"Die Düsteren": Fiese Doppelgänger aus dem Meer

Was wäre, wenn man eine frühere Entscheidung rückgängig machen und das Leben noch einmal neu leben könnte? In der Serie "Die Düsteren" fällt die Antwort genau so aus, wie es der bedrohliche Titel verspricht.
von  Susanne Bald
Was macht Soma (Lisa-Marie Koroll), wenn die "Inselhexe" sie davor warnt, ans Meer zu gehen? Genau, sie geht ans Meer. Und dort braut sich bei ihrer Ankunft sofort etwas über dem Wasser zusammen - das Portal zu anderen Dimensionen?
Was macht Soma (Lisa-Marie Koroll), wenn die "Inselhexe" sie davor warnt, ans Meer zu gehen? Genau, sie geht ans Meer. Und dort braut sich bei ihrer Ankunft sofort etwas über dem Wasser zusammen - das Portal zu anderen Dimensionen? © ZDF/Karl Kürten

Was wäre gewesen, hätte man an einem bestimmten Punkt im Leben anders gehandelt? Und was wäre, wenn man zurückkehren und sein Leben noch einmal neu, anders leben könnte? Die Drehbuchautoren Jan Martin Scharf und Arne Nolting haben in "Die Düsteren" (ab 3. Oktober im ZDF-Streamingportal sowie am Mittwoch, 21. Oktober, bei ZDFneo) eine ziemlich gruselige Vorstellung davon.

Der sechsteilige Mystery-Thriller könnte auch "Die Doppelgänger" heißen, doch das klänge natürlich weitaus weniger mysteriös und bedrohlich, und genau das ist das "ZDFneoriginal", das Regisseurin Lea Becker inszenierte und Karl Kürten eindrucksvoll visualisierte. Denn hier tauchen plötzlich die Versionen von Menschen auf, die sie gewesen wären, hätten sie sich damals für den falschen Weg entschieden. Als Doppelgänger kommen sie auf der Nordseeinsel Kaltenoog aus dem Watt gekrochen.

Es regnet tote Möwen

Auslöser der mysteriösen Geschehnisse scheint die elternlose Soma (Lisa-Marie Koroll, bekannt geworden als Tina in der "Bibi und Tina"-Reihe) zu sein, die es auf der Suche nach ihrer Herkunft auf die Insel verschlägt. Kaum ist die junge Frau mit ihren Freunden Paula (Melodie Simina) und Flynt (Ivo Kortlang) auf Kaltenoog angekommen, fallen tote Möwen vom Himmel wie dereinst die biblischen Frösche in "Magnolia". Ein Omen?

Eine Bleibe finden die Freunde auf dem Campingplatz, den Kathrin Sandmann (Mona Pirzad) mit ihrem Mann Ben betreibt. Ben wird von Max Riemelt gespielt, der durch die viel zu wenig beachtete Serie "Sense8" bereits einiges gewöhnt ist, was Zeit-, Raum- und Körper-überschreitende Phänomene angeht. Aber wie ist das möglich, Ben und Kathrin zusammen auf dem Campingplatz?

Zu Beginn der Auftaktfolge konnte man nämlich sehen, wie Ben seine Frau mit einem anderen erwischte, im wörtlichen Sinne aus der Haut fuhr und beide im Wutrausch erschlug. War das etwa eine andere Version von ihm? Jene, die Soma wenig später aus dem Watt kommen sieht?

Dunkle Prophezeiungen

Zuvor hatte Inselpolizist Till (Ludger Bökelmann) Soma zur sonderbaren "Kräutertante" Amke Lund (Corinna Kirchhoff) geschickt, die etwas über ihre Mutter wissen könnte. Doch anstatt Hilfe erhält Soma bedrohliche Prophezeiungen: "Du musst weg von hier, sofort! Runter von der Insel, sonst kommen sie ... lauf, solange es noch geht!", schrie die Alte ihr entgegen. "Es darf sich nicht öffnen, sonst sind wir alle verloren!"

Wer kommt? Was öffnet sich, und was hat Soma damit zu tun? Die Antworten bleibt Amke Soma schuldig, sie erschließen sich über die sechs spannenden, zuweilen beklemmenden und schockierenden Folgen bis ganz zum Schluss nach und nach. Während Soma der Wahrheit über ihre Herkunft näherkommt, steigen weitere Doppelgängerinnen und Doppelgänger aus dem Meer, und beides scheint zusammenzuhängen.

Paranormale Geschehnisse, Visionen, Albträume oder alternative Realitäten: Egal was es am Ende auch sein mag, es ist, nicht zuletzt auch visuell, großartig inszeniert. Was hier computertechnisch gemacht wurde, muss den Vergleich mit großen internationalen Produktionen nicht scheuen. Wobei "Die Düsteren" selbst eine internationale Koproduktion ist. Denn dahinter steckt New8, der Zusammenschluss von acht europäischen öffentlich-rechtlichen Sendern, der schon so einige hochwertige Serien hervorbrachte, darunter "Push" und "This Is Not a Murder Mystery".

Künstliche Küstenlandschaft

Auch wenn die fiktive Nordseeinsel Kaltenoog in der Serie sehr authentisch aussieht, ist nicht alles an ihr echt, wie Regisseurin Lea Becker verriet: "Gedreht wurde sowohl im echten Watt als auch im größten Wasserstudio Europas in Brüssel, wo wir mit rund 200 Tonnen Sand, Nebel und umfangreichen Visual Effects die Landschaft nachgebaut und die Unterwassersequenzen realisiert haben."

Hauptdarstellerin Lisa-Marie Koroll ging beim Dreh der Szenen in und am Wasser physisch und psychisch über ihre Grenzen hinaus: "In dem Studio kann man auch sehr hohe Wellen simulieren. Für die Unterwasserszenen habe ich zum Beispiel gelernt, möglichst lange die Luft anzuhalten. Ich hatte Apnoetraining, um zu lernen, bis zu zwei Minuten die Luft anzuhalten und auf ungefähr fünf Meter zu schweben, damit wir diese Szenen, die am Anfang ganz kurz eingeblendet werden, aufnehmen können." Der Einsatz hat sich gelohnt.

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