet die Machtübernahme der Nazis statt. Die Doku erläutert die Hintergründe.
Eric Leimann |
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Am 27./28. Februar geschieht der Reichstagsbrand in Berlin. Er dient den Nazis als Vorwand für die Reichstagsbrandverordnung, die zentrale Grundrechte außer Kraft setzt. "Babylon Berlin - Die Doku" schildert die wahren politischen Hintergründe zur finalen Staffel der deutschen Mega-Serie.
© SWR/Faber Courtial 9 Am 27./28. Februar geschieht der Reichstagsbrand in Berlin. Er dient den Nazis als Vorwand für die Reichstagsbrandverordnung, die zentrale Grundrechte außer Kraft setzt. "Babylon Berlin - Die Doku" schildert die wahren politischen Hintergründe zur finalen Staffel der deutschen Mega-Serie.
Deutschland zwischen Ende Januar und Ende März 1933: Adolf Hitler und seine Nationalsozialisten hebeln in nur sieben Wochen die Demokratie aus. Deutschland wird ein faschistisch regierter Staat.
© SWR/Faber Courtial 9 Deutschland zwischen Ende Januar und Ende März 1933: Adolf Hitler und seine Nationalsozialisten hebeln in nur sieben Wochen die Demokratie aus. Deutschland wird ein faschistisch regierter Staat.
Die Gleichschaltung der Polizei war ein wichtiger Schritt zur Entstehung der NS-Diktatur. Schnell wurden SA-Schläger zu Hilfspolizisten ernannt. Die neuen Machthaber wussten, dass eine große Verhaftungswelle anstehen würde.
© SWR/Bundesarchiv /Von Ebert bis Papen, ID 65904 9 Die Gleichschaltung der Polizei war ein wichtiger Schritt zur Entstehung der NS-Diktatur. Schnell wurden SA-Schläger zu Hilfspolizisten ernannt. Die neuen Machthaber wussten, dass eine große Verhaftungswelle anstehen würde.
Auch der Demokrat und Pazifist Carl von Ossietzky glaubt lange an die Stärke Demokratie und an den Rechtsstaat, bis zuletzt.
© SWR/picture alliance Ossietzky ID 21638521 9 Auch der Demokrat und Pazifist Carl von Ossietzky glaubt lange an die Stärke Demokratie und an den Rechtsstaat, bis zuletzt.
Ernst Thälmann, der Vorsitzende der Kommunistischen Partei, versteht sofort, was die Machtübernahme der Nazis bedeutet.
© SWR/picture alliance Thälmann ID 455537869 9 Ernst Thälmann, der Vorsitzende der Kommunistischen Partei, versteht sofort, was die Machtübernahme der Nazis bedeutet.
Der Reichstagsabgeordnete Theodor Heuss, von 1949 bis 1959 war er erster Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, ist zwar ein überzeugter Demokrat, erkennt aber erst spät, wie umfassend der Nazi-Terror ist.
© SWR/ullstein bild Heuss/ ID 1078126 9 Der Reichstagsabgeordnete Theodor Heuss, von 1949 bis 1959 war er erster Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, ist zwar ein überzeugter Demokrat, erkennt aber erst spät, wie umfassend der Nazi-Terror ist.
Der Admiral Magnus von Levetzow dient sich den Nazis an und setzt als Polizeipräsident von Berlin ihre Politik um. Später war er den Nazis nicht mehr radikal genug.
© SWR/imago Levetzov ID / 770801799 9 Der Admiral Magnus von Levetzow dient sich den Nazis an und setzt als Polizeipräsident von Berlin ihre Politik um. Später war er den Nazis nicht mehr radikal genug.
Joseph Goebbels, zunächst NSDAP-Gauleiter von Berlin, wird später auch Reichspropagandaminister. Er ist einer der maßgeblichen Architekten der NS-Diktatur.
© SWR/picture alliance Goebbels / ID 594686SWR/picture alliance Goebbels / ID 594686 9 Joseph Goebbels, zunächst NSDAP-Gauleiter von Berlin, wird später auch Reichspropagandaminister. Er ist einer der maßgeblichen Architekten der NS-Diktatur.
Finanzexperte und Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht ist ein wesentlicher Wegbereiter der NS-Diktatur.
© SWR/ullstein bild Schacht ID 221259 9 Finanzexperte und Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht ist ein wesentlicher Wegbereiter der NS-Diktatur.

