"Das hat keiner gewusst“: Ex-Kollegin von Silvia von Schweden erinnert sich an Kennenlernen bei Olympia in München

Vor 50 Jahren: Schwedens König und Silvia Sommerlath heiraten. Begonnen hat das moderne Märchen bei Olympia 1972 in München. Eine Ex-Kollegin der einstigen Olympia-Hostess erinnert sich für die AZ an ihre Zeit mit der späteren Königin.
Martina Scheffler
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Eine Deutsche wird Königin: Carl XVI. Gustaf und Silvia winken vom Balkon des Stockholmer Schlosses nach der Hochzeit am 19. Juni 1976.
Eine Deutsche wird Königin: Carl XVI. Gustaf und Silvia winken vom Balkon des Stockholmer Schlosses nach der Hochzeit am 19. Juni 1976. © PrB/TT/imago

Mei, ist das schön! Eine Deutsche wird Königin! Am 19. Juni 1976 verfolgen Millionen Menschen weltweit eine ganz besondere Hochzeit, die mit ikonischen Momenten in die Monarchiegeschichte eingeht: Fräulein Silvia Sommerlath heiratet Carl XVI. Gustaf, den König von Schweden. Eine Bürgerliche, eine Deutsche - und die Frau, die die Monarchie in dem skandinavischen Land retten sollte.

50 Jahre später werden sich immer noch viele an die Bilder dieser Hochzeit erinnern: das Brautpaar, wie es aus der Storkyrkan in Stockholm kommt, die Leibgarde steht Spalier. Die Fahrt in der königlichen Schaluppe „Vasaorden“. Und am Vorabend der Hochzeit: die schwedische Popband Abba, die für die künftige Königin Silvia „Dancing Queen“ singt. Hach!

250.000 Menschen waren in der schwedischen Hauptstadt versammelt: das Brautpaar auf der königlichen Schaluppe „Vasaorden“ nach der Hochzeit in Stockholm.
250.000 Menschen waren in der schwedischen Hauptstadt versammelt: das Brautpaar auf der königlichen Schaluppe „Vasaorden“ nach der Hochzeit in Stockholm. © SVT Bild/imago

Besonders in München dürften vor einem halben Jahrhundert viele Menschen zugeschaut haben: Schließlich begann hier die Liebe zwischen dem König und der gebürtigen Heidelbergerin - bei den Olympischen Spielen vier Jahre vor der Hochzeit. Eine der Zuschauerinnen in München war Uta Menzer. Und für sie war Schwedens neue Königin nicht nur irgendeine Prominente - sie war Menzers Ex-Kollegin oder besser Ex-Vorgesetzte.

Die spätere Königin war eine "Checkhostess"

Denn wie die Heidelbergerin, die damals noch Sommerlath hieß und Absolventin des Münchner Sprachen- und Dolmetscher-Instituts war, war Menzer als Hostess bei Olympia 1972. Die spätere Königin war eine von zwölf „Checkhostessen“, die gemeinsam mit anderen Verantwortlichen „die Prüfung und Auswahl der 2000 Hostessen“ übernahm, wie sich Menzer beim Treffen mit der AZ erinnert. 8000 Frauen hatten sich insgesamt beworben, 150 von ihnen arbeiteten als Chefhostess.

Silvia Sommerlath (3.v.r.) zeigt mit anderen Hostessen dem bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel (l.) und dem deutschen NOK-Präsident Willi Daume in München die Hostessen-Trachten.
Silvia Sommerlath (3.v.r.) zeigt mit anderen Hostessen dem bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel (l.) und dem deutschen NOK-Präsident Willi Daume in München die Hostessen-Trachten. © dpa

Auch die heute 85 Jahre alte Oberschleißheimerin, die als Fremdsprachensekretärin in München gearbeitet hatte, wurde Chefhostess. Während der Fortbildung vor dem Start der Olympischen Spiele lernte sie „die besonders liebenswerte und sprachgewandte Silvia in mehreren durchgespielten Situationen kennen und schätzen“.

Uta Menzer heute.
Uta Menzer heute. © Martina Scheffler

Hat sie etwas mitbekommen von der anfangs noch geheimen Liebe zwischen der Olympiahostess und dem König? „Nein, das hat keiner gewusst“, sagt Menzer. Aber hat es sie überrascht, dass eine Frau wie Silvia Sommerlath Königin wurde? „Nein“, sagt Menzer. „Wir haben immer gesagt, sie ist wirklich dafür qualifiziert.“

Treffen in der Kinki-Bar

In Schwabing gingen Carl Gustaf und Silvia damals beispielsweise in der Kinki-Bar gemeinsam aus - so wurde die Weltöffentlichkeit langsam auf ihre Liebe aufmerksam. Seit jener Zeit hat die Oberschleißheimerin den Werdegang von Silvia über Zeitungen immer verfolgt - und als Menzer zwei Jahre nach Olympia Mutter einer Tochter wurde, gab es nur einen Namen, der infrage kam: Sylvia. Ein bisserl verändert, aber eindeutig benannt nach der Königin.

