Der Party-Käfer

Der Feinkost-König ist „Gastronom des Jahres 2009“ – doch anstatt den Preis nur anzunehmen, schmeißt er in Wiesbaden ein Fest der Superlative
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Flotter Käfer: Gastgeber Gerd rockt mit einer Sängerin der Sky-High-Band.
Klaus Primke Flotter Käfer: Gastgeber Gerd rockt mit einer Sängerin der Sky-High-Band.

Der Feinkost-König ist „Gastronom des Jahres 2009“ – doch anstatt den Preis nur anzunehmen, schmeißt er in Wiesbaden ein Fest der Superlative

Das Schlaraffenland 2.0 sieht so aus: Ein Austern-Buffet, länger als der rote Teppich. Champagner-Bars von Ruinart, Roederer, Moet, Taittinger und Lanson, die nebeneinander aufgebaut sind, als wäre Milliardärs-Messe und nicht Finanzkrisenzeit. Stockwerke aus feinsten Schokopralinen beweisen, dass selbst Diäten aus der Mode gekommen sind. Zumindest für diesen Abend.

Franz Lambert spielt an der Orgel. Menschen in Smoking und Abendkleid lachen fröhlich und rauchen tatsächlich noch – sogar dicke Zigarren. Dazu stehen Wiesn-Wirte und Top-Gastronomen aus München – die es nicht gewohnt sind, auf irgendetwas warten zu müssen – brav in einer Schlange am Eingang und meckern nicht mal. Ist die Promi-Welt verrückt geworden?

Nein! Es ist Gerd Käfer (76), der vom Busche-Verlag (Schlemmer Atlas) zum „Gastronom des Jahres 2009“ gekürt wird. Und wenn ein Mann wie er, dessen Visitenkartentext länger als eine Speisenkarte ist („Gourmet-Papst“, „Feinkost-König“, „Catering-Erfinder“), einen Preis bekommt, dann bekommt er nicht einfach nur einen Preis. Dann schmeißt er den ganzen Abend. Lädt 460 Freunde ein, brütet sieben Stunden an der Tischordnung, von der Speisenauswahl aus Platzgründen einmal ganz zu schweigen.

Gerd Käfer, der niemandem etwas beweisen muss, wirbelt im Wiesbadener Kurhaus herum. Mit seinem „Lebensglück“ Uschi Ackermann schüttelt er Hände, Gesprächshäppchen fliegen durch die Luft. Ihre beiden Möpse Sir Henry und Pussinka, freilich dem Dresscode entsprechend gewandet, sind auch da. „Die Möpse sind besser gekleidet als die Gäste“, ruft ein Mann mit Fliege. Dass die Vierbeiner den roten Teppich zu ihrem Revier markieren, stört niemanden. An so einem Abend ist alles erlaubt – und erwünscht.

Die Gerd-Show: Käfers Rede ist der Appetizer des Abends. So launig-lecker, das sie Lust auf mehr macht: „2032 gehe ich in den Ruhestand – mit 100. Bis dahin will ich ein flotter Käfer bleiben und als erster im Weltall servieren.“ Das Motto des Gastgebers: „Verlierer halten Meetings, Gewinner feiern Party!“ Und zwar so, als gäbe es kein Morgen und keine Meetings.

Um ein Uhr nachts tanzt der Glücks-Käfer auf der Bühne, so ekstatisch mit der israelischen Sky High Band, wie er sonst nur vorm Herd agiert.

Eckart Witzigmann kuschelt mit seiner Freundin Niki Schnelldorfer und streichelt verliebt ihr Gesicht. Erst jetzt fällt ihm auf, dass er vorher bei seiner gewürzten Laudatio eine Seite Text überblättert hat. „Gerd ist der Einmalige“, sagt Ecki zur AZ. „Ich hab’ ihn richtig gern, wir sind keine Konkurrenten.“

Konkurrenten – das ist das Unwort des Abends. Sternekoch Heinz Winkler applaudiert neidlos, Sepp Krätz schwärmt an der Seite von seiner Tina Fichtel über den Gastgeber, Aquarello-Chef Mario Gamba prostet zu, Edi Reinbold feiert mit und Roland Kuffler, mit dem Käfer das Kurhaus leitet, erzählt der AZ: „Gerd und ich führen eine Art Ehe. Seit 25 Jahren sind wir befreundet, wir telefonieren jeden Tag und haben uns noch nie gestritten.“

Harmonie will auch Roland Koch verbreiten. Der Ministerpräsident und Laudator des Abends ist mit Käfer befreundet und tischt ihm gern in privater Runde Spaghetti mit Zitronensoße auf. Was würde er gerne Andrea Ypsilanti servieren? Der Hobby-Koch schmunzelnd zur AZ: „Rote Grütze.“

Hicksilanti geht es weiter. Beschwingt und beschwipst von so viel Freundschaft und Riesling wollen die Gäste selbst tief in der Nacht partout nicht gehen. Es gibt riesige Käseplatten, Hühner-Curry und wieder Champagner. Der Abend könnte von vorne losgehen. Allerdings muss er ein Ende finden. Denn um elf Uhr morgens treffen sich alle 460 Gäste wieder. Auf Einladung von Gerd Käfer – zum Brunch.

Kimberly Hoppe

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