Es ist ein langer Weg, den eine der größte Serien, die je in Deutschland produziert wurden, zurückgelegt hat. Er dauerte länger als jene Zeitspanne, die in Volker Kutschers Romanverfilmungen rund um die Fälle von Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) im Berlin der Weimarer Republik ins Land gezogen ist. Am 13. Oktober 2017 startete die historische Krimiserie beim Bezahlsender Sky. Rund ein Jahr später folgte die Ausstrahlung bei Koproduzent ARD. Die Handlung beginnt im April 1929, das Finale (Romanvorlage: "Märzgefallene") spielt nun zwischen Januar und März 1933, direkt im Umfeld von Reichstagsbrand und Machtübernahme der Nazis. Die Doku "ARD History: Babylon Berlin - Die Doku" erläutert nun die wahren Hintergründe.

Seit 10. September laufen die acht Folgen der fünften und letzten Staffel "Babylon Berlin" in der ARD-Mediathek (Sky ist mittlerweile ausgestiegen). Am Samstagabend, 19. September, füllen die ersten vier Folgen zudem die lineare Primetime im Ersten. Es ist die politischste Staffel, denn 1933 findet die Machtübernahme der Nazis statt.

Berlin, Anfang 1933: Innerhalb weniger Wochen reißen die Nationalsozialisten die Weimarer Demokratie nieder. Demokratische Institutionen werden entmachtet, politische Gegner und Juden verfolgt, Recht und Gesetz außer Kraft gesetzt. Die begleitende Dokumentation von Christian Jakob beleuchtet jene erste Wochen des NS-Regimes anhand von sieben Einzelschicksalen. Während Menschen wie die Journalistin Gabriele Tergit oder Kommunistenführer Ernst Thälmann rasch zu Opfern des NS-Terrors werden, treiben andere den Aufbau der Diktatur voran und machen dabei Karriere - etwa der Finanzfachmann Hjalmar Schacht oder der neue Berliner Polizeipräsident Magnus von Levetzow.

Das Ende der Demokratie in sieben Wochen

Anhand des Schicksals der sieben Protagonisten, zu denen auch der kritische Journalist Carl von Ossietzky ("Die Weltbühne") oder der Reichstagsabgeordnete und spätere Bundespräsident (1949-1959) Theodor Heuss zählt sowie NSDAP-Propagandaminister Joseph Goebbels, werden jene Schicksalswochen erzählt, in denen ein demokratisches System komplett in eine Diktatur verwandelt wurde. Mithilfe nachkolorierten Archivmaterials und aufwendiger Animationen lässt die Dokumentation das Berlin des Jahres 1933 lebendig werden. Selten war die Serie "Babylon Berlin" übrigens so dicht an der politischen Realität dran wie in der finalen Staffel.

"ARD History: Babylon Berlin - Die Doku" wandelt präzise mithilfe von Interviews mit Historikern und anderen Forschern auf den Auslöschungsspuren der ersten deutschen Demokratie: Am 30. Januar 1933 ernennt Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Seine Partei, die NSDAP, verfügte damals über keine Mehrheit. Am 27./28. Februar folgt der Reichstagsbrand. Er dient als Vorwand für die Reichstagsbrandverordnung, die zentrale Grundrechte außer Kraft setzt. Am 5. März finden die letzten formal noch relativ freien Reichstagswahlen statt, die aber bereits einen stark repressiven Charakter hatten. Die NSDAP holt den Sieg und kann mit einem kleinen Partner, der DNVP (Deutschnationale Volkspartei), regieren. Am 23. März wird das "Ermächtigungsgesetz" verabschiedet - der Reichstag entmachtet sich selbst. Hitler kann fortan ohne Parlament und Reichspräsident Gesetze erlassen.

ARD History: Babylon Berlin - Die Doku - Mo. 21.09. - ARD: 22.50 Uhr

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