Verliebt in Schwabing: Carl XVI. Gustaf und Silvia Sommerlath in der Kinki-Bar während der Olympischen Spiele 1972.
Verliebt in Schwabing: Carl XVI. Gustaf und Silvia Sommerlath in der Kinki-Bar während der Olympischen Spiele 1972. © SCANPIX SWEDEN/Pressens Bild/imago

Sylvia war mit knapp zwei Jahren auch dabei, als Uta Menzer die Hochzeit 1976 vor dem Fernseher verfolgte. Sie habe der Königin auch geschrieben und zur Hochzeit gratuliert, erzählt Menzer. Vom Hof kam eine Dankeskarte. Was mit Silvia geschah, „habe ich immer ganz interessiert verfolgt“, sagt Menzer. Auch als das Paar später Kinder bekam. Ende der 70er-Jahre war die Königin, damals schwanger mit ihrem Sohn Carl Philip, zu Gast in München im Hotel Vier Jahreszeiten.

Silvia brauchte ihre Ruhe

Da sei sie mit ihren Kindern mit einer „bayerischen Brotzeit aus Marzipan“ in die Maximilianstraße gefahren, „um Silvia zu besuchen“, sagt Menzer. Die schwangere Monarchin benötigte angesichts des gedrängten Programms jedoch ihre Mittagsruhe. „Der Wächter vor der Zimmertür hat das Geschenk mit Dank angenommen und an sie weitergeleitet.“

Ein Treffen war nicht möglich - „trotzdem war es ein Erlebnis für meine Kinder und mich, so nah zu ,unserer’ geschätzten Silvia vorgedrungen zu sein“, erinnert sich Menzer mit einem Lächeln. Was wünscht sie Silvia und Carl Gustaf? „Ich wünsche dem schwedischen Königspaar zur Goldenen Hochzeit Glück, Zufriedenheit und noch viele schöne gemeinsame Jahre.“

Menzer 2018 mit ihrem blauen Original-Dirndl von 1972.
Menzer 2018 mit ihrem blauen Original-Dirndl von 1972. © privat

Ihr Chefhostessen-Dirndl von 1972 hat Menzer 2018 mit anderen Erinnerungsstücken dem Haus der Bayerischen Geschichte vermacht. Auch die Königin erinnert sich in Interviews immer noch gern an die Zeit in München zurück, zuletzt Ende vergangenen Jahres, als ihr von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste verliehen wurde.

"Praktisch immer noch zwei Koffer in München"

„Hier habe ich mich auch verliebt“, zitierte die „Bunte“ die Königin. Sie habe „praktisch immer noch zwei Koffer in München“ - was man auch daran sieht, dass sie immer wieder zu verschiedenen Anlässen in die Stadt zurückkehrt, in der ihre große Liebe einst ihren Anfang nahm.

Silvia Sommerlath, spätere Königin von Schweden, präsentiert als Olympiahostess die begehrten Olympiatickets.
Silvia Sommerlath, spätere Königin von Schweden, präsentiert als Olympiahostess die begehrten Olympiatickets. © Sven Simon/imago

Sie selbst wurde für die in den 1970er-Jahren vor der Abschaffung stehende Monarchie in Schweden zum Hauptgewinn, ihr Mann vom Playboy-König zum Familienvater, auf den der Glanz seiner schönen, gebildeten und charmanten Frau abstrahlte. Krisen gab es nur wenige - Enthüllungen über angebliche Kontakte des Königs ins Rotlichtmilieu und eine Affäre ertrug Silvia stoisch.

50 Jahre später: dasselbe Paar, dieselbe Schaluppe. Der schwedische König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia gehen anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit am Skeppsbron an Bord.
50 Jahre später: dasselbe Paar, dieselbe Schaluppe. Der schwedische König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia gehen anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit am Skeppsbron an Bord. © dpa/TT News Agency/AP | Pontus Lundahl

Längst haben sich diese Wogen wieder geglättet. Zur Gold-Feier am vergangenen Wochenende sagte Carl Gustaf rückblickend auf die 50 gemeinsamen Jahre: „Seht euch die Königin und mich an!”, so zitiert ihn die „Bunte“. „Was für ein Fest das geworden ist!“

 

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