Conchita Wurst vor CSD-Auftritt in München: "Ich bereue nichts"
Es war ein Moment, der das Leben von Tom Neuwirth für immer verändert hat: Als Drag-Artist Conchita Wurst gewann der 37-Jährige mit "Rise Like A Phoenix" 2014 für Österreich den ESC – und wurde von Weltstars wie Lady Gaga und Cher gefeiert. Am Freitag (26. Juni) wird der Künstler in München für den CSD auf der Bühne stehen. Was die bayerische Landeshauptstadt für Tom Neuwirth alias Conchita Wurst so besonders macht? Im AZ-Interview steht das Ausnahmetalent Rede und Antwort.
Conchita Wurst schwärmt vor CSD-Auftritt von München: "Eine Stadt mit Geschichte"
Im Juni stehen viele Städte im Zeichen des Christopher Street Days, an dem queere Menschen für Akzeptanz und Gleichstellung kämpfen. Mit zuletzt 250.000 Besuchern (2025) gehört die farbenfrohe Parade in München zu den größten in Deutschland. "Ich freue mich schon so auf den CSD in München", schwärmt Conchita Wurst. Ab 21.25 Uhr wird sie auf der Hauptbühne am Odeonsplatz performen. Aber warum eigentlich in München? "Ihr habt die beste Stimmung! Bei euch fühle ich mich fast wie zu Hause. Und München ist auch eine Stadt mit Geschichte, in der man die Vergangenheit spürt, während man das Hier und Jetzt feiert."
Auch für die Isar-Metropole wird es ein ganz besonderer CSD, denn zum ersten Mal hat die Stadt mit Dominik Krause (35) einen offen schwulen Oberbürgermeister. Ist für Conchita Wurst queere Repräsentanz in politischen Positionen wichtig? "Natürlich klingt das wie ein Vorteil für unsere Community", erklärt sie der AZ. "Letztendlich sollten aber selbstverständlich alle Politiker:innen für Vielfalt einstehen, denn Diversität ist die Realität der Natur, alles andere ist pure Fantasie."

Conchita Wurst aka Tom Neuwirth: Vor diesen Herausforderungen steht die queere Community
Wie wichtig die Sichtbarkeit der LGBTQI*-Community ist, zeigen die ernüchternden Zahlen: Die Fachstelle "Strong!" veröffentlichte in einer Statistik, dass Fälle queerfeindlicher Gewalt 2025 in Bayern von 289 auf 413 gestiegen sind. Das entspricht einem Anstieg von 43 Prozent – und die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher sein. Vor welchen Herausforderungen stehen queere Menschen mit Blick auf diese Entwicklung? "Resilient zu bleiben, sich gegenseitig zu stärken und Community wirklich zu leben", betont Conchita Wurst. "Ich glaube, das sind die wichtigsten Dinge, die wir als Gemeinschaft machen können. Und dazu gehört letztendlich auch, dass wir unsere Allies in die Verantwortung nehmen, also diejenigen Personen, die uns und unsere Werte unterstützen, aktiv um Stärkung zu fragen."
Neben meiner absoluten Dankbarkeit, dieses Leben leben zu dürfen, gibt es natürlich auch Herausforderungen.
Viele CSD-Kritiker werfen der Community vor, sie sei zu bunt, zu laut, zu überpräsent und hätte zu hohe Ansprüche. Wie geht Conchita Wurst mit derartigen Argumenten um? In der AZ spricht die Drag-Künstlerin Klartext: "Wenn man in einem Leben voller Privilegien lebt – und das tun diejenigen, die diese Art von Kritik üben – und immer während und schon das ganze Leben diese Privilegien genießt, nur dann fühlt sich zum Beispiel die Gleichstellung von anderen Menschen wie ein Wegnehmen vom eigenen Leben an."

Conchita Wurst wird als Ikone der Community auf dem CSD in München für queeres Leben kämpfen – und dabei natürlich ihre größten Hits schmettern. Vor wenigen Wochen erklärte die Künstlerin in der Sendung "Intermezzo" allerdings, dass ihr das Korsett der Drag-Kunstfigur zu eng werde. Dadurch sei eine künstlerische Weiterentwicklung schwierig. Auf die Frage, ob das Gesangstalent aus Sicht von Tom Neuwirth den internationalen Erfolg und den damit einhergehenden Ruhm bereut, antwortet sie der AZ klar: "Es gibt im Leben viele unterschiedliche Wahrheiten, die alle nebeneinander stehen und bestehen können. Neben meiner absoluten Dankbarkeit, dieses Leben leben zu dürfen, gibt es natürlich auch Herausforderungen. Und nein, ich bereue nichts." Für die Zukunft der queeren Community hat Conchita Wurst einen bescheidenen Wunsch: "Love!"
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