Die Kunst des ungepflegten Scheiterns: Warum die Spionageserie "Slow Horses" immer besser wird

Der Chef ist unausstehlich, die Mitarbeitenden sind weitgehend inkompetent und/oder sozial auffällig - und trotzdem ist es keine Übertreibung: "Slow Horses" ist die großartigste Spionageserie, die derzeit zu sehen ist. Auch wenn das Apple TV-Original weitgehend unter dem Radar läuft: Schon seit 2022 schikaniert Gary Oldman als verlotterter Leiter einer Abteilung aussortierter Agenten des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5 bei Apple TV eine Bande von Nerds und vermeintlichen Losern. Obwohl sie aufgrund von Kompetenzdefiziten niemandem etwas zuleide tun (können) stehen sie in der sechsten Staffel alle auf einer Abschussliste und kämpfen ab 16. September in sechs Episoden ums Überleben.
Das Slough House ist die Resterampe des MI5. Hierhin schiebt der Geheimdienst all jene ab, die er am liebsten vergessen würde: Zu dieser Loser-Truppe gehören Typen wie der ambitionierte River Cartwright (Jack Lowden), gescheiterte Existenzen und sich masslos überschätzende Computernerds. Über ihnen allen thront Jackson Lamb: Gary Oldman spielt ihn als wandelnde Zumutung, deren Geruch von fettigem Haar, billigem Fusel, Kippen und Flatulenzen förmlich aus dem Bildschirm kriecht.
Eine Geschichte über die Würde
In Staffel sechs werden diese "Slow Horses" plötzlich zur Zielscheibe: Nach dem Tod von zwei ehemaligen Agenten taucht die aktuelle Belegschaft notgedrungen unter. Es scheint, als hätte sie die zur MI5-Chefin aufgestiegene Diana Taverner (Kristin Scott Thomas) in ein tödliches Spiel aus Vergeltung und Rache verwickelt. Oder gibt es vielleicht doch noch andere Mächte, die ihre Finger im Spiel haben? Und warum taucht eine Totgeglaubte plötzlich wieder auf?
Wirklich klar ist erst mal nichts, außer dass die Serie nach Mick Herrons Romanen ihrem Erfolgsrezept treu bleibt: ein cleverer Plot, bitterböser Sprachwitz und Figuren, die gerade wegen ihrer Macken interessant sind. Denn eigentlich ist die Agentenposse eine kluge, wenn auch sehr düstere Komödie über einsame, gescheiterte Existenzen und eine Gesellschaft, in der die Würde des Menschen keineswegs selbstverständlich und schon gar nicht unantastbar ist.
Wie bereits erwähnt ist es keine Übertreibung: "Slow Horses" ist die beste Spionageserie, die derzeit zu sehen ist. Schön also, dass Apple TV die siebte Staffel bereits produziert und die achte Staffel ganz frisch angekündigt hat.