Die 9 besten Nervous-System-Regulation-Tricks von TikTok
Atemübungen, Kältereize oder Tapping: Auf TikTok und Instagram boomen Methoden, die dabei helfen sollen, das Nervensystem zu regulieren und Stress schneller loszulassen. Vieles davon lässt sich unkompliziert in den Alltag integrieren - doch nicht jeder Trend hält, was er verspricht. Welche Techniken tatsächlich sinnvoll sein können.
Bewusst gegensteuern
Unser Alltag ist geprägt von Hektik, Terminen und dem ständigen Blick aufs Smartphone. Momente, in denen Körper und Kopf wirklich zur Ruhe kommen, haben deshalb Seltenheitswert - obwohl sie so wichtig wären. Wir müssen daher bewusst gegensteuern und Methoden anwenden, die uns dabei helfen, Anspannung abzubauen und zurück in einen ausgeglicheneren Zustand zu finden.
Wenn unser Körper unter Stress gerät, übernimmt der Sympathikus die Regie: Puls und Atmung beschleunigen sich, der Organismus wechselt in Alarmbereitschaft. Für Erholung sorgt hingegen der Parasympathikus. Er beruhigt Herzschlag und Atmung wieder und bringt den Körper zurück in den Normalzustand. Viele Entspannungstechniken setzen daher auf die Aktivierung des Parasympathikus.
Auch die Tipps, die auf TikTok, Instagram & Co. kursieren, basieren meist auf der Aktivierung des Parasympathikus. Sie sind oft erstaunlich simpel. Schon kleine Veränderungen und kurze Rituale können einen großen Unterschied für unser Stresslevel und Wohlbefinden machen. Sie müssen also nicht immer ihr komplettes Leben umkrempeln, um sich besser zu fühlen.
1. Die Macht der Atmung
Mit Ihrer eigenen Atmung können Sie jederzeit und überall "arbeiten". Kein Wunder, dass Yogalehrer sich die Kraft der Atmung ebenso zunutze machen wie Influencer. Im Grundprinzip soll eine schnelle, flache Atmung durch eine tiefere, ruhigere ersetzt werden. Die richtige Atemtechnik kann gegen innere Unruhe und sogar bei Panikattacken helfen.
2. Kälte als Resetknopf
Kältereize spielen eine große Rolle unter den Tipps, die auf Social Media kursieren. Wenn Sie Ihr Gesicht mit kaltem Wasser abspülen oder unter die kalte Dusche steigen, stimuliert das den Vagusnerv, was zu einer kurzfristigen Erholungsreaktion führt. Ihr Puls verlangsamt sich und Ihre Atmung wird ruhiger. Das Gleiche passiert beim Eisbaden.
3. Entspannung durch Druck
Einige Menschen empfinden gleichmäßigen Druck auf den Körper als angenehm und entspannend. Gewichtsdecken sollen genau dieses Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln und werden deshalb häufig bei innerer Unruhe empfohlen. Allerdings sind viele Beiträge in sozialen Netzwerken zugleich Werbung. Deshalb lohnt es sich, Empfehlungen kritisch zu prüfen und nicht jedem Hype zu folgen.
4. Die 5-4-3-2-1-Methode
Die 5-4-3-2-1-Methode ist eine der bekanntesten Achtsamkeitsübungen und wird sowohl in sozialen Netzwerken als auch in der Psychotherapie empfohlen. Sie richten Ihre Aufmerksamkeit dabei nacheinander auf Eindrücke, die Sie sehen, fühlen, hören, riechen und schmecken. Sie starten mit fünf sichtbaren Dingen, machen mit vier spürbaren weiter und fahren so fort. Wenn Sie fertig sind, können Sie von vorne beginnen.
Die 5-4-3-2-1-Technik ist nicht nur eine Social-Media-Erfindung, sondern tatsächlich sehr wirksam bei Stresszuständen. Da Sie sich dabei ganz auf den Moment fokussieren, können Sie mit der Methode negative Gedankenspiralen unterbrechen.
5. Der Butterfly Hug
Der Butterfly Hug stammt aus der Traumatherapie und lässt sich ganz ohne Hilfsmittel anwenden. Sie verschränken dafür die Arme vor der Brust, legen die Hände auf Ihre Schultern und führen mit ihnen abwechselnd sanfte Klopfbewegungen aus. Der gleichmäßige Rhythmus wird oft als beruhigend empfunden. Die Technik wird auf mehreren TikTok-Profilen empfohlen.
6. Tapping
Beim Tapping werden verschiedene Punkte im Gesicht oder am Oberkörper mit den Fingerspitzen abgeklopft. Influencer machen in Videos vor, wie das genau geht. Die Methode hilft angeblich dabei, die Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper zu lenken und innere Anspannung abzubauen. Viele Anwender berichten von positiven Erfahrungen. Wissenschaftlich nachgewiesen ist die Wirksamkeit dieser Methode jedoch nicht.
7. Bildschirmfreie Zeiten
Die Dauerpräsenz des Smartphones macht es uns besonders schwer, herunterzufahren. Wo früher echter Leerlauf war, wird unser Gehirn heute mit Videos, Informationen und Nachrichten gefüttert. Auf TikTok kursieren viele Tipps, wie sich digitale Auszeiten im Alltag einbauen lassen. Manche Creator preisen auch Gadgets an, die beim Digital Detox helfen sollen.
8. Entspannung für zwischendurch
Besonders gefragt sind Tipps, die wenig Zeit kosten und sich fließend in den Alltag einfügen. TikTok bedient auch dieses Bedürfnis nach Nervous System Regulation für zwischendurch. So raten manche Influencer dazu, dass man die kleinen Dinge um einen herum, wie etwa die Wärme der Kaffeetasse oder das Gezwitscher der Vögel, ganz bewusst wahrnimmt. Oder einfach mal nichts tun.
9. Yoga-Techniken in den Alltag integrieren
Um sich mit Yoga-Techniken zu entspannen, müssen Sie nicht umständlich den Abendkurs am anderen Ende der Stadt besuchen. Yoga-Elemente lassen sich auch ganz unkompliziert in den Alltag integrieren. Viele TikToker zeigen, welche Asanas sich besonders gut zur Regulation des Nervensystems eignen. Versuchen Sie es mal mit dem Zusammenführen von Daumen und Zeigefinger im Schneidersitz um Ihre Aufmerksamkeit auf den Moment zu fokussieren.
Was ist Ihr Reset-Button?
Routinen sind ein wichtiges Thema auf Social Media - unter Hashtags wie #sundayresetroutine oder #morningroutine kursieren viele Tipps, die praktische Dinge mit psychischem Effekt verbinden. So kann sowohl ein festes Meditations-Ritual am Abend als auch die sonntägliche Putz-Routine zur Entspannung beitragen. Feste Routinen helfen auch dabei, dass Sie abends besser einschlafen können.
Auf Social Media finden sich durchaus hilfreiche Ideen zur Stressregulation. Dennoch sollten Sie Tipps nicht blindlings befolgen und alles, was geteilt wird, für bare Münze nehmen. Viele Beiträge stammen von Coaches oder Influencern, die nebenbei Kurse, Bücher oder Produkte vermarkten. Sie sollten solchen Content daher immer kritisch hinterfragen.
Wenn der Wunsch nach Entspannung am Ende zu noch mehr Stress führt, haben Sie das Ziel klar verfehlt. Leider passiert oft genau das, denn Social Media vermittelt häufig den Eindruck, dass wir alles erreichen können, wenn wir nur genug an uns arbeiten. Entspannung erreicht man aber nicht durch Druck, noch mehr Übungen und Scrollen, sondern durch echten Leerlauf, der keinen Zweck verfolgt. Wenn Ihnen Social Media beim Stressabbau helfen soll, brauchen Sie Disziplin, einen guten Filter und klare Prioritäten. Schaffen Sie es, Ihnen nur das herauszufiltern, was wirklich zu Ihnen passt, so sind TikTok-Tipps ein echter Gewinn. Wenn Sie jedoch regelmäßig ins Doom-Scrolling verfallen und Sie die vielen Tipps überfordern, sollten Sie vielleicht lieber zu einem Buch greifen oder einen Kurs besuchen.
Oft sind die Tipps auf Social Media einseitig und berücksichtigen wichtige menschliche Bedürfnisse nicht. So etwa das Bedürfnis noch sozialen Kontakten. Es werden überwiegend Entspannungstechniken geteilt, die man alleine durchführt. Viele Menschen schaffen es aber gar nicht, dabei abzuschalten. Mehr als eine Yoga-Session hilft uns oft ein simples Gespräch.
Vielleicht sieht Nervensystemregulation für Sie also ganz anders aus als auf TikTok. Ruhe im Kopf entsteht nicht immer durch Ruhe im Außen - im Gegenteil. Für viele wirken Sport, Reden, Lachen oder Herausforderungen im Alltag wie ein Reset-Button - und nicht etwa eine Meditationsreise. Wichtig ist es, herauszufinden, was für einen selbst funktioniert.
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