Die Königin der Krimis: Vor 50 Jahren starb Agatha Christie
Keiner ermittelt wie Hercule Poirot oder Miss Marple. Auch Jahrzehnte nach ihrer literarischen Geburt haben die legendären Detektivfiguren nichts von ihrer Begeisterung eingebüßt. Immer wieder werden ihre Fälle neu verfilmt, zuletzt etwa in den Blockbustern mit Kenneth Branagh (65) als Hercule Poirot, oder dienen als Vorbild für zahlreiche weitere Kriminalgeschichten. Vor 50 Jahren starb mit Dame Agatha Christie (1890-1976) das Genie hinter den Figuren - die Königin des Krimis, des Verbrechens und des Arsens.
Mit mehr als zwei Milliarden verkauften Büchern gehört die Britin zu den erfolgreichsten Autorinnen der Welt. Ihr Kriminalroman "Und dann gabs keines mehr" von 1939 ist der meistverkaufte Kriminalroman der Welt, ihr Theaterstück "Die Mausefalle" läuft täglich in den Kriminaltheatern der Welt.
Mit Hercule Poirot und Miss Marple zu Weltruhm
Eigentlich wollte Christie Sängerin werden und studierte Musik in Paris. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs brach sie das Studium ab und arbeitete als Krankenschwester und in einer Apotheke, wobei sie sich viel Wissen über Gifte aneignete - Kenntnisse, die ihr als Schriftstellerin später sehr zugutekamen. Allerdings fand sie schnell mehr Gefallen am Schreiben, genauer gesagt am Schreiben von spannenden Kriminalgeschichten mit zahlreichen Figuren, die meist durch komplizierte Familiengeschichten, Affären, Lügen und Intrigen verbunden sind. Die Einfälle seien ihr früher in der Badewanne während des Apfelessens gekommen, sagte Agatha Christie der "New York Times" 1966. Danach passierte es auch beim "Gehen oder einfach nur Abwaschen, ein mühsamer Prozess".
Ihren ersten Roman verfasste sie 1920 mit "Das fehlende Glied in der Kette", in dem man gleich den eigenbrötlerischen belgischen Ermittler Hercule Poirot mit dem massiven Schnauzbart und den Zwängen kennenlernte. Mit dem Erscheinen des sechsten von 33 Poirot-Fällen namens "Alibi" wurde sie 1926 schlagartig berühmt.
1930 kam dann mit "Mord im Pfarrhaus", dem ersten von zwölf Miss-Marple-Fällen, eine neue, ganz andere Figur hinzu. Die britische alte Dame Miss Marple mit den Stricknadeln überführt ihre Mörderinnen und Mörder, die bevorzugt zu Arsen oder Strychnin greifen, vor allem durch Neugier und Smalltalk. "Gebt mir eine anständige Flasche Gift und ich werde das perfekte Verbrechen konstruieren", soll Christie einmal gesagt haben.
Elf Tage spurlos verschwunden
Vielleicht weniger bekannt als ihre eigenen Krimifiguren, aber nicht weniger spannend: Agatha Christie wurde einst selbst Gegenstand eines Kriminalfalls, der bis heute nicht restlos geklärt ist. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs hatte Christie 1926 mit privaten Problemen zu kämpfen. Ihre Mutter war gestorben und ihr Ehemann Archibald Christie, mit dem sie seit 1914 verheiratet war, gestand ihr eine Affäre mit seiner Golfpartnerin.
Infolgedessen zog sich Agatha Christie zurück - und zwar auf mysteriöse Agatha-Christie-Art. Sie verschwand im Dezember elf Tage spurlos und löste damit eine Suchaktion mit 15.000 Beteiligten aus, an der sich auch Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930), der Autor der Sherlock-Holmes-Bücher, beteiligte. Nachdem zunächst ihr Auto verlassen an einer Kalkgrube entdeckt wurde, fand man Christie schließlich in einem Hotel in Yorkshire, in dem sie ausgerechnet unter dem Namen der Geliebten ihres Ehemannes abgestiegen war. Bis zu ihrem Tod äußerte sie sich kein einziges Mal zu ihrem Verschwinden. Das Mysterium wurde wiederum Gegenstand zahlreicher Werke und unter anderem 1979 mit Dustin Hoffman (88) als "Das Geheimnis der Agatha Christie" verfilmt.
Expeditionen im Orient
Zwei Jahre blieb sie nach ihrem Verschwinden noch mit Archibald verheiratet, mit dem sie 1919 ihre einzige Tochter Rosalind bekommen hatte. 1930 heiratete sie ihren zweiten Ehemann: Den 14 Jahre jüngeren Max Mallowan hatte sie nach einer Reise mit dem Orientexpress im heutigen Irak kennengelernt, wo er als Archäologe arbeitete. Fortan unterstützte Christie ihn mit Fotoaufnahmen bei seinen Ausgrabungen im Nordirak und in Syrien und verfasste zahlreiche ihrer Miss-Marple-Romane auf diesen Expeditionen. "Ein Archäologe ist der beste Ehemann, den eine Frau haben kann; je älter sie wird, umso mehr interessiert er sich für sie", wird Christie in Bezug auf Mallowan zitiert.
Am 12. Januar 1976 verstarb die Queen of Crime Agatha Christie im Alter von 85 Jahren. Sie hinterließ ein unschätzbar wertvolles Erbe: 66 Romane, zahlreiche Kurzgeschichten, zwei Autobiografien, mehrere Lyriksammlungen und 23 Bühnenstücke, die bis heute gelesen, rezipiert, aufgeführt und verfilmt werden. Und natürlich das große Geheimnis über ihr Verschwinden.
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