Die große Facebook-Abrechnung: Das sind die Kino-Highlights der Woche
Hass, Hetze, Fake News - dass es das alles bei Facebook und Instagram im Überfluss gibt, ist schon lange offenkundig. Der übergeordnete Meta-Konzern erklärte auch schon häufig genug, entschieden gegen entsprechende toxische oder schädliche Inhalte vorzugehen. Wie hinter verschlossenen Türen wirklich mit den genannten Problemen umgegangen wird und wo die Prioritäten liegen, wenn gleichzeitig auch die Profitfrage im Raum steht, konnte man von außen allerdings nie einschätzen - bis 2021 die sogenannten "Facebook Files" veröffentlicht wurden, die Aaron Sorkin jetzt auch als Grundlage für seinen neuen Film "The Social Reckining" dienen.
Außerdem neu in dieser Woche: Andreas Dresen, mehrfacher Gewinner des Deutschen Filmpreises, blickt mit prominenter Besetzung auf eine "Alte Liebe", und "Lügen über meine Mutter" erzählt mit Rosalie Thomass in der Hauptrolle von einer Frau, die angeblich zu dick ist.
The Social Reckoning
Die moderne Welt erklären ohne Facebook - eigentlich unmöglich. Drehbuchautor Aaron Sorkin und Regisseur David Fincher griffen also ein durchaus bedeutsames Thema auf, als sie 2010 in "The Social Network" nacherzählten, wie Mark Zuckerberg seine Netzwerk-Idee entwickelte und zu einem weltumspannenden Erfolg machte. Das Biopic-Drama mit Jesse Eisenberg in der Hauptrolle gewann zahlreiche Filmpreise, darunter vier Golden Globes und drei Oscars.
16 Jahre später erzählt Aaron Sorkin die Geschichte in "The Social Reckoning" weiter, wobei der Autor bei dem Sequel auch selbst Regie führte. Meta-Boss Mark Zuckerberg wird nicht mehr von Jesse Eisenberg verkörpert, der sich der Figur inzwischen nach eigener Aussage entwachsen fühlt, sondern von Jeremy Strong. Zuckerberg ist diesmal aber ohnehin nicht die Hauptfigur, der Fokus liegt stattdessen auf Frances Haugen (Mikey Madison) und Jeff Horowitz (Jeremy Allen White).
Frances Haugen arbeitet als Ingenieurin bei Facebook, hat in ihrer Funktion Einblick in wichtige Abläufe im Hintergrund und sieht in internen Papieren und Protokollen Dinge, die sie bestürzen. Dinge, von denen die Öffentlichkeit ihrer Meinung nach dringend erfahren sollte. Es geht um politische Radikalisierung, um den negativen Einfluss von sozialen Medien auf junge Menschen, um das Wohl der Gesellschaft. Also wendet die Whistleblowerin sich an Jeff Horowitz, einen Journalisten des "Wall Street Journal". Bald schon beginnt die Arbeit an einer Serie von Artikeln, die die Welt aufklären und aufrütteln sollen, doch Mark Zuckerberg und sein Unternehmen stemmen sich mit aller Macht gegen diese "Abrechnung" (englisch "reckoning").
Alte Liebe
Den Kaffee, den er morgens aufbrüht, findet sie "ein bisschen lasch", und die alberne Frage, ob das damals vor 40 Jahren nun eine Hochzeit aus "Liebe" war oder nicht, werde sie jetzt ganz sicher nicht mehr mit ihm diskutieren. Fakt ist: Lore (Dagmar Manzel) und Harry (Joachim Król) sind nun eben seit 40 Jahren verheiratet, mit guten und schlechten Tagen, und Harry ist seit neuestem Pensionär. Es ist keine spektakuläre, aber für sich genommen doch eine ziemlich komplizierte Phase, in der Filmemacher Andreas Dresen seine beiden Hauptfiguren in den Blick nimmt.
Seit vier Jahrzehnten verheiratet, da sind die Schmetterlinge im Bauch längst verflogen. Es wird in dieser Beziehung nichts mehr beschönigt, nichts verborgen, nichts verkniffen. Aber Liebe ist das, was Lore und Harry verbindet, irgendwie doch. Eine "Alte Liebe", die tiefer geht als alles andere und in der Inszenierung des vielfach preisgekrönten Filmemachers Andreas Dresen ("Wolke Neun", "Gundermann") durchaus auch ihre sehr romantischen Momente hat - inklusive Schaumbad bei Kerzenschein.
Auf der Handlungsebene passiert nicht sonderlich viel in "Alte Liebe", außer dass die Tochter von Lore und Harry zum dritten Mal heiratet. Die Geschichte, basierend auf einer literarischen Vorlage von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, spielt sich ansonsten vor allem in den Dialogen ab, in Zwischentönen und vielsagendem Blicken. Harry sitzt als Neu-Pensionär viel zu Hause im Garten, seine Ehefrau betrachtet die Situation mit Skepsis und scheut klare Worte nicht. "Du liest nicht, du interessierst dich nicht, du verblödest langsam." Lore hat Sorge, an der Seite von Harry "müde und langweilig" zu werden. Braucht die alte Liebe frischen Wind?
Lügen über meine Mutter
Ab wann darf man einen Menschen als "dick" bezeichnen? Und wie dick ist zu dick? Es braucht sicherlich einiges an Mut, Entschlossenheit und auch Fingerspitzengefühl, um diese sensible Thematik in der heutigen Zeit überhaupt künstlerisch aufzugreifen. Daniela Dröscher hat es getan: Im autobiografischen Roman "Lügen über meine Mutter" (2022) erzählte sie aus der Perspektive eines Kindes davon, wie das Gewicht der Mutter zum großen Thema für die gesamte Familie wird. Regisseur Aaron Lehmann ("Was man von hier aus sehen kann") hat die Bestseller-Geschichte nun zusammen mit Rosalie Thomass fürs Kino adaptiert.
Westdeutschland, 80er-Jahre, irgendwo in der Provinz kommt eine Familie zusammen, um zu feiern. "Muss das sein, dass das da so eng ist? Man könnte fast meinen, du wärst schwanger", piesackt Werner (Golo Euler) mal wieder seine Frau Cornelia (Rosalie Thomass). Diese kichert die Unverschämtheit ohne weiteren Kommentar weg, sie hört solche Sätze ständig von ihrem Mann. Die Tochter Ela (Elise Lindner), aus deren Sicht die Ereignisse erzählt wird, schaut erst nur mit großen Augen. Später im Film hat sie irgendwann Angst, "dass Mama kaputtgeht".
"Tatort"-Star Rosalie Thomass, die hier fraglos eine der anspruchsvollsten Rollen ihrer bisherigen Karriere angenommen hat und auch das Drehbuch zu "Lügen über meine Mutter" schrieb, präsentiert Cornelia als eine Frau mit viel Charakter, Charme und Witz. Eine starke Persönlichkeit, die jedoch fortlaufend von ihrem Mann erniedrigt wird. Werner ist geradezu besessen von der Ansicht, dass seine Frau zu dick sei und dass sich das auch negativ auf sein Leben auswirke: "Ich werde niemals eine gehobene Stellung bekommen ohne eine vorzeigbare Frau." Sie solle sich endlich zusammenreißen und abnehmen. Umso mehr kämpft Cornelia für ihre Freiheit - das Filmstudio verspricht ein "kraftvolles Plädoyer für weibliches Empowerment".
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