Das Geschäft mit Schnipseln aus der Wüste

Die Schriftrollen von Qumran am Toten Meer von 1947 gelten als ältestes Zeugnis des Alten Testaments, aber auch des Ursprungs des christlichen Glaubens. ARTE macht aus neuen Funden seit dem Jahr 2000 und um den Handel mit Fälschungen einen breit gefächerten Kriminalroman: "Die Bibelfälscher".
Hans Czerny |
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Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1947 faszinieren die Schriftrollen vom Toten Meer Forscher wie den Archäologen Jean-Baptiste Humbert. Im Jahr 2000 kam es zu einer Schwemme von alttestamentarischen Fragmenten. Danach kamen die Forscher Fälschern auf die Spur.
ARTE / ZED 3 Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1947 faszinieren die Schriftrollen vom Toten Meer Forscher wie den Archäologen Jean-Baptiste Humbert. Im Jahr 2000 kam es zu einer Schwemme von alttestamentarischen Fragmenten. Danach kamen die Forscher Fälschern auf die Spur.
Um das Jahr 2010 sorgten mehrere Fragmente mit biblischen Texten für Aufsehen auf dem internationalen Antiquitätenmarkt. Sie galten als sensationelle Ergänzung der berühmten Schriftrollen vom Toten Meer.
ARTE / ZED 3 Um das Jahr 2010 sorgten mehrere Fragmente mit biblischen Texten für Aufsehen auf dem internationalen Antiquitätenmarkt. Sie galten als sensationelle Ergänzung der berühmten Schriftrollen vom Toten Meer.
Im Anschluss an die Entdeckung vermeintlicher neuer Manuskripte entstand in Washington ein monumentales Bibelmuseum für etwa 700 Millionen US-Dollar, das von wohlhabenden Spendern finanziert wurde.
ARTE / ZED 3 Im Anschluss an die Entdeckung vermeintlicher neuer Manuskripte entstand in Washington ein monumentales Bibelmuseum für etwa 700 Millionen US-Dollar, das von wohlhabenden Spendern finanziert wurde.

Alleine die Bilder von der jordanischen Wüste sind in ihrer kargen Schönheit abendfüllend. Als dort um 1947 tausende von Fragmenten gefunden wurden, die als älteste Zeugnisse des Alten Testaments gelten, war die Sensation perfekt. Insbesondere die von Beduinen in elf Felsenhöhlen entdeckten Pergamentrollen gelten als älteste Abschriften der Bibel überhaupt.Nicht zuletzt, weil sie als Beweis für die Existenz der Juden vor Jahrtausenden in Palästina stehen, stiegen sie zuletzt in ihrem Wert, der in die Millionen geht. In der zweiteiligen ARTE-Dokumentation "Die Bibelfälscher" spüren die französischen Autoren Rémi Lainé und Fanny Belvisi den aufregenden Erkenntnissen um ihre Entdeckung, aber auch um vielfache Fälschungen nach. ARTE strahlt beide Teile direkt hintereinander aus.

Am Anfang waren da Beduinen, um die sich spannende Geschichten, ja "Märchen" ranken. Etwa die von Hirten, die, indem sie ihren Ziegen nachkletterten, die erste Qumran-Höhle entdeckten und später vorgefundene Schriftstücke in kleinste Schnipsel zerlegten, weil sie dafür jeweils eine Belohnung von fünf Dollar von ihrem Auftraggeber bekamen.

Der Preis der Fragmente stieg immens. Er kletterte in Millionenhöhen, als 60 Jahre später, nach 2000, erneut auf Pergament geschriebene Textfragmente in den Handel kamen, deklariert als neuerliche Funde aus der jordanischen Wüste. Schriftkundler und Archäologen, die als Experten auf die Fragmente angesetzt wurden, entdeckten jedoch bald, dass es sich um Fälschungen handeln musste. Sei es, weil Schriftvergleiche nicht zu Übereinstimmungen führten, sei es auch nur, weil das Pergament reines Kochsalz (Natriumchlorid) statt verschmutztes Salz aus dem Toten Meer aufwies.

Die "Täter", wie der syrisch-christliche Antiquitätenhändler Iskander Kando aus Jerusalem, hielten sich bedeckt, durch ihr Wissen und die lange Tradition ihres Geschäfts geschützt. Weitere Spuren führten zu einem norwegischen Sammler, der zwischen 2.002 und 2.009 zig Millionen bezahlte, um die angeblich biblischen Fragmente weiter zu vermitteln - letztlich an amerikanische Geschäftsleute, die in den Handel einstiegen, um mit den Bibelfragmenten ein neues Museum in Washington D.C. zu bestücken und so die amerikanische Kultur in christlichem Sinn zu beeinflussen.Abgesehen von der Aufarbeitung einer hanebüchenen Eulenspiegelei, beeindruckt der ARTE-Film vor allem durch die penible Arbeit der Forscher, die Betrügern, Fälschern und Leichtgläubigen auf die Schliche kommen. Doch hinter allem steht die Frage, ob Gläubige wirklich auf den tatsächlichen Fund antiker Schriften angewiesen sind.

Die "Täter", wie der syrisch-christliche Antiquitätenhändler Iskander Kando aus Jerusalem, hielten sich bedeckt, durch ihr Wissen und die lange Tradition ihres Geschäfts geschützt. Weitere Spuren führten zu einem norwegischen Sammler, der zwischen 2002 und 2009 zig Millionen bezahlte, um die angeblich biblischen Fragmente weiterzuvermitteln - letztlich an amerikanische Geschäftsleute, die in den Handel einstiegen, um mit den Bibelfragmenten ein neues Museum in Washington D.C. zu bestücken und so die amerikanische Kultur in christlichem Sinn zu beeinflussen.

Abgesehen von der Aufarbeitung einer hanebüchenen Eulenspiegelei, beeindruckt der ARTE-Film vor allem durch die penible Arbeit der Forscher, die Betrügern, Fälschern und Leichtgläubigen auf die Schliche kommen. Doch hinter allem steht die Frage, ob Gläubige wirklich auf den tatsächlichen Fund antiker Schriften angewiesen sind.

Die Bibelfälscher (1/2) - Di. 11.08. - ARTE: 20.15 Uhr

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