Die Ex-Agenten sind zurück: "Wenn einer den Sozialismus rettet, dann wir"

Im ersten Teil halfen vier Ex-DDR-Agenten bei der Wiedervereinigung zweier ehemaliger Sowjetrepubliken, nun wollen sie den Sozialismus auf Kuba retten. Erneut dabei sind die Altstars Henry Hübchen, Thomas Thieme und Winfried Glatzeder. Katharina Thalbach ersetzt in "Kundschafter des Friedens 2" den verstorbenen Michael Gwisdek.
von  Susanne Bald
"Der James Bond des Ostens" ist in die Jahre gekommen. Zwar hat Falk (Henry Hübchen) noch denselben Charme wie früher, doch er muss erkennen, dass seine Sinne nicht mehr so scharf sind wie einst.
"Der James Bond des Ostens" ist in die Jahre gekommen. Zwar hat Falk (Henry Hübchen) noch denselben Charme wie früher, doch er muss erkennen, dass seine Sinne nicht mehr so scharf sind wie einst. © Majestic

Für eine wichtige Mission noch einmal die alte Truppe zusammentrommeln. Das war die Prämisse unterhaltsamer Filme wie "Space Cowboys", "R.E.D." und auch "Kundschafter des Friedens". Teil eins lockte 2017 über 350.000 Menschen ins Kino, Teil zwei im vergangenen Jahr gerade einmal 60.336. Dabei ist er mindestens so sehenswert wie der Vorgänger. Nachholen kann man die Komödie von Regisseur Robert Thalheim, der das Drehbuch gemeinsam mit Peer Klehmet schrieb, am Freitagabend als Free-TV-Premiere bei ARTE.

Im ersten Film halfen der Ex-DDR-Spezialagent Falk (Henry Hübchen) und sein altes Team, Techniker Jaecki (Michael Gwisdek), Logistiker Locke (Thomas Thieme) und "Romeo" Harry (Winfried Glatzeder), dem BND dabei, die Wiedervereinigung zweier ehemaliger Sowjetrepubliken zu retten. In Teil zwei nun wollen sie nichts weniger als "den Mauerfall Kubas" (Falk) verhindern.

Nach Michael Gwisdeks Tod stößt Katharina Thalbach als frühere Agentin Tamara zum Team. Die Ex-Kollegen treffen bei der Beerdigung ihres nach Kuba ausgewanderten Mentors Markus Fuchs auf dessen Tochter Helene (Corinna Harfouch), Falks frühere Liebe, die seinerseits sogleich neu entflammt.

"Traue nicht dem Schein"

Helene bittet die vier, das Erbe ihres Vaters zu retten: die Ernst-Thälmann-Halbinsel auf Kuba, die Fidel Castro einst der DDR geschenkt und später ihrem Vater überschrieben hatte. Markus' Friseurin Lucia (Lynne Ann Williams) habe den nicht mehr zurechnungsfähigen alten Mann dazu gebracht, sein Testament zu ändern und sie statt Helene als Erbin der Insel einzusetzen - angestiftet von Exil-Kubanern in den USA, die sie kommerzialisieren wollen.

Ein Testament austauschen? Für die alten Profis die einfachste Übung. Nun ja, nicht ganz, doch am Ende gelingt der Coup, inszeniert in bester Heist-Movie-Manier, denn: "Wenn einer den Sozialismus rettet, dann wir." Zum Dank darf es sich das Quartett auf Helenes Kosten im All-inclusive-Luxusressort gut gehen lassen. Nicht das Schlechteste in ihrem Alter, zumal hier "alles noch wie früher" zu sein scheint, wie Tamara bei der Ankunft in Kuba glücklich feststellt. Nur: Wäre es so einfach, dann wäre der Film nach 30 Minuten vorbei.

Denn Helene bestätigt die alte Agentenregel, an die sie selbst Falk zuvor noch erinnert hatte: "Traue nicht dem Schein." Nein, nicht Lucia ist hier die Böse ... Und so setzen die vier Ex-Agenten alles daran, die vermeintlich letzte Bastion des Sozialismus vor dem Ausverkauf zu retten. Zumal die Revolution ansonsten auf Kuba mittlerweile hauptsächlich in Form von Touristen-Unterhaltern in Che-Guevara-Kostümen zu existieren scheint.

Wie die Agenten Fidel Castro retteten

Wie in Teil eins, der im Anschluss wiederholt wird, lassen auch diesmal irgendwann die Spannung und der gute Humor immer mehr nach. Aber bei diesem gut gelaunten, liebenswert-schrulligen Cast möchte und kann man fast alles verzeihen.

Ein Highlight gleich zu Beginn: der Rückblick zu einer früheren Mission der noch jungen Agenten, um Fidel Castro vor einem geplanten Anschlag zu retten. Locke hatte damals tatsächlich noch Locken, die junge Tamara wird passenderweise von Katharina Thalbachs Enkelin Nellie verkörpert. Inszeniert ist das mit Splitscreen-Technik und bester 70er-Jahre-Atmosphäre, eine offensichtliche Hommage an die DEFA-Agentenserie "Das unsichtbare Visier", die dereinst Armin Mueller-Stahl zum "James Bond des Ostens" machte - die Rolle, die hier Henry Hübchen als Falk zukommt.

Überhaupt Hübchen: Wie er das alte Schlitzohr spielt, das einerseits so taff und frech sein kann und dann so rührend unter der enttäuschten Liebe und zunehmenden Alterserscheinungen leidet, das ist wieder einmal ganz großes Kino.

"Kundschafter des Friedens 2" - Fr. 02.10. - ARTE: 20.15 Uhr

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