Deutschlands anspruchsvollste Politsatire wird 100 - mit einem Skandal

Eigentlich sollte es eine "normale" Jubiläumssendung werden, in der die 100. Ausgabe des vielfach preisgekrönten Polit-Satiremagazins "Die Anstalt" gefeiert wird. Weil allerdings die Geschäftsleitung des ZDF den in der Sendung geplanten Auftritt der Musiker Igor Levit und Danger Dan mit ihrem Song "Keine Angst" kurzfristig absagen ließen, könnte man der Folge mit den festen "Anstaltsleitern" Max Uthoff, Claus von Wagner und Maike Kühl sowie zahlreichen Gästen den Vorwurf unterdrückter Meinungsfreiheit machen. So sehen es jedenfalls die ausgeladenen Musiker, die sich dazu kritisch auf Instagram äußerten. Was genau ist passiert?
In der Sendung sollte die über sieben Minuten lange Version des Songs "Keine Angst" aufgeführt werden, der dazu aufruft und quasi eine detaillierte Anleitung erteilt, sich gegen Rechts zu organisieren und auch abseits klassischer Pfade "aktiv" zu werden. Die ZDF-Geschäftsleitung sah darin die Gefahr, dass der Text des Liedes als "Aufruf zu Gewalt" verstanden werden könne. "Ein solcher Aufruf stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF", zitiert der "Spiegel" ein offizielles Statement. Gemäß der Social-Media-Reaktion der Musiker habe auch das Team der Sendung "Die Anstalt" gegen die Ausladung protestiert. Die Redaktion habe dem Künstlerduo zufolge angekündigt, in der Sendung auf die Absage einzugehen.
Seit über zwölf Jahren auf Sendung
Am 4. Februar 2014 flimmerte die erste Ausgabe des ZDF-Satiremagazins "Die Anstalt" über den Bildschirm. Und schon einen Monat später ging es in Folge zwei erstmals um die Ukraine-Krise - nach der Krim-Annexion und einem von Russland angezettelten Krieg im Donbass. Dabei warf "Die Anstalt" ein wichtiges Element von Kabarett und Polit-Satire über Bord - das der Themenrevue. Während klassische Kabarettisten und Comedians bei Bühnenprogrammen von Thema zu Thema ziehen und dabei jeweils ein paar Gags mitnehmen, wollten "Die Anstalt"-Erfinder Dietrich Krauß, Max Uthoff und Claus von Wagner zunehmend monothematisch werden. Immer deutlicher wurde dieses Konzept seit 2014 herausgearbeitet: Ein Thema pro Folge wird "behandelt", in das Zuschauerinnen und Zuschauer gründlich einsteigen sollen.
Dabei ist "Die Anstalt" eine Mischung aus investigativem Journalismus und satirischer Überhöhung - stets beruhend auf gründlicher Recherchearbeit. Nun feiert das Trio vor der Kamera - Max Uthoff, Claus von Wagner und Maike Kühl - die 100. Sendung. Zum Jubiläum sind unter anderem Christian Tramitz, Lutz van der Horst, Gisa Flake, Julia Gamez, Danger Dan und Band Die Sterne zu Gast. Die Sendung steht nach Ausstrahlung in der ZDF-Mediathek zur Verfügung.
Satire mit viel Recherche-Power
Headautor Dietrich Krauß beschreibt "Die Anstalt" als "eine überambitionierte Mischung aus der 'Sendung mit der Maus' für Erwachsene und 'Monty Python' für Politikfreaks". Die vielleicht anspruchsvollste Satiresendung des deutschen Fernsehens will aufklären, provozieren sowie gleichermaßen zum Lachen wie zum Nachdenken bringen.
Seit 100 Sendungen verbindet man kluge, pointierte Gesellschaftskritik mit sorgfältiger Recherche zu Themen aus Politik und Gesellschaft. Hierfür leistet sich das Team mittlerweile ein mehrköpfiges Autoren- und Rechercheteam, bestehend aus renommierten Journalisten und Sachbuchautorinnen: Cornelius Oettle, Doris Müller, Kathrin Hartmann sowie Ingrid Knorr sorgen dafür, dass in jeder Ausgabe die Themen korrekt und komisch verarbeitet werden.
Dietrich Krauß beschreibt das Entstehen einer neuen Folge so: "Hier wird jeden Monat aufs Neue, in einem neuen Setting ein neues Theaterstück, zu einem neuen Thema aufgeführt. Jede Ausgabe ist quasi ein Prototyp, der aus dem Nichts geschaffen wird. Glücklicherweise wird dieses Neuland immer wieder von vertrauten Figuren bevölkert. Über die Jahre haben die Satirikerinnen und Satiriker dabei ein wahres Panoptikum an Paraderollen geschaffen." Acht Folgen "Die Anstalt" produziert das ZDF pro Jahr.
Die Anstalt - Di. 21.07. - ZDF: 22.15 Uhr