"Die Falle": So gut ist die neue Netflix-Serie der Macher von "Liebes Kind"
Mit Top-Ten-Platzierungen in über 90 Ländern und einem internationalen Emmy Award wurde der deutsche Netflix-Psychothriller "Liebes Kind" 2023 zu einer der erfolgreichsten nicht-englischsprachigen Serien des Streamers. An diesen Erfolg möchte das Team um Drehbuchautorin, Regisseurin und Creative Producerin Isabel Kleefeld sowie die Produzenten Tom Spiess und Friederich Oetker mit "Die Falle" (ab Dienstag, 13. Oktober) nun anknüpfen. Der Sechsteiler basiert auf dem Romandebüt von Melanie Raabe ("Der Schatten"), die Hauptrollen spielen Friederike Becht und Hans Löw. Die entscheidende Frage für "Liebes Kind"-Fans lautet: Ist "Die Falle" ebenso spannend und nervenzehrend wie der Vorgänger?
Ein Köder für das Monster
Seit zehn Jahren lebt die Bestsellerautorin Lisa Konrad (Becht) abgeschottet in einer Villa, die sie niemals verlässt. Ihre wichtigsten Bezugspersonen sind ihr Verleger (Matthias Brandt), ihre Agentin (Anna Schudt) und ihre Assistentin (Malaya Stern Takeda). Der Grund für Lisas Isolation ist der Mord an ihrer Schwester Anna (Josephine Thiesen). Lisa fand die Sterbende damals auf und konnte noch kurz das Gesicht des flüchtenden Täters erhaschen. Dieses traumatische Erlebnis stürzte sie in eine schwere psychische Krise. Bis heute wird sie von einer Psychologin (Ursula Strauss) betreut und steht unter starken Medikamenten. Die Polizei hat den Mordfall längst zu den Akten gelegt, Lisa jedoch nicht.
Als sie beim Fernsehen im Journalisten Robert Lenzen (Löw) "das Monster" wiederzuerkennen glaubt, fasst sie einen Plan: Sie will ihm eine Falle stellen und seine DNA sichern. Der Köder: sie selbst. Seit Jahren wartet die Presse auf ein Interview mit Lisa. Nun erhält Lenzen von ihr das Angebot, das er nicht ablehnen kann: Anlass des Interviews soll ein noch nicht existierender Roman sein, und er handelt von Annas Tod.
Wie besessen stürzt sich Lisa in das Schreiben des Buches und die Vorbereitung auf die Begegnung mit Lenzen, so akribisch, als wäre sie auf einer Agentenmission. Von Martin Langer in fantasievolle, rauschhafte Bilder übersetzt, verschwimmen Erinnerung und Fiktion, Realität und Schein zunehmend.
Ein zweites "Liebes Kind"?
Friederike Becht spielt Lisa mit derselben körperlichen und emotionalen Kraft, wie man sie etwa im Trinkerdrama "Im Rausch", ebenfalls mit Hans Löw, von ihr sah. Man möchte der traumatisierten Frau glauben - doch, so Becht, "ist die Wahrheit, an die sie so lange geglaubt hat, tatsächlich die Wahrheit?" Genau darin habe für sie die Aufgabe der Figur gelegen: "Sie muss den Mut finden, sich selbst noch ganz neu zu begegnen. Da gab es für mich als Schauspielerin viel zu begreifen und zu vermitteln."
Auch das Publikum hat einiges zu begreifen und zu entschlüsseln. Anders als "Liebes Kind" vermag das Psychospiel allerdings nicht über alle sechs Folgen hinweg zu fesseln. Die Handlung, und mit ihr der Zuschauer, verliert sich in allzu vielen klischeehaften, überzogenen Krimi-Elementen. Hinzu kommen oft stumpfe Dialoge und Off-Kommentare, die den namhaften Stars in den Mund gelegt werden. Auch die Musik von Oscarpreisträger Volker Bertelmann ("Im Westen nichts Neues") und Ben Winkler klingt eher nach "SOKO" als nach großem Kino.
Oder sind womöglich einfach die Erwartungen, ein zweites "Liebes Kind" zu sehen, zu hoch? Denn wer diese beiseitelegt, bekommt, dank dem prominenten Cast und Bechts intensiver Darstellung, mit "Die Falle" am Ende solide Thrillerkost serviert, die sich an einem verregneten Herbsttag gut durchbingen lässt. Ein 90-Minüter hätte es allerdings auch getan.
Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur teleschau. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an info@teleschau.de
- Themen:
- Oscarpreisträger
- Polizei










