Der Ring des Nibelungen

Im "Tatort: Gold" (2023) wandeln die Ludwigshafener Kommissarinnen Odenthal (Ulrike Folkerts) und Stern (Lisa Bitter) auf den Spuren einer regionalen - und doch weltbekannten - Legende. Kann es sein, dass der Schatz der Nibelungen wieder aufgetaucht ist?
Eric Leimann |
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Die Ludwigshafener "Tatort"-Kommissarinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) besuchen Albert Dürr (Heino Ferch), Direktor des Wormser Nibelungen-Museums. Ist der legendäre Nibelungen-Schatz wieder aufgetaucht?
SWR/Benoît Linder 11 Die Ludwigshafener "Tatort"-Kommissarinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) besuchen Albert Dürr (Heino Ferch), Direktor des Wormser Nibelungen-Museums. Ist der legendäre Nibelungen-Schatz wieder aufgetaucht?
Kriminaltechniker Becker (Peter Espeloer) ist im Kofferraum des Vermissten auf alte Goldmünzen gestoßen. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts,rechts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) glauben an ein Verbrechen.
SWR/Benoît Linder 11 Kriminaltechniker Becker (Peter Espeloer) ist im Kofferraum des Vermissten auf alte Goldmünzen gestoßen. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts,rechts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) glauben an ein Verbrechen.
Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, links) und Johanna Stern (Lisa Bitter, rechts ) befragen Weingut-Besitzerin Susanne Bartholomae (Ulrike C. Tscharre). Sie war die wohl letzte Verabredung des verschwundenen Mannes. Ungefragt gibt ihr Staatsanwalt Hagen Reuschlin (Hendrik Heutmann) ein Alibi.
SWR/Benoît Linder 11 Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, links) und Johanna Stern (Lisa Bitter, rechts ) befragen Weingut-Besitzerin Susanne Bartholomae (Ulrike C. Tscharre). Sie war die wohl letzte Verabredung des verschwundenen Mannes. Ungefragt gibt ihr Staatsanwalt Hagen Reuschlin (Hendrik Heutmann) ein Alibi.
Was plant Kunsthändlerin Maria Bernard (Marie Bonnet)? Glaubt sie auch, den legendären Nibelungenschatz in Besitz nehmen zu können?
SWR/Benoît Linder 11 Was plant Kunsthändlerin Maria Bernard (Marie Bonnet)? Glaubt sie auch, den legendären Nibelungenschatz in Besitz nehmen zu können?
Der exzentrische Albert Dürr (Heino Ferch), Direktor des Wormser Nibelungen-Museums, schwankt manchmal zwischen Sage, Geschichte und Realität. Hat der Mann noch alle Tassen im Schrank?
SWR/Benoît Linder 11 Der exzentrische Albert Dürr (Heino Ferch), Direktor des Wormser Nibelungen-Museums, schwankt manchmal zwischen Sage, Geschichte und Realität. Hat der Mann noch alle Tassen im Schrank?
Melania Wolter (Pheline Roggan) will ihren Mann zurück. Dafür greift die tief Gefallene schon mal zum Schwert und terrorisiert ein Hotel, im dem ihr Ex zuletzt mit einer Frau gesehen wurde.
SWR/Benoît Linder 11 Melania Wolter (Pheline Roggan) will ihren Mann zurück. Dafür greift die tief Gefallene schon mal zum Schwert und terrorisiert ein Hotel, im dem ihr Ex zuletzt mit einer Frau gesehen wurde.
Albert Dürr (Heino Ferch), Direktor des Wormser Nibelungen-Museums, versucht Geschichte in seiner Kulturstätte erlebbar zu machen.
SWR/Benoît Linder 11 Albert Dürr (Heino Ferch), Direktor des Wormser Nibelungen-Museums, versucht Geschichte in seiner Kulturstätte erlebbar zu machen.
Kommissarin Johanna Stern (Lisa Bitter) bereitet ihre Zwillingstöchter (Liv und Ivy Zirkel) auf eine Theateraufführung vor. Natürlich geht es auch hier um den Schatz des Nibelungen.
SWR/Benoît Linder 11 Kommissarin Johanna Stern (Lisa Bitter) bereitet ihre Zwillingstöchter (Liv und Ivy Zirkel) auf eine Theateraufführung vor. Natürlich geht es auch hier um den Schatz des Nibelungen.
Weingut-Betreiberin Susanne Bartholomae (Ulrike C. Tscharre) und Staatsanwalt Hagen Reuschlin (Hendrik Heutmann) wollen gemeinsam ein Problem lösen.
SWR/Benoît Linder 11 Weingut-Betreiberin Susanne Bartholomae (Ulrike C. Tscharre) und Staatsanwalt Hagen Reuschlin (Hendrik Heutmann) wollen gemeinsam ein Problem lösen.
Melania Wolter (Pheline Roggan, links) glaubt, dass Weinbäuerin Susanne Bartholomae (Ulrike C. Tscharre) ihr den mittlerweile verschwundenen Mann weggenommen hat.
SWR/Benoît Linder 11 Melania Wolter (Pheline Roggan, links) glaubt, dass Weinbäuerin Susanne Bartholomae (Ulrike C. Tscharre) ihr den mittlerweile verschwundenen Mann weggenommen hat.
Auch Museumsdirektor und Nibelungenforscher Albert Dürr (Heino Ferch, rechts) und sein Assistent Emil (Philipp Jacob) sind unter die Schatzsucher gegangen.
SWR/Benoît Linder 11 Auch Museumsdirektor und Nibelungenforscher Albert Dürr (Heino Ferch, rechts) und sein Assistent Emil (Philipp Jacob) sind unter die Schatzsucher gegangen.

Jäger verlorener Schätze, ein vielleicht nur scheinbar überholtes Konzept der Fernseh- und Kinounterhaltung, waren 2023 mit der Wiederkehr des damals 80-jährigen Harrison Ford als Indiana Jones in aller Munde. Aus dem gleichen Jahr stammt auch der "Tatort: Gold", in dem die Ludwigshafener Kommissarinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) einer Kostbarkeit hinterherjagen. Sie kann mit den bei "Indy" bespielten Kinomythen mithalten: Es ist der legendäre Schatz der Nibelungen. Einst soll er durch Hagen von Tronje im Rhein versenkt worden sein, und tatsächlich nahmen und nehmen einige Forscher an, dass dieser Schatz real existiert. Auf eine Spur führt die Ermittlerinnen der verschwundene Filialleiter einer Bank, zudem ein Mittelalter-Fan, in dessen zurückgelassenem Wagen sich Goldmünzen befinden, die zum "Rheingold" gehören könnten.

Das Ludwigshafener Team, in dem diesmal auch die 2024 ausgeschiedenen Gerichtsmediziner Becker (Peter Espeloer) und Mitarbeiterin Edith Keller (Annalena Schmidt) einiges an Spielzeit erhalten, findet heraus, dass der Verschwundene seinen letzten Abend offenbar im Deidesheimer Weingebiet verbrachte. Dort hat auch Susanne Bartholomae (Ulrike C. Tscharre), die sich mit dem später Verschwundenen in einem Hotel traf, ihr Weingut. Albert Dürr (Heino Ferch), Direktor des Wormser Nibelungen-Museums, ist sich fast sicher: Die Sage rund um das im Rhein versenkte, mystische Gold könnte zu neuem Leben erweckt werden. Vielleicht hat jemand den im Wortsinne sagenumwobenen Nibelungenschatz gefunden - was jedoch, wie im Nibelungenlied beschrieben, zur Abkehr von der Liebe und Hinwendung zu Mordideen geführt haben könnte.

Tatsächlich tritt bald eine Schmuckhändlerin (Marie Bonnet) auf den Plan, die ebenfalls über die Maßen an einem "Schatz" interessiert ist. Und dann wäre da noch die abgestürzte Ex-Frau des Verschwundenen (Pheline Roggan), die ebenfalls eine wichtige Rolle in dieser mit Humor unterfütterten Krimi-TV-Oper spielen könnte ...

Weltbekannte Mythen aus Rheinland-Pfalz

Auf der Suche nach Mythen ist man in der Nordostregion des SWR-Sendegebietes nun beim "Ring des Nibelungen" angekommen - dem aus vier Teilen bestehenden Opernzyklus Richard Wagners. Die Adaption der deutschen Volkssage geriet ihm zwischen 1848 und 1874 zu einem 16-stündigen Gesamtwerk. "Tatort: Gold" (Drehbuch: Fred Breinersdorfer und Katja Röder, Regie: Esther Wenger) übernimmt nun erzählerische Motive des Nibelungenliedes aus dem frühen 13. Jahrhundert und nutzt zudem Kapitelunterteilungen wie "Das Rheingold", "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung", um auf Ähnlichkeiten zwischen Sage, Oper und Krimiplot hinzuweisen.

Wer nun aber glaubt, das Ganze ergäbe einen anspruchsvollen Kunstkrimi, irrt. "Gold" ist ein leichter, manchmal sogar reichlich alberner Sommerkrimi, der mehr Münster als Murot atmet und der in vielen Figuren und Erzählsträngen auch nicht wirklich geglückt ist. Dafür baut er zu wenig Spannung auf und auch der Plot wirkt nicht wirklich rund.

Trotzdem sollte es vor allem für Nibelungen- und Wagner-Fachleute eine Freude sein, Parallelen und Motive von Sage und Oper im Krimi wiederzuerkennen und sich über ihre "moderne" Interpretation Gedanken zu machen. Schließlich fasziniert die Idee unermesslichen Reichtums die Menschheit bis heute. Und noch immer fahnden Glücksjäger nach Überresten des vielleicht größten beschriebenen Schatzes der Menschheit, von dem die Sage erzählt, dass zwölf Leiterwagen vier Tage lang dreimal hin- und herfuhren, um all das Gold fortzuschaffen.

"Tatort"-Sommerpause endet am 13. September

Natürlich sind auch Liebe, Hass und Mordlust bis heute noch nicht ausgestorben, was die Bande zwischen Sage, Opernzyklus und Krimi nochmals enger knüpft. Liebevoll ist zudem der Soundtrack des SWR-Films, für den die Komponisten Robert Schulte Hemming und Jens Langbein einen Score mit klassischen Musikern einspielen ließen, der die Wagner-Opern zwar nicht direkt nutzt, aber ihre Motive an den passenden Stellen zitiert.

Indes endet die in diesem Jahr wegen der XXL-Fußball-WM extrem lange "Tatort"-Sommerpause in 14 Tagen. Maria Furtwängler wird in der ersten Premiere der "Tatort"-Saison 2026/2027 als Charlotte Lindholm ermitteln. Ihr Film "Tatort: König in Gelb" läuft am Sonntag, 13. September, um 20.15 Uhr.

Tatort: Gold - So. 30.08. - ARD: 20.15 Uhr